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Der Glaube im täglichen Leben

Das Christentum umfasst eine grosse Bandbreite an Feiern und Bräuchen, die im täglichen Leben und innerhalb der verschiedenen Kirchen äusserst unterschiedlich gelebt und praktiziert werden.

 

Sonntag

Wie der Schabbat im Judentum, gilt der Sonntag als wöchentlicher Feiertag der Christen. Den Evangelien zufolge ist Jesus Christus an einem Sonntag auferstanden, was seither an diesem Tag gefeiert wird (vgl. Markus 16,2; Lukas 24,30-43; Johannes 20,1). Trotz tendenzieller Zunahme der Sonntagsarbeit gilt der Sonntag in den vom Christentum geprägten Ländern als arbeitsfreier Ruhetag. Viele Christen besuchen sonntags den Gottesdienst, pflegen soziale Kontakte innerhalb der Gemeinde und mit der Familie und nutzen den Tag zur Erholung.

 

Feiertage

Die bedeutendsten christlichen Feiertage sind Ostern und Weihnachten. An Ostern wird der Tod und die Auferstehung Jesu Christi gefeiert, an Weihnachten dessen Geburt. Viele christliche Traditionen rund um diese Feiertage haben sich zunehmend mit jüngeren, volkstümlichen und anderweitigen Bräuchen vermischt. So sind die Geschenke und der geschmückte Tannenbaum an Weihnachten genauso wenig wegzudenken wie an Ostern die Eier und Schokoladenhasen. Wer als Christ das Jahr hindurch nicht regelmässig Gottesdienste besucht, tut dies zumindest an diesen Festtagen. Palmsonntag, Karfreitag, Auffahrt und Pfingsten (50 Tage nach Ostern) sind weitere Feiertage rund um das Osterfest, die jedoch selten im Alltag als vielmehr von kirchlich verbundenen, beziehungsweise besonders gläubigen Christen gefeiert werden. Auch die Adventszeit sowie der Nikolaustag vor und der Dreikönigstag nach Weihnachten sind Festzeiten und Feiertage, die im täglichen Leben weniger religiösen als vielmehr traditionellen Charakter haben.

Christentum: Kalender

 

Gebet

Je nach christlicher Konfession oder Glaubensrichtung bestehen grosse Unterschiede in den Gebetsformen. Das «Vaterunser», respektive das «Unser Vater» gilt hingegen als das am weitesten verbreitete, bekannteste und älteste Gebet im Christentum. Wie im Matthäus- und Lukas-Evangelium erwähnt, hat Jesus dieses Gebet seinen Jüngern gelehrt. Zum christlichen Alltag gehören auch Tischgebete sowie Gebete in Form von (Kirchen)-Liedern, Lobpreis und Psalmen. Während in evangelischen Freikirchen persönliche und frei formulierte Gebete zu Gott bevorzugt werden, sind in anderen Konfessionen vorformulierte, liturgische Gebete üblich, wie unter anderem das Rosenkranz-Gebet, Gebete zu Maria sowie zu Heiligen. Viele Christen falten beim Beten üblicherweise die Hände und schliessen die Augen, Katholiken bekreuzigen sich und knien nieder, wiederum andere halten die Hände beim Gebet und Lobpreis in die Höhe.

 

Bibel

Die «Heilige Schrift» oder «die Bibel» bildet ein wesentliches Fundament des christlichen Glaubens. Das Buch besteht aus dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Die verschiedenen Schriften sind wiederum in mehrere Kapitel unterteilt. Das so genannte «Buch der Bücher» gilt als das weltweit am meisten verbreitete Buch. Es wurde in unzählige Sprachen übersetzt und mehrfach neu überarbeitet. Dies führte unter anderem zu unterschiedlichen Interpretationen und Auslegungen innerhalb des Christentums. Im Alltag vieler Christen spielt die Bibel eine grosse Rolle. Der Pfarrer oder Priester liest Bibelverse vor oder predigt über ein Thema aus der Bibel. Viele Christen widmen sich dem täglichen, individuellen oder gemeinsamen Bibelstudium ermutigt. In vielen christlichen Gemeinden bilden sich Hauskreise oder Gesprächsgruppen, in denen unter anderem gemeinsam in der Bibel gelesen und über bestimmte Bibelthemen diskutiert wird. Beliebt sind auch Losungstexte (Bibelverse für jeden Tag), Psalme und Sprüche wie auch anderweitige Lektüren rund um die Bibel.

