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Ausbildung für muslimische Mädchen

 

Frage

Was ist Ihre Meinung zu folgender Aussage (im Zusammenhang mit Wichtigkeit der Berufsbildung für Jugendliche): «Insbesondere bei jungen Frauen aus patriarchalischen muslimischen Kulturen halten die Eltern eine gute Ausbildung vielfach für überflüssig.»

 

Antwort

Dies scheint mir doch ein bisschen sehr pauschal. Dass Mädchen eine schlechtere Ausbildung erhalten, hat m.E. weniger mit «patriarchalischen muslimischen Kulturen» zu tun, als viel mehr mit der Herkunft aus bildungsfernen Schichten. Ich kann das nicht mit statistischen Werten belegen, sondern nur mit Beobachtungen. So kenne ich einige gebildete Muslime, deren Töchter eine akademische Laufbahn eingeschlagen haben.

Es gibt zu dieser Frage einige Untersuchungen, die mir aber nicht zugänglich sind.

 

Wir können dies auch mit den Verhältnissen bei uns in der nicht so fernen Vergangenheit vergleichen, als von Mädchen gesagt wurden, dass ein Haushaltslehrjahr genüge, da sie sowieso heiraten würden.

 

Ein Faktor spielt allerdings eine wichtige Rolle. So ist in muslimischen Kultur die Angst, dass ein Mädchen seine Jungfräulichkeit verliert, sehr gross, so dass oft blutjunge Mädchen verheiratet werden. Dass dann der Zug betr. Berufsbildung abgefahren ist, muss als logische Folge angenommen werden.

Wenn ich Indien - genauer: Punjab - betrachte, ist die Rolle der Frau oft von der Religion abhängig. Von dort habe ich eine zwar nicht mehr so neue Untersuchung* erhalten, aus der hervorgeht, dass die Sikh-Frauen erst mit etwa 22 Jahren heiraten und meist eine Ausbildung abgeschlossen haben. Eine wichtige Ursache ist das ganz andere Verständnis der Geschlechter.

 

Christoph Peter Baumann

 

* Surinder K.Jyoti: Marriage Practices of the Sikhs. A study of intergeneretional differences. Delhi 1983 (256 p.)


[int.Nr.:i1271e10007]

Aktualisiert: 10.08.2017

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