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Christentum: Kalender

Der wöchentliche Ruhetag

Die Mehrheit der christlichen Kirchen feiert den ersten Tag der Woche, also den Sonntag, als Auferstehungstag Christi. Allerdings war für die urchristliche Gemeinde weiterhin der biblisch begründete Sabbat der wöchentliche Ruhetag. Christen feiern erst etwa seit dem 2. Jahrhundert keinen Sabbat mehr. Der «Herrentag» hat den Sabbat verdrängt.

In christlich geprägten Ländern, so also auch in der Schweiz und in Deutschland, ist der Sonntag der gesetzliche Ruhetag. Minderheiten, wie zum Beispiel die «Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten», halten weiterhin am Sabbat fest und feiern deshalb am Samstag ihre Gottesdienste.

Jüdischer Sabbat – christlicher Sonntag (von Dieter Bauer, SKZ 42/2005)

Das christliche Kirchenjahr

Das Kirchenjahr stellt die Ordnung der christlichen Feste in ihrem Ablauf dar. In ihm finden die christlichen Heilstatsachen zusammenhängenden Ausdruck. Seinen Ursprung hat es im jüdischen Kalender und den entsprechenden Festen.

Eine eigene Ausformung erhielt das christliche Jahr durch die Annahme des Sonntags als Erinnerungstag der Auferstehung Christi - neben und später an Stelle des Sabbats. Der Sonntag ist seit der Auferstehung der Versammlungstag der Gläubigen, an dem die Eucharistie gefeiert wird. Er gilt seit jeher als Fest der Feste, das 52 Mal im Jahr gefeiert wird.

 

Obschon Ostern das älteste und wichtigste christliche Fest ist, beginnt das Kirchenjahr nicht mit diesem Fest, sondern mit dem Weihnachtsfestkreis oder genauer mit der Adventszeit (vier Sonntage vor Weihnachten). Weihnachten ist jünger als das Osterfest, trat an Stelle der vorchristlichen Sonnwendfeier und hat die Geburt des «Lichtbringers» Jesus Christus zum Inhalt.

 

Um das Jahr 1000 gliederte sich das Kirchenjahr im Wesentlichen so, wie es heute ist. Der Beginn ist seit dem 6. Jahrhundert am 1. Adventssonntag mit dem Weihnachtsfestkreis, zu dem Advent, Weihnachten und Epiphanie gehören.

Der zweite grosse Zyklus ist der Osterfestkreis. Er beginnt mit der Fastenzeit, der Karwoche, hat seinen Höhepunkt an Ostern, gefolgt von Christi Himmelfahrt und endet - fünfzig Tage nach Ostern - mit dem zweiten Höhepunkt Pfingsten.

Die nächsten etwa 25 Wochen sind ohne ein bestimmtes übergeordnetes Programm. Immer mehr fanden Heiligen- und Märtyrergedenktage sowie Marienfeste Eingang in den beschriebenen Ablauf.

 

In neuerer Zeit kamen noch andere Feiertage dazu wie das Erntedankfest und der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag.

 

Obwohl in unserer weitgehend säkularisierten Gesellschaft das Kirchenjahr stark an Bedeutung verloren hat, denkt aus Gründen der Tradition doch kaum jemand an dessen Abschaffung. Gelegentliche Diskussionen drehen sich fast ausschliesslich um die Festlegung des Ostertermins.

 

Die christlichen Feste im Jahreslauf

Die hier aufgeführten Feste werden mit wenigen Ausnahmen von allen christlichen Kirchen und Freikirchen begangen. Allerdings ist die Wichtigkeit, die ihnen zugemessen wird, zum Teil abweichend. So gilt zum Beispiel der Karfreitag für die reformatorischen Kirchen als höchster Feiertag, während in manchen römisch-katholischen Gegenden an diesem Tag normal gearbeitet wird.

 

Palmsonntag

Sonntag vor Ostern.

Beginn der Karwoche. Der Palmsonntag erhielt seinen Namen von der Palmprozession. Am Palmsonntag wird der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert. Der Einzug zeigt Jesus als Friedenskönig, wie ihn der Prophet Sacharija (9,9) verheissen hat: Jesus reitet auf einem Esel.

(Lukas 19, 28-40)

 

Gründonnerstag / Hoher Donnerstag

Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.