 

Ernährung

Im Gegensatz zum Islam und Judentum gibt es im Christentum keine Speisegesetze. Während das Alte Testament viele Speisegebote, insbesondere zum Fleischkonsum, enthält, werden diese Vorschriften – die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Speisen – im Neuen Testament weitgehend aufgehoben (Markus 7,18-19 und Römer 14,17).

Der Freitag ist jedoch bekannt als «Fischtag». Im Gedenken an Karfreitag (dem Tag der

Kreuzigung von Jesus Christus) wurde jeweils am Freitag gefastet, beziehungsweise kein Fleisch gegessen. Dass noch heute viele Restaurants freitags Fisch servieren und christliche Familien an diesem Tag Fisch essen, hat hingegen vielmehr traditionelle als religiöse Gründe. Wie in anderen Religionen kennt auch das Christentum längere Buss- und Fastenzeiten. Jeweils vierzig Tage vor Ostern (von Aschermittwoch bis Palmsonntag) sowie in der Adventszeit vor Weihnachten wird nach christlichem Glauben entweder gefastet oder zumindest enthaltsam gelebt, indem beispielsweise auf fetthaltige Lebensmittel, Süssigkeiten, Alkohol und Tabak oder gänzlich auf Nahrung verzichtet wird.

 

Religiöse Symbole und Gegenstände

Im Christentum gibt es zahlreiche religiöse Symbole und Objekte. Das wichtigste und wohl bekannteste aller Symbole ist das Kreuz, welches an Jesus Christi Kreuzestod erinnert. Verschiedene Kreuze hängen unter anderem in Kirchenräumen, werden als Halsketten getragen oder als Wandschmuck verwendet.

Der Fisch gilt als eines der ältesten christlichen Symbole. Bereits den Urchristen diente der Fisch als wesentliches Erkennungsmerkmal ihres Glaubens. Die Anfangsbuchstaben des christlichen Bekenntnisses bilden das altgriechische Wort für Fisch, ICHTHYS. Heute sind die Autoaufkleber mit Fischzeichen weit verbreitet, womit die Zugehörigkeit zum christlichen Glauben zum Ausdruck gebracht wird.

Die Innenräume vieler Kirchen sind zudem häufig geschmückt mit biblischen Bildern.

Ein weiterer zentraler Gegenstand im Christentum, wie auch in vielen anderen Religionen, bildet die Kerze, welche Licht in die Dunkelheit bringt. Sie wird sowohl in der Kirche als auch im privaten Bereich bei Festen angezündet. Viele Kinder erhalten bei der Taufe ihre Taufkerze, die dann erstmals angezündet wird.

Neben verschiedenen weiteren Symbolen zählt der Rosenkranz zu den populären, katholischen Gegenständen.

 

Frau und Mann

Die Rolle von Frau und Mann im Christentum ist vom jeweiligen zeitlichen, konfessionellen oder kulturellen Kontext abhängig. Beide Geschlechter haben nach christlichem Glauben grundsätzlich eine gleichberechtigte Stellung (vgl. Brief an die Galater 3,28). Eine Ausnahme bilden jedoch gewisse Kirchenämter, die von Frauen nicht ausgeübt werden können. So Priesterweihe und Ordination in manchen Kirchen den Männern vorbehalten. Immer mehr Kirchen ermöglichen jedoch den Frauen den Zugang zu diesen Ämtern.

 

Kleidung

Im Alltag wird in der Regel keine speziell christliche Kleidung getragen. In manchen Kirchen wird - besonders für den Gottesdienst – auf schlichte, unauffällige und möglichst wenig körperbetonte Kleidung geachtet. In gewissen Kirchen ist eine Kopfbedeckung bei Frauen erwünscht. Die biblischen Kleidervorschriften richten sich überwiegend an die Frauen. Demnach sollen sie lange Röcke und lange Haare, keine Hosen und wenig Schmuck tragen. (vgl. u.a. 1 Timotheus 2,9; 1 Petrus 3,3-4; Titus 2,5). Zum Teil ist es üblich, dass sich Christen zum Sonntagsgottesdienst und an Feiertagen schön, elegant und feierlich kleiden. An der Konfirmation (protestantisch), Erstkommunion und Firmung (katholisch), Taufe oder Hochzeit werden besondere Kleider getragen. Die typisch weissen, langen Taufkleider werden vielfach von einer Generation an die nächste weitergereicht. Priester, Bischöfe, Ministranten, Mönche, Nonnen und andere Geistliche tragen liturgische Kleidung, die sich bewusst von Alltagskleidern unterscheidet. Während die Bekleidung von Mönchen und Nonnen bescheiden ist, sind die Priester- und Bischofsgewänder meist aus kostbaren Materialien gefertigt und kunstvoll geschmückt.

