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Evangelisch-reformierte Kirche

 

Geschichte

Nach langen Auseinandersetzungen setzte sich 1529 die Reformation unter der geistigen Leitung von Johannes Oekolampad definitiv in Stadt und Landschaft durch. Damit war die Evangelisch-reformierte Kirche Basel gegründet. Sie war während langer Zeit die einzige erlaubte Religionsgemeinschaft. Die erste Öffnung erfolgte durch die Helvetik im Jahre 1798.

1910–1911 erfolgte in Basel die Trennung von Kirche und Staat.

 

Die Evangelisch-reformierte Kirche wurde zu einer eigenständigen öffentlich-rechtlichen Körperschaft mit dem Recht, Kirchensteuern von ihren Mitgliedern zu erheben.

 

Mit der Kantonstrennung 1832–1833 bildete sich auch eine eigenständige Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Landschaft (ERK-BL). Sie war bis 1952 Staatskirche und erhielt dann eine eigene Verfassung sowie eigene Behörden: Die Kirchenpflegen für die Kirchgemeinden sowie Synode und Kirchenrat für die Kantonalkirche. In der Folge der Verfassungsrevision im Kanton Basel-Landschaft, wurden 1989 auch Anpassungen im staatlichen Kirchengesetz vorgenommen, was zu einer weiteren Entflechtung von Kirche und Staat führte. Noch immer gibt es aber im Regierungskollegium einen für kirchliche Belange zuständigen Regierungsrat, der die Finanz- und Kirchendirektion leitet.

 

In der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK BS) setzte sich im 19. Jahrhundert während Jahrzehnten konservatives erweckliches Gedankengut gerade in den herrschenden Kreisen durch, was den Begriff des «frommen Basel» entstehen liess. Trotzdem erfolgte 1859 der erste Angriff auf das reformatorische Basler Bekenntnis. Alle Gegenwehr konnte in den folgenden 15 Jahren den Abbau ehrwürdiger Glaubens- und Kirchennormen nicht hindern und 1874 wurde der erste Pfarrer der Freisinnigen gewählt. Als Bewahrer des Hergebrachten standen ihnen die Positiven gegenüber.

 

Der Theologe Karl Barth wurde 1935 Professor in seiner Vaterstadt Basel. Seine weltweite Bedeutung brachte auch dem Ort seines Wirkens manchen Impuls. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte die Basler Kirche mehr Mitglieder als je zuvor, weswegen Stellen geschaffen und Bauten errichtet wurden. In den siebziger Jahren kam die Wende, bedingt durch Wegzüge und Austritte ging die Zahl der Reformierten zurück: waren es 1950 noch 124 000 gewesen, so zählte man bei abnehmender Kantonseinwohnerschaft 45 Jahre später noch 48 000. Diesem quantitativen Aderlass steht ein Gewinn an spirituellem, ökumenischem, pluralistischem und kulturellem Leben gegenüber.

 

Lehre

Die Reformation führte die Basler Kirche dazu, ihr Glaubensgut zu formulieren. Sie kam dieser Aufgabe nach in der Reformationsordnung vom 1. April 1529 und im Basler Bekenntnis («Erkanthnus unseres heyligen Christenlichen gloubens wie es die kylch zuo Basel halde») vom 21. Januar 1534. Auch andere reformierte Bekenntnisschriften gelangten später zur Bedeutung. Alle verloren ihre gesamtkirchliche Verbindlichkeit in den erwähnten Richtungskämpfen. Die reformierte Basler Kirche war damit so gut wie bekenntnislos, was aber nichts über den Glauben ihrer einzelnen Mitglieder aussagt.

