inforel
Differenzierte und unabhängige Information über Religionen und Weltanschauungen in der Region Basel

3/2016, Spirituelle und Soziale Nahrung für die Muslime - Wie der Ramadan in Basel gelebt wird

Allgemeines zum Ramadan

Zu den «Fünf Säulen des Islams» zählt der Ramadan und ist somit für die Muslime Pflicht. Während rund 30 Tagen (je nach Mondzyklus) verzichten Muslime vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und den Geschlechtsverkehr.

Ausgenommen von der Vorschrift sind Menschen, die körperlich nicht im Stande sind zu fasten (kranke und ältere Menschen, sowie schwangere und stillende Frauen). Sofern möglich, wird das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt oder Bedürftigen für jeden versäumten Fastentag gespendet.

Neben dem Verzicht, der der Besinnung auf Gott, sich selbst und dem Wesentlichen dienen soll, steht die Gemeinschaft und die Nächstenliebe im Vordergrund. So wird das allabendliche Fastenbrechen («iftar») gemeinschaftlich in der Moschee oder mit Familien und Bekannten zu Hause zelebriert. Man lädt sich gegenseitig zum Essen ein, spendet der Moschee das Abendessen, Bedürftigen eine Mahlzeit und/oder spendet allgemein.

Die starke Verbindung zu Gott wird durch intensives Beten gelebt. So gibt es im Anschluss an das Nachtgebet das Ritualgebet «tarawih».

Zusätzlich werden jeden Abend Auszüge aus dem Koran rezitiert, sodass am Ende des Ramadans der Koran vollständig gelesen wird.

 

Ramadan in den Basler Moscheevereine

So vielfältig der Islam, so unterschiedlich sind die Moscheevereine in ihren Traditionen, um den Ramadan zu feiern. Im folgenden möchten wir ein paar Einblicke und Eindrücke vom gelebten Ramadan vor Ort geben.

 

Der kleine Gebetsraum Merkez im Kleinbasel, wird vorwiegend von älteren Männern besucht. Rund 50-70 Männer treffen sich in der Moschee allabendlich um gemeinsam das Fasten zu brechen. Ein paar wenige Frauen kommen auch in die Moschee und versammeln sich in einem separaten Raum. Die Frage, ob die Jugend beziehungsweise die Kinder der Moscheemitglieder (es handelt sich dabei um die Generation der 20-30-jährigen) während des Ramadans

faste, verneint der Präsident des Vereins Hasan Özcelik. Nur einer von seinen vier Söhnen faste, teilt er zwar leicht empört aber dennoch lächelnd und mit überwiegendem Verständnis für ihre Lage mit: «Die müssen arbeiten, und das interessiert sie nicht».

Die Organisation des Abendessens ist hier fest durchstrukturiert. So findet während des Ramadans Abend für Abend ein öffentliches Fastenbrechen in der Moschee statt. Das Essen wird jeden Tag von einem anderen Mitglied gespendet. Derjenige, der für die Essensorganisation zuständig ist, lädt meist noch weitere Leute aus dem Bekanntenkreis ein, die nicht Mitglieder der Moschee sind.

 

In der Bosnischen Islamischen Gemeinschaft Basel ist die Mitgliederstruktur eine völlig andere. Die Frauen sind hier in der Mehrzahl und deutlich aktiver. Sie organisieren während des Ramadans ein bis zwei mal ihr eigenes Frauen-«iftar». Männer sind dabei sporadisch auch anwesend, dann aber eher um «die Frauen zu bedienen und sich um ihr Wohl zu kümmern», erläutert Präsidentin der Frauenorganisation Mirsada Voser.

Neben den «Frauen-iftar», gibt es sowohl das «Dzemat-iftar» bei dem Freiwillige für alle kochen, oder das «Familien-iftar», bei dem Familien für das Abendessen zuständig sind.

Das gemeinschaftliche Fastenbrechen in der Moschee findet aber, im Gegensatz zum Gebetsraum Merkez, nur sporadisch statt.

Eine Tradition der Männer in der Bosnischen Gemeinschaft hingegen ist der «itiqaf», die Klausur. Dabei verbringen Männer die letzten zehn Tage des Ramadans mit Beten und Koranlektüre in der Moschee.

Dem sozialen Brauchtum kommt in der Dzemat allgemein eine grosse Bedeutung bei. So wird, meist am Wochenende, oft bis zum Morgengrauen zusammengesessen, mit Gebeten und Gesprächen die Abende und Nächte ausgeklungen.

 

Von dieser Gemächlichkeit ist in der Merkez Moschee kaum etwas spürbar.

Im Anschluss an das Nachtgebet folgt das Ritualgebet «tarawih», das aufgrund der späten Stunde, gekürzt und schnellstmöglich durchgezogen wird. «Um 23.45 Uhr muss alles fertig sein, das Gebet muss fertig sein». Auf die Nachfrage hin, ob das Programm am Wochenende variiere, meint der Präsident nur: «Nein, alles gleich, die letzten Busse fahren dann, dann muss alles fertig sein. Disziplin muss sein», fügt Präsident Özcelik lachend an. Für stundenlanges Sein ist hier kein Raum. Auch der «itiqaf», die Klausur für die Männer, findet hier nicht statt. Und erneut erklärt Özcelik lachend: «Das macht man nicht mehr. Wir machen das nicht». Die Mescid konzentriert sich eindeutig auf die Einhaltung der wesentlichen Rituale, die vor allem mit dem modernen Basler Alltagsleben kompatibel sein müssen - ohne Abweichung und ohne Sonderprogramm. Dafür aber konstant. Während 30 Tagen steht die Moschee den Muslimen abends für Speis, Trank und Gebeten offen.

 

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird der nächste Moscheeverein bei Ihnen ums Eck den Ramadan wieder anders gestalten. Falls es sie interessieren sollte, fragen Sie einfach nach! Denn mit ebenso grosser Wahrscheinlichkeit werden Sie Unvermutetes oder gar Überraschendes in Erfahrung bringen.

 

Allen Muslimen wünscht INFOREL einen gesegneten Ramadan!


[int.Nr.:i1271e5001432]

Aktualisiert: 27.01.2017

Für einen direkten Link auf diese Seite genügen diese Angaben:
www.inforel.ch/i1271e5001432

© INFOREL, Information Religion. Veröffentlichung nur mit schriftlicher Erlaubnis!