 

Lieder und Musik

Christliche Musik erstreckt sich über alle Stilrichtungen hinweg von Klassik über Blues, Jazz, Soul, Rock, Pop bis hin zu Rap, Punk und Metal. Die verschiedenen Musikrichtungen sollen möglichst viele Menschen, unter anderem auch junge sowie dem Glauben fernstehende Leute, ansprechen. Denn im Vordergrund stehen die christlichen Texte. In vielen Gottesdiensten und während kirchlichen Feiern ist nach wie vor die klassische, geistliche Kirchenmusik mit Orgel, Chor oder Orchester zu hören (Kantaten, Choräle, Oratorien etc.). Dazu gehört auch das Singen der traditionellen Kirchenlieder aus «dem Gesangbuch». In vielen evangelischen Freikirchen werden die Lobpreislieder (Pop-/Rockmusik) häufig mit Bandbegleitung gesungen. Gospelkonzerte und Gospelgottesdienste erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Einige Kirchen bieten Interessierten darüber hinaus die Teilnahme an Chorprojekten und Singkreisen (z.B. «Offenes Singen» im Zwinglihaus) an. Nicht nur christliche Konzerte, sondern auch die regelmässig organisierten Taizé-Veranstaltungen sind besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr beliebt. Christliche Familien singen mit ihren Kindern im Alltag gerne Morgen-, Abend- und Tischlieder.

 

Christliche Literatur, Medien und Artikel

Christliche Bücher und Medien werden nicht nur von Christen gekauft, sondern finden bei einem breiten Publikum Anklang. Das Brunnen BibelPanorama am Spalenberg 20 und das «Haus der Bibel» an der Rebgasse 21 in Basel führen neben Büchern eine beachtliche Auswahl an anderweitigen Produkten, wie Musik, Filme, Hörbücher, Spiele, Papeterie-, Dekorations- und Geschenkartikel, und bieten darüber hinaus E-Books zum Kauf an. Am meisten verkauft werden, gemäss Bibelpanorama, Bücher zum Thema «Lebenshilfe», «christliche Romane» sowie «Erlebnisberichte und Biografien» von Menschen, die eine besondere Leistung erbracht haben oder von einem aussergewöhnlichen, persönlichen Erlebnis mit Gott berichten.

 

Andacht und Meditation

In einer Zeit der Hektik und Rastlosigkeit suchen Menschen vermehrt nach Orten der Stille und Ruhe. Aufgrund dieser Nachfrage bieten immer mehr Kirchen Andachts- und Meditationskreise an, wie zum Beispiel das Evangelische Stadtkloster im Kleinbasel. Neben regelmässig stattfindenden Meditationsgruppen gibt es in diesem «Haus der Stille» auch die Möglichkeit zur Übernachtung. «Andacht» bezeichnet im Christentum die Hinwendung zu Gott meist mit bestimmten Gebeten, Gesprächen oder in Form von «Meditation». Andachten finden häufig zu Beginn und Ende des Tages oder Jahres statt. Besonders bei den mystischen Strömungen im Christentum haben Meditationspraktiken eine lange Tradition. Aber auch in anderen christlichen Kirchen ist das besinnliche Meditieren über ein bestimmtes Wort, ein Bild oder einen Gegenstand verbreitet.

 

Pilgern und Wallfahrt

Pilgern ist in den vergangenen Jahren zu einem wahren Trend geworden, wie die Statistiken zeigen. Das Museum der Kulturen Basel widmete sich jüngst in der Ausstellung «Pilgern boomt» dieser Thematik, nachdem Hape Kerkelings Bestseller «Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg» grosses Interesse weckte. Wie auch in anderen Religionen hat das «Wandern aus religiösen Gründen» im Christentum – insbesondere im Katholizismus – eine lange Tradition. Pilgerwanderungen auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, Reisen nach Lourdes oder zu anderen weltweit bekannten Wallfahrtsorten, wurden in den vergangenen Jahren wieder neu entdeckt und bei vielen Menschen beliebt, die eine Auszeit vom Alltag nehmen möchten oder nach Ruhe, Spiritualität und Kraftorten suchen. Neben mehrwöchigen Pilgerreisen werden auch «Tages-Pilgerwanderungen» zu Wallfahrtsorten in der Nähe, wie zum Kloster Mariastein oder Einsiedeln, unternommen. Der Pfarrer der Evangelisch-Methodistischen Kirche in Birsfelden bietet beispielsweise solche Wanderungen in der Nordwestschweiz an.

 

Text mit Quellen:

Der Glaube im täglichen Leben (PDF)


[int.Nr.:i10e1001]

Aktualisiert: 17.10.2014

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