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2/2015, Für ein besseres Miteinander


 

Esther Fouzi: «Für ein besseres Miteinander. Eine Muslimin lädt zum Gespräch.»

Die vor über 30 Jahren zum Islam konvertierte Autorin zeigt ihren Weg und beleuchtet kritisch den Islam und den Umgang mit dem Islam.

 

Es gibt unzählige Bücher von Konvertiten. Alle haben gemeinsam, dass die Herkunftsreligionsgemeinschaft sehr negativ und die neue Religionsgemeinschaft überhöht positiv beschrieben werden. Es gibt wenige Ausnahmen, die von diesem Muster abweichen. Die vom Christentum zum Islam konvertierte Esther Fouzi schrieb eines dieser Ausnahmebücher, das in der aktuellen Situation unbedingt gelesen werden sollte. In den Zeitungen wird ständig geschrieben, dass über den Islam zu wenig Kenntnis vorhanden sei. In diesem engagierten Buch schreibt eine Frau mit grossen Kenntnissen kritisch zu vielen Themen von Islam und Gesellschaft.

 

Als Ergänzung sei nochmals das Buch von INFOREL, Information Religion empfohlen, das exemplarisch zeigt, wie der Islam in Basel-Stadt und -Landschaft gelebt wird: «Islam in Basel-Stadt und Basel-Landschaft»

 

Als mich Frau Fouzi anfragte, ob jemand von INFOREL eine Buchbesprechung schreiben könnte, war ich geneigt, abzulehnen, weil ich erwartete, wieder ein Druckerzeugnis der oben beschriebenen Art zu erhalten. Deshalb war ich angenehm überrascht von dem, was ich erhielt.

 

Esther Fouzi konvertierte bereits vor rund 30 Jahren. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, dass sie nicht eine schwarz-weiss Darstellung, sondern ein sehr differenziertes Buch schrieb.

Esther Fouzi bezeichnet sich dezidiert als Nichtfachfrau, machte aber eine Ausbildung zur islamischen Religionslehrerin. So beschäftigte sie sich intensiv mit dem Koran und den islamischen Lehren. Dabei verlor sie nie ihre westlich-christliche Herkunft aus den Augen und hinterfragte viele im Islam üblichen Praktiken. Manchmal ärgerte sie sich über in ihren Augen Fehlinterpretationen des Korans und benennt diese recht deutlich. Einzelne solcher Punkte werde ich aufzeigen.

 

Zum Inhalt

Das Buch hat über 300 Seiten, deshalb ist es kaum möglich, dem ganzen Inhalt gerecht zu werden. So beschreibe ich einzelne Punkte, die mir besonders aufgefallen sind.

Zum Stil eine Bemerkung. Fouzi beschreibt ausführlich, wie und warum sie konvertiert ist und nimmt dies immer wieder bei den verschiedenen Themen auf. Das heisst, sie erklärt, was das Thema mit ihr zu tun hat. Ich empfinde diesen Stil als angenehm, weil Fouzi nach meinem Empfinden den Spagat zwischen einer (zu) engagierten Autobiografie und einem trockenen Sachbuch schafft.

Sie ist kritisch in allen Richtungen, was bei den verschiedenen Themen angenehm auffällt.

 

Obwohl das ganze Buch interessant ist, gibt es mehrere Reizthemen, die ausserhalb, aber auch innerhalb des Islams zu reden und streiten geben.

 

Für Terroristen, die unter Berufung auf den Islam morden, braucht Fouzi starke Begriffe. Für sie sind es «verdammte Terroristen». (Seite 15 und 187) Allerdings zeigt sie in diesem Zusammenhang berechtigterweise auch die problematische Rolle der Medien.

Kritisch zeigt Fouzi auf, dass in den meisten islamischen Ländern Unterdrückung herrscht. (Seite 20)

 

Fouzi stellt fest, dass das islamische Recht auf ein einengendes Korsett von Strafen reduziert wird (Seite 202). Sie lehnt die Todesstrafe ab, was nicht weiter erstaunt, ist sie doch Mitglied von Amnesty International.

 

Neben der Gewaltfrage ist die Frau im Islam das grosse Reizthema. Fouzi vertritt einen pragmatischen Ansatz. So ist der Händedruck für sie keine dogmatische Sache. Wenn muslimische Männer ihr nicht die Hand geben wollen, respektiert sie diese Haltung, ohne sie zu vertreten. Sie schreibt: «Ich fände es schön, wenn die muslimischen Männer und Frauen ungezwungener miteinander umgehen könnten.» (S.271).

Direkt ketzerisch tönt es, wenn sie dies schreibt: : «Fast jede Moschee hat einen Frauenvorstand, der sich um die Belange der Frauen kümmert. Ich weiss nicht, ob wir Freuen so anspruchsvoll sind, dass wir einen Extra-Vorstand brauchen, aber ich habe festgestellt, dass die Männer keinen Vorstand für Männerbelange haben. ... .»

Dass sich Fouzi für Gleichberechtigung aller Menschen einsetzt, ist irgendwie selbstverständlich.

 

Fazit

Dieses engagierte Buch sei allen am Islam Interessierten zur Lektüre empfohlen, seien dies kritische Nichtmuslime oder Muslime!

Fouzi: «Wir Muslime müssen aufwachen! Allzu lange haben wir gefragt: was kann uns die Gesellschaft geben? Und nicht: Was können wir der Gesellschaft geben?»

 

Christoph Peter Baumann

 

Bibliographisches

Esther Fouzi: Für ein besseres Miteinander.

Eine Muslimin lädt zum Gespräch.

2014. 350 Seiten. Pb.

Euro 19,80 (D).

ISBN 978-3-8301-9789-8. R.G.Fischer Verlag

ISBN: 978-3-8301-9789-8

Fouzi: R. G. Fischer Verlag


[int.Nr.:i1271e5001417]

Aktualisiert: 20.12.2016

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