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Die alevitischen Gemeinschaften in der Nordwestschweiz

 

In der Türkei sollen sich nach groben Schätzungen etwa 20 Millionen zu den Aleviten bekennen. Genaue Zahlen sind nicht erhältlich, weil der türkische Staat Alevismus nicht als Religionszugehörigkeit kennt. Es gibt als Religion nur "Islam".

Über die Zahl der Aleviten in der Schweiz gehen die Schätzungen weit auseinander. Wahrscheinlich sind etwa 25'000 – 35‘000 Alevitinnen und Aleviten. Davon leben ungefähr 5'000 – 6‘000 in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

 

Aleviten in der Schweiz organisieren sich

In Deutschland begannen die Aleviten schon vor einiger Zeit, sich zu organisieren. Inder Schweiz wurde erst am 29. Juni 1992 der erste Verein gegründet. Die Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi ist in Basel, wie der türkische Name zeigt: «Basel ve Cevresi Alevi Bektasi Kültür Birligi». Eine Zweizimmerwohnung am Riehenring diente als Vereinslokal. Von Anfang an kamen so viele Leute, dass das Lokal eigentlich schon vor der Eröffnung zu klein war. Der Verein suchte ein neues Lokal. Am 27. August 1993 wurde ein neues Vereinslokal an der Leimenstrasse 21 eröffnet. Schwierigkeiten mit Hausbewohnern und unpraktische Raumaufteilung führten zum zweiten Umzug in den ehemaligen Coop-Laden Ecke Austrasse / Leimenstrasse, der in Freiwilligenarbeit ausgebaut wurde. Dort hat der Verein heute noch sein Domizil

Am 30. Januar 1993 fand das erste öffentliche Cem, die religiös-soziale Versammlung, im Kirchgemeindehaus Oekolampad statt. Unter grosser Beteiligung wurde diese Feier durchgeführt.

Ein wichtiger Bestandteil eines Cem ist Bariçmak, "Frieden machen". Wer mit einem Anwesenden im Unfrieden ist, kann nicht am Cem teilnehmen. Bei diesem ersten Cem dauerte Bariçmak mehr als 30 Minuten. Über 20 Personen standen vor der Versammlung. Der leitende Dede versuchte, Frieden zu stiften. Obwohl sich die Beteiligten am Schluss die Hände reichten, war der Friede nur von kurzer Dauer.

 

Spaltungen

Schon im Sommer 1993 kam es zur Spaltung. Der neue Verein gab sich den Namen «Alevi Bektasi Cemevi».1998 gab er sich eine neue Struktur (Stiftung) und änderte den Namen zu «Cem Vakfi Isviçre Basel ve Baselland Subesi». Bis Mitte 2001 hatte er ein Lokal in Münchenstein.

Mit dieser Abspaltung war allerdings kein bleibender Friede eingekehrt. 1997 spaltete sich die «Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi» zum zweiten Mal. Im gleichen Jahr wurde ein weiterer Verein gegründet unter dem Namen «Basel ve Çevresi Çagdas Aleviler Dernegi / Verein der zeitgenössischen Aleviten». Als Lokal diente ein ehemaliger Laden an der Brombacherstrasse 27 im Kleinbasel.

 

«Pir Sultan Abdal Alevi Kültur Dergahi / Alewitischer Treffpunkt»

Unabhängig von diesen 3 Vereinen schlossen sich 1998 weitere Aleviten zum «Pir Sultan Abdal Alevi Kültur Dergahi / Alewitischer Treffpunkt» zusammen. Der Verein richtete sich vor allem an Aleviten aus dem Osten der Türkei, also vorwiegend Kurden, die eine liberale Richtung vertreten. Der Verein hatte die ersten 2 Jahre ein Ladenlokal in Kleinhüningen, dann ein Kellerlokal beim Wettsteinplatz gemietet.

 

«Kürdistan Aleviler Birligi, KAB»

Neben diesen oben beschriebenen 4 Vereinen entstand «Kürdistan Aleviler Birligi, KAB». Die Mitglieder von Kürdistan Aleviler Birligi verstehen sich zuerst einmal als Kurden, in zweiter Linie als Aleviten. Diese Bewegung ist von der Kurdenfrage nicht zu trennen. Unter diesem Namen wurde sie 1994 in Deutschland gegründet, gleichzeitig entstanden in der Schweiz (Basel), in Frankreich und Österreich Sektionen. Die führenden Leute vertraten die Meinung, dass alle Aleviten zuerst Kurden seien. Eine Meinung, die vor allem die westlichen (türkischsprachigen) Aleviten nicht teilen konnten. So war kaum eine Zusammenarbeit oder gar ein Zusammengehen mit einem der anderen Verein möglich.

Die KAB war vor allem eine alevitische Aktion innerhalb der Kurden und war am 1. Mai und an Kurdendemonstrationen mit Transparenten präsent. Sie hatte nie ein eigenes Lokal. Einmal jährlich hielten sie ein grosses Cem . Die KAB ist nicht mehr aktiv.

 

«Kommission der Aleviten BL u. BS»

Immer wieder gab es Bemühungen, die Spaltungen rückgängig zu machen und die Vereine zusammen zu führen. Einer dieser Versuche war die «Alevitische Kommission Basel und Baselland» nach dem Vorbild der sunnitischen «Basler Muslim Kommission». Nicht nur sollten die vier Verein in absehbarer Zeit zu einem grossen Verein zusammengeführt werden, sondern es sollte ausserdem ein «Cemevi», ein alevitisches Haus gebaut werden. Waren anfänglich im Jahr 2000 mit Ausnahme von «Kürdistan Aleviler Birligi» alle Verein beteiligt, zog sich die «Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi» schon nach einem Jahr wieder zurück. Die Gegensätze waren zu gross. Durch die Fusionen (siehe unten) wurde die Zahl der beteiligten Verein immer kleiner. Seit dem 21. März 2005 wurde die «Kommission der Aleviten BL u. BS» überflüssig, weil zu diesem Zeitpunkt nur noch ein dieser Kommission angeschlossener Verein bestand.

 

Fusionen

Es gab in der Geschichte der Aleviten in der Nordwestschweiz nicht nur Spaltungen, sondern auch Zusammenschlüsse. Die beiden Vereine «Cem Vakfi Isviçre Basel ve Baselland Subesi» und «Basel ve Çevresi Çagdas Aleviler Dernegi / Verein der zeitgenössischen Aleviten» schlossen sich am 16. Dezember 2001 zusammen zu einem neuen Verein mit dem Namen «Alevitisches Kulturzentrum Basel und Baselland (AKBB) / Alevi Kültür Merkezi». Das Lokal der zeitgenössischen Aleviten an der Brombacherstrasse dient auch dem neuen Verein als Zentrum. Damit war die Fusionswelle noch nicht abgeschlossen.

Am 21. März 2005 schlossen sich nämlich die beiden Vereine «Alevitisches Kulturzentrum Basel und Baselland» und «Pir Sultan Abdal Alevi Kültur Dergahi» zusammen. Der neue Verein trägt den gleichen Namen Alevitisches Kulturzentrum Basel und Baselland (AKBB) / Alevi Kültür Merkezi und hat bis auf weiteres die gleichen Statuten wie bisher.

 

[int.Nr.:110e08]

 

Aktualisiert: 15.4.2005

 

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