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Warum soll eine menstruierende Frau nicht fasten oder das rituelle Gebet verrichten?

 

FRAGE:

Was ist der tiefere Sinn, dass eine menstruierende Frau z.B. nicht fasten oder das rituelle Gebet nicht verrichten soll?

Gibt es eine energetische Komponente? In vielen Kulturen gibt es spezielle Frauenhäuser für Menstruierende.

Eine bekannte amerikanische Schamanin sprach: "Du kannst keine menstruierende Frau behandeln und kannst nicht in einem Haus heilen, wo jemand menstruiert. In dieser Situation wird die Kraft nicht deine Freundin sein."

Mich interessieren diese Gemeinsamkeiten über alle Kulturen und Religionen hinweg.

Gibt es zu diesem Thema Literatur?

 

ANTWORT:

Blut ist ein besonderer Saft. Dies sehen wir in verschiedensten Bereichen. So dürfen Juden Fleisch nur essen, wenn es komplett ausgeblutet ist. Auch die Monatsblutung der Frau ist etwas Spezielles und mit vielen Tabus verbunden. Für viele Kulturen gilt eine menstruierende Frau gilt als unrein.

 

Christlich-Jüdische Tradition:

«Wenn ein Mann bei einem Weibe liegt zur Zeit ihres Monatsflusses und mit ihr Umgang pflegt und so ihren Blutfluss entdeckt und sie ihren Blutfluss entblößt, so sollen beide aus ihrem Volke ausgerottet werden.» (1. Buch Moses 38/6-10; 3. Buch Moses 20/18)

 

Chajim Halevy Donin: Jüdisches Leben. Eine Einführung zum jüdischen Wandel in der modernen Welt. Zürich 1987 - 5747.:

Geschlechtsverkehr ist erst nach sieben «reinen» Tagen und dem rituellen Bad erlaubt. (S. 133 + 146)

 

Islam:

Eine menstruierende Frau darf weder fasten, noch die Ritualgebete verrichten oder den Koran öffnen.

 

Hinduismus:

Eine menstruierende Frau darf weder den Tempel betreten, noch daheim die Hauspuja verrichten.

 

 

Es gibt einiges an Literatur zu diesem Thema.

 

Bücher:

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Herausgegeben von Hanns Bächtold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer. Directmedia • Berlin 2006. Digitale Bibliothek 145. (1987/2000 Walter de Gruyter)

 

Dieses zwar schon recht bejahrte, aber nach wie vor interressante 10-bändige Lexikon hat einige Artikel zum Stichwort «Menstruation». Es ist wie oben angegeben auch digital erhältlich. (Die zweite Zahl bezieht sich auf diese Ausgabe)

Der wichtigste Artikel ist hier:

Band 4, 1096 / Dig. 12‘114

 

Bd. 2, 1752 / Dig. 6713

Während Schwangerschaft und Menstruation ist ihr vielfach selbst das Anfassen der Früchte zum Einkochen169), ja der Ausgang in den Garten untersagt, da die Früchte dadurch verderben, die Pflanzen absterben könnten170).

 

Bd. 2, 1756 / Dig. 6719

man verbietet der F., während der Menstruation das Abendmahl zu nehmen 220),

 

 

Hans Freiherr von Campenhausen, Erich Dinkler, Gerhard Gloege und Knut E. Løgstrup herausgegeben von Kurt Galling: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. In Gemeinschaft mit Hans Freiherr von Campenhausen, Erich Dinkler, Gerhard Gloege und Knut E. Løgstrup herausgegeben von Kurt Galling. 2. elektronische Ausgabe der dritten Auflage. Directmedia • Berlin 2004. Digitale Bibliothek Band 12

Bd. 4, 876 f.

 

 

Links:

Menstruation (Karl Pawek: Kleines Lexikon der Sexualität; in: Paweks Geschichte der Sexualität)

 

Menstruation (aus Wikipedia)

 

Kulturgeschichte der Menstruation. Die Sicht der Religionen (aus Wikipedia)

 

 

Zu diesem Thema liesse sich eine ganze Enzyklopädie verfassen!

 

[int.Nr.: i1271e10019]

 

Aktualisiert: 15.5.2007

 

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