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Religionswissenschafter als Religionslehrer?

 

Frage

Kann man auch Religionslehrer werden und an einer Mittelschule unterrichten, sprich das Höhere Lehramt/Sekundarlehrer Stufe 2 machen, wenn man Religionswissenschaft studiert hat und entweder das Liz oder einen Master abschluss erreicht hat?

 

Antwort

Das kommt auf den Kanton an.

In den meisten Kantonen erteilen die Kirchen Religionsunterricht. Dafür wird eine Ausbildung als Religionslehrer verlangt, resp. ein Theologiestudium vorausgesetzt.

 

Da die Schweiz sehr föderalistisch ist, gibt es für jeden Kanton wieder eine eigene Lösung. Hier sollen nur 2 Beispiele genannt werden:

 

Im Kanton Basel-Landschaft wird unterschieden zwischen den Fächern ”Biblische Geschichte” und ”Religionsunterricht”.

Der Unterricht in Biblischer Geschichte informiert über die christliche und über andere Religionen. Er trägt dazu bei, dass die Kinder ein Stück weit den Zugang zu ihrer eigenen Religion finden und andere Weltanschauungen, Lebensweisen und Ausdrucksformen verstehen und respektieren lernen. Der Unterricht in Biblischer Geschichte will die Kinder an existentielle Lebensfragen heranführen und sie mit unterschiedlichen Deutungsmodellen bekannt machen. Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, sich gemeinsam mit Fragen des Zusammenlebens und der persönlichen Lebensgestaltung auseinander zu setzen. In den Klassen 1-5 ist eine Wochenstunde Biblische Geschichte vorgesehen und wird durch die Lehrerinnen und Lehrer erteilt. Er ist so zu gestalten, dass Kinder verschiedener Konfessionen daran teilnehmen können.

Arn Lehrer- und Lehrerinnenseminar wird Fachdidaktik ”Biblische Geschichte” durch Theologen und Theologinnen erteilt. Damit erwerben sich die angehenden Lehrpersonen die Lehrfähigkeit in Biblischer Geschichte.

Die Landeskirchen haben bei der Wahl des Ausbildners/der Ausbildnerin der Primarlehrpersonen für das schulische Fach Biblische Geschichte das Vorschlagsrecht. Das Fach ”Biblische Geschichte” wird vom Schulträger (Gemeinde) wie alle anderen Fächer finanziert.

Der christliche Religionsunterricht hingegen liegt in der Verantwortung der Landeskirchen. Die Landeskirchen sind in der Regel mit einem Sitz im Erziehungsrat vertreten.

 

Im Kanton Aargau gibt es den Schulischen Religionsunterricht (SRU) und den Kirchlichen Religionsunterricht (KRU).

Nach dem Schulgesetz enthält der Lehrplan u.a. das Fach Religionsunterricht.

Schulischer Religionsunterricht (SRU) gehört zu den obligatorischen Unterrichtsfächern. Er wird in der Regel von der Klassenlehrperson (Ausnahme Bezirksschule) der ganzen Klasse erteilt; der SRU ist inter- bzw. überkonfessionell, multikulturell, multireligiös.

Auf schriftliches Begehren der Eltern kann ein Schüler oder eine Schülerin vom Religionsunterricht dispensiert werden.

Studierende an den Lehrerinnen- und Lehrerbildungsstätten erhalten obligatorisch eine fachdidaktische Ausbildung dafür. Der SRU untersteht der Aufsicht der Schulpflege.

 

Kirchlicher Religionsunterricht (KRU) wird von den Landeskirchen getragen. Zur Erteilung dieses Unterrichts haben die öffentlich-rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften das Recht, innerhalb der Unterrichtszeit für zwei Stunden pro Woche (pro Abteilung) Unterrichtsräumlichkeiten der Schule zu benutzen. Abgesehen von Ausnahmen nehmen die Evangelisch-reformierte und die Römisch-Katholische Kirche dieses Recht in Anspruch.

 

Ein Religionswissenschafter oder eine Religionswissenschafter dürfte nach einer entsprechenden didaktischen Weiterbildung eine geeignete Ausbildung haben, um das Fach „Ethik und Religionen“, oder wie immer das heissen soll, zu unterrichten.

 

Nähere Auskünfte erteilen die jeweiligen Schulbehörden resp. Kirchen.

 

[int.Nr.: i1271e10005]

 

Aktualisiert: 2.1.2006

 

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Aktualisiert: 17.10.2014

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