 

Nachdem in offiziellen Texten des ausgehenden 19. Jahrhunderts über das Wesen der Kirche keine Aussagen gemacht wurden, enthält die Verfassung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt vom 21. November 1910 folgende Grundaussagen zum Sebstverständnis:

«Die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Stadt ist ein Glied der allgemeinen christlichen Kirche. Sie ist Erbe und Rechtsnachfolgerin der in Basel am 8. Februar 1529 kraft Beschlusses des Volks und der Behörden auf Grund der heiligen Schrift erneuerten Kirche, zählt sich zu den wie sie selbst aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und pflegt besonders enge Beziehungen zu den reformierten Kirchen der Schweiz. Als Volkskirche steht sie allen im Kanton Basel-Stadt wohnhaften Protestanten offen. Die Grundlage ihrer Lehre ist Jesus Christus und sein Evangelium, das sie aus der Bibel unter der Leitung des christlichen Gewissens, der christlichen Erfahrung und der Wissenschaft erforscht, verkündet und im Leben zu verwirklichen trachtet. Getreu den Grundsätzen des Protestantismus erwartet sie, dass ihre Mitglieder in den evangelischen Glaubenswahrheiten sich eine persönliche, auf Überlegung und Erfahrung gegründete Überzeugung bilden. Sie will ihnen darin nach Kräften helfen und sie als Glieder eines Leibes, dessen Haupt Christus ist, vereinen im Geiste göttlicher Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Ihr Ziel ist, zur Förderung des Reiches Gottes auf Erden beizutragen durch das Evangelium als die unversiegbare Quelle ewigen Lebens und persönlichen wie gemeinschaftlichen Fortschrittes.»

 

Bei Taufen oft gebraucht wird das altkirchliche apostolische Glaubensbekenntnis.

 

Als evangelische Kirche reformierter Prägung verkündet die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Landschaft allem Volk das Evangelium von Jesus Christus in Predigt, Taufe und Abendmahl, in Unterricht, Seelsorge und Diakonie. Als Volkskirche bezeugt sie für die gesamte Menschheit und für jeden Einzelnen kein anderes Heil als die unverdiente Gnade Gottes. Sie ist verpflichtet zur Bekämpfung allen Unrechts, jeder leiblichen und geistigen Not und deren Ursachen. Sie nimmt an den Problemen und Sorgen aller Schichten und Berufsgruppen teil. Sie tritt für die sozial und wirtschaftlich Benachteiligten ein und strebt einen friedlichen Ausgleich der Gegensätze an. Sie weiss sich verantwortlich für die Fremden in unserem Kanton und wendet sich gegen jede nationale und konfessionelle Diskriminierung. Die ERK BL kennt keinen Bekenntniszwang, ist aber nicht bekenntnislos, sondern bekennt sich zu den «apostolischen Bekenntnissen» und zum «Zweiten Helvetischen Bekenntnis» (1566).

 

Die ERK BL ist erstrebt, ihre Ziele durch die persönliche Betätigung und das lebendige Beispiel aller ihrer Mitglieder, ihrer Geistlichen und anderen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den Gemeinden, in den kantonalkirchlichen Diensten, in gemeindeübergreifenden Gemeinschaften und Kommunitäten, Initiativen und Projekten sowie an anderen Orten kirchlichen Lebens.

 

Oekumene

In vielen Bereichen besteht eine rege Zusammenarbeit mit der Römisch-Katholischen und der Christkatholische Kirche sowie der Israelitischen Gemeinde.

 

Beide Kantonalkirchen sind Mitglied bei:

Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Basel-Landschaft und Basel-Stadt

Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund

Oekumenischer Rat der Kirchen

Schweizerische Evangelische Allianz

Basler Bibelgesellschaft

Evangelische Stadtmission Basel

Christlich-Jüdische Projekte (CJP)

INFOREL, Information Religion

 

In Basel werden manche kirchliche Gebäude auch von Freikirchen und Minderheitskirchen genützt: Griechisch-Orthodoxe Kirche, Serbisch-Orthodoxe Kirche, Anglican Church Basel, BewegungPlus – Freikirchen mit Charisma, Evangelische Gemeinde Basel, EGB .

 

Die beiden Kirchen sind darum bemüht, für ein friedliches Zusammenleben mit anderen Religionen beizutragen.

 

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt ist Mitglied der mission 21 - Evangelisches Missionswerk Basel.

 

(Einige Dienste und Aktivitäten werden unter «Oekumenische Aktivitäten in Basel-Stadt und Basel-Land» beschrieben!).

 

[int.Nr.: i102]

 

Aktualisiert: 22.5.2008

 

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