(Lukas 22, 14-20)

 

Karfreitag

Der Tag der Hinrichtung Jesu von Nazareth, besonders von den reformatorischen Kirchen begangen; zunehmend auch ein wichtiger Tag der Katholiken und Orthodoxen.

(Lukas 23, 1 - 49)

Braucht es den Karfreitag? Wie die Theologen Markus Arnold und Pierre Bühler Osterbräuche und deren christlichen Inhalt deuten (NZZ; Interview: Dorothee Vögeli) (5.4.2012)

Viele nutzen die Ostertage, um wieder einmal im Familienkreis zu tafeln. Doch worum geht es eigentlich? Antworten geben der katholische Ethiker Markus Arnold und der reformierte Dogmatiker Pierre Bühler.

 

Osternacht

Nacht vor Ostern.

Traditionell wird in orthodoxen und katholischen Kirchen, zunehmend auch in reformierten, die Osternacht gefeiert. In dieser Nacht vor Ostern passiert die Wende von der Trauer zur Freude.

(Lukas 23, 50-56)

Ostern - Warum überhaupt

 

h4>Ostersonntag

Der Ostersonntag ist der 1. Sonntag nach dem Frühlingsvollmond.

Ostern ist die Erinnerung an die Auferstehung Jesu von den Toten.

(Lukas 24, 1-12)

 

Ostermontag

Der Ostermontag ist zwar kein Feiertag, traditionell aber ein freier Tag.

(Lukas 24, 13-49)

 

Himmelfahrt / Auffahrt

40 Tage nach Ostern.

Erinnerung an die Himmelfahrt des auferstandenen Jesus Christus.

Versicherung von Jesus Christus, dass er zwar nicht mehr körperlich anwesend ist, aber durch den Heiligen Geist.

(Lukas 24, 50-53 / Apostelgeschichte 1, 3-14)

 

Pfingsten

50 Tage nach Ostern (pentecoste = griech. fünfzig).

Ausgiessung des Heiligen Geistes über alle kulturellen Grenzen hinweg. Begründung der weltweiten Kirche (nicht der einzelnen Konfessionen).

(Apostelgeschichte 2)

Pfingsten - woher und wozu? (von Fritz Imhof)

 

Pfingstmontag

Der Pfingstmontag ist zwar kein kirchlicher Feiertag, traditionell aber ein gesetzlicher freier Tag.

 

Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag

3. Sonntag im September.

Dankgottesdienste und Bussfeiern wurden zu allen Zeiten begangen. Dazu wurde das Volk Israel schon im Alten Testament aufgerufen. Und in manchen jüdischen Festen ist bis heute etwas von dieser Verbindung von Dank, Freude und Umkehr zu spüren. Dank- und Bussfeiern haben auch im Christentum ihren Ort gefunden und sind in der Schweizer Geschichte immer wieder ein Thema, besonders in Zeiten der Not.

Der institutionalisierte «Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag», wird seit dem 8. September 1796 gefeiert. Seit 1832 ist er jeweils am dritten Sonntag im September.

Heute wird der Bettag als ökumenischer Feiertag begangen. Er ist der Tag der Solidarität, der Tag der Geschwisterlichkeit. Er zeigt, dass alle Menschen zusammengehören und als «Kinder Gottes» nicht nur untereinander, sondern mit der ganzen Schöpfung Gottes verbunden sind, dass sie füreinander und für die Schöpfung Verantwortung tragen.

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist kein kirchlicher Feiertag, sondern, wie es im Namen schon gesagt wird, vom Bund festgelegt.

 

Erntedankfest

September (Datum variiert; lokale Gepflogenheiten)

Was die Natur hervorbringt, betrachten die Christen als Gottesgeschenk. Immer im Monat September, der als «Schöpfungszeit» gilt, bedanken sie sich mit dem Erntedankfest bei Gott.

Erntedankfest

 

Adventszeit

Der 1. Adventssonntag ist der 1. Sonntag nach dem 26. November oder auch der 4. Sonntag vor dem 25. Dezember, dem Weihnachtsfest.

Die Adventszeit hat den Charakter einer Einstimmung und Vorbereitung auf Weihnachten.

«Advent» kommt vom lateinischen adventus und bedeutet «Ankunft». Christen erwarten Jesus Christus zweifach: Im Stall zu Bethlehem und zum Weltgericht.

