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6/2017, Buchempfehlung: Karima Sen Gupta-Tuchtfeldt / Ranjit Sen Gupta: Wenn Welten sich begegnen. Zwei Kulturen – Zwei Menschen – Ein Paar.


 

«Zwei Menschen – eine Europäerin und ein Inder – treffen 1958 in München in der Straßenbahn aufeinander. Daraus wird eine 52 Jahre währende Ehe mit guten und weniger guten Zeiten. Ihre tiefe Spiritualität hilft ihnen, ihr Leben zu meistern und kulturelle Gegensätze zu überwinden. Die Sehnsucht nach dem Transzendenten lässt beide Schritt für Schritt in sich selbst und aneinander wachsen.» (Aus dem Rückseitentext)

 

Ich kenne Karima und Ranjit seit 1973. So ist für mich der Zugang zu dem Buch sicher ein anderer als für Menschen, die die beiden nicht oder nur oberflächlich kannten. Und trotzdem kann die Lektüre allgemein empfohlen werden.

Dass ein so unterschiedliches Ehepaar so lange zusammen lebte und dann beide ihre individuelle und die gemeinsame Geschichte aus jeweils ihrer Sicht unzensuriert schrieben, ist besonders.

 

Karima Tuchtfeldt wurde 1932 in Hamburg geboren. Die Progromnacht am 9. November 1938, als jüdische Geschäfte und Synagogen zerstört wurden, gehören für sie zu ihren frühesten und prägendsten Erinnerungen. Diese wurden durch die Bombardierungen ihrer Heimatstadt verstärkt. Karima schildert die Schwierigkeiten, die sie in ihrer Jugend und als junge Erwachsene hatte. So wurde sie schwanger und anschliessend alleine mit dem Kind sitzen gelassen.

Ihr weiteres Leben wurde durch zwei wichtige Faktoren bestimmt: Ihre Religiosität und die Beziehung zu ihrem Mann. Bevor aber Ranjit in ihr Leben trat, fand sie bei der Sufibewegung ihre spirituelle Heimat.

 

Ranjit Sen Gupta wurde 1933 in Indien in einer bengalischen Grossfamilie geboren und aufgewachsen. Mit etwa 14 Jahren wurde er Schüler des Yoga-Meisters Sri Bishnu Charan Ghosh. Dies beeinflusste Ranjits weiteres Leben. Durch seine Yogaübungen wurde er in die Lage versetzt, sehr grosse Gewichte zu tragen. So stand auch einmal ein ausgewachsener Elefant auf seinem Brustkorb, ohne dass er einen Schaden davontrug. Nach einem Ingenieurstudium kam Ranjit nach Deutschland, wo er Karima kennen lernte.

 

Bei diesem Buch ist interessant, wie sich diese so verschiedenen Menschen zusammen entwickelten. In gewissen Bereichen kamen sie sich näher und vertieften ihre Bezeihung, so zum Beispiel in ihrer grossen Toleranz und Mitmenschlichkeit. In einem wichtigen Bereich entfernten sie sich jedoch voneinander. Die für beide so wichtige Spiritualität konnten sie immer weniger miteinander leben. Während Karima in der Sufibewegung engagiert war und blieb und darin ihre Erfüllung fand, konnte Ranjit damit immer weniger anfangen und besann sich auf seine hinduistischen Wurzeln. Beide achteten ihre so anders geartete Religiosität.

 

Christoph P. Baumann

 

Bibliographische Angaben:

Karima Sen Gupta-Tuchtfeldt / Ranjit Sen Gupta: Wenn Welten sich begegnen. Zwei Kulturen – Zwei Menschen – Ein Paar. Weinstedt 2016. (174 Seiten, 7 SW-Fotos). ISBN: 978-3-936246-21-6

 


[int.Nr.:i1271e5001445]

Aktualisiert: 19.06.2017

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