 

Heiligabend

24. Dezember.

Der Heilige Abend ist am 24. Dezember der Vorabend des Weihnachtsfestes. An diesem Abend findet in den Familien die Bescherung statt. Dennoch ist der 24. Dezember kein offizieller Feiertag.

In vielen Kirchen findet ein Mitternachtsgottesdienst statt.

(Lukas 2, 1-20)

 

Weihnachten

25. Dezember

Von den meisten christlichen Kirchen wird die Geburt von Jesus Christus gefeiert. Das wirkliche Datum der Geburt ist nicht bekannt und wurde zunächst gar nicht gefeiert. Mitte des 4. Jahrhundert wurde Weihnachten auf den 25. Dezember festgelegt.

Die meisten orthodoxen Kirchen haben noch den alten (den julianischen) Kalender, der um 13 Tage „nachhinkt“. Darum fällt ihr 25. Dezember auf unsern 6. Januar, für die Armenisch-Orthodoxe Kirche sogar erst am 18. Januar.

(Matthäus 1, 18 - 2, 1-12)

 

Stephanstag

26. Dezember.

Obwohl der Stephanstag dem Weihnachtstag folgt, hat er damit nichts zu tun. Er ist der Gedenktag des urchristlichen Märtyrers Stephanus.

(Apostelgeschichte 6,8 - 7,54 / Matthäus 2, 13-23)

 

Daten 2016

Palmsonntag: 20. März ♦ ♦ ♦ / ♦ ♦

Karfreitag: 25. März ♦ ♦ ♦ ♦

Ostersonntag: 27. März ♦ ♦ ♦ ♦

Ostermontag: 28. März ♦

Himmelfahrt / Auffahrt: 5. Mai ♦ ♦ ♦

Pfingsten: 15. Mai ♦ ♦ ♦ ♦

Pfingstmontag: 16. Mai ♦

Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag: 18. September ♦

1. Advent: 27. November ♦ ♦

2. Advent: 4. Dezember ♦ ♦

3. Advent: 11. Dezember ♦ ♦

4. Advent: 18. Dezember ♦ ♦

Heiligabend: 24. Dezember ♦

Weihnachten: 25. Dezember ♦ ♦ ♦ ♦

Stephanus: 26. Dezember ♦ ♦

 

Daten 2017

Palmsonntag: 4. April ♦ ♦ ♦ / ♦ ♦

Karfreitag: 14. April ♦ ♦ ♦ ♦

Osternacht: 15. April ♦ ♦ ♦ ♦

Ostersonntag: 16. April ♦ ♦ ♦ ♦

Ostermontag: 17. April ♦

Himmelfahrt / Auffahrt: 25. Mai ♦ ♦ ♦

Pfingsten: 4. Juni ♦ ♦ ♦ ♦

Pfingstmontag: 5. Juni ♦

Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag: 14. September ♦

1. Advent: 3. Dezember ♦ ♦

2. Advent: 10. Dezember ♦ ♦

3. Advent: 17. Dezember ♦ ♦

4. Advent: 24. Dezember ♦ ♦

Heiligabend: 24. Dezember ♦

Weihnachten: 25. Dezember ♦ ♦ ♦ ♦

Stephanus: 26. Dezember ♦ ♦

 

Literatur:

Michael Vogt, in: Religionen feiern. Feste und Feiertage religiöser Gemeinschaften in Deutschland. Hg. vom Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienst e. V. REMID. Marburg 1997, S. 22-31. (Vergriffen.)

 

Eckhard Bieger: Die Feste im Kirchenjahr. Entstehung, Bedeutung, Brauchtum. Leipzig o.J. (PB, 96 S.)

 

Links

Liturgisches Institut (römisch-katholisch)

 

Lexikon über das Kirchenjahr und das Brauchtum der Feste

 

Zur Frage der Osterdatierung (von Priester Dr. Peter Plank)

 

Was der Vollmond mit Ostern zu tun hat (evangelisch.de; Bernd Buchner)

 

Das Osterfest in der Ost- und Westkirche (Dr. Martin Bräuer, Catholica-Referent am Konfessionskundlichen Institut Bensheim)


[int.Nr.:i10e12]

Aktualisiert: 19.10.2016

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