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2/2018: Buchkritik und Veranstaltung zur Publikation «Der Jesus-Dschihad» von Dave Andrews



 

Dave Andrews, Sozialarbeiter, Autor und Friedensaktivist mit jahrzentelanger Erfahrung im Dialog mit Religionsgemeinschaften, hat ein Buch zur Förderung des interreligiösen Dialogs geschrieben. Sein Ansatz, den er dafür wählt, ist jedoch unüblich: Anstatt sich direkt dem pazifistisch-ethischen Potential der Religionen zu widmen, fängt er genau andersherum, bei der Gewaltgeschichte, an. Detailliert schildert er Entstehung und Verbreitung der jeweiligen Religion, die sich vor allem im Namen der Gewalt durchsetzen konnte. Dass die Verbindung aus Religion und Gewalt nicht nur geschichtlich abzutun ist, sondern uns ebenso in der Gegenwart beschäftigt, macht er ebenso deutlich. Andrews Lösung für ein friedliches Miteinander zwischen Muslimen und Christen besteht darin, von einer gewaltbejahenden «geschlossenen» Haltung zu einer gewaltfreien «offenen» Haltung zu gelangen.

 

Der Titel «Der Jesus-Dschihad. Der gewaltfreie Weg aus dem Konflikt zwischen Islam und Christentum» wirken auf den Leser zunächst verstörend. Wie Jesus Christus und Dschihad, der allgemein als «Kampf», oder «heiliger Krieg» verstanden wird, zusammengehen, erscheint äusserst fragwürdig. Erst über die Unterscheidung zwischen dem «kleinen Dschihad» - dem eigentlichen körperlichen, je nachdem gewaltsamen oder gewaltfreien Kampf - und dem «grossen Dschihad», - dem inneren, geistigen Ringen, um ein reigiös-ethisch vorbildliches Leben zu führen - erschliesst sich der Sinn.

 

Nach dieser kurzen Begriffsdefinition gibt Andrews einen Abriss über 2000 Jahre blutige Kämpfe im Christentum und über die etwas kürzere, aber nicht minder brutale Geschichte des Islam. Über die Schilderung dieser dunklen Seite der Religionen gelangt er schliesslich zu seiner Kernfrage: Sind Gräueltaten, die im Namen des Christentums oder des Islam begangen werden, im Wesen der jeweiligen Religion verankert? Für die Beantwortung verliert sich Andrews etwas in der Darstellung verschiedener spiritueller Sichtweisen, die zunächst erklären sollen, warum Menschen überhaupt «böse» handeln und schliesslich, warum gerade religiöse Menschen dafür anfällig sind, gewalttätig zu sein.

Dem gegenüber stellt Andrews die friedlichen, dialogstiftenden Aussagen, die er exegetisch herausarbeitet.

Gewaltstiftendes und gewaltfreies Potential stehen sich nun theologisch-philosophisch gegenüber. Andrews wägt es gegeneinander ab und gelangt zu der Schlussfolgerung, dass alle Aufrufe zum gewalttätigen Dschihad zurückgewiesen, und anstatt dessen ein gewaltfreier Dschihad, nach dem Vorbild Jesu, geführt werden müsse.

 

Die Kernbotschaft des Buches ist im Sinne der dialogischen Beziehung von zentraler Bedeutung. Den Umweg über Erklärungsansätze, die sich mit den Grundlagen der menschlichen Veranlagung auseinandersetzen, hätte es an dieser Stelle nicht gebraucht.

Für alle, die an das friedenstiftende Potential der Religionen glauben, danach suchen oder auch daran zweifeln, ein lesenswertes Buch!

 

Bibliographische Angaben:

Dave Andrews: Der Jesus-Dschihad. Der gewaltfreie Weg aus dem Konflikt zwischen Islam und Christentum. Dillerberg 2017. 286 S.

ISBN: 978-3-95734-245-4

 

Veranstaltung

Der Autor wird am 8. März 2018 zu Gast in Basel sein, über sein Buch berichten und sich der Diskussion stellen.

Näheres auf oben stehendem Flyer.

 


[int.Nr.:i1271e5001456]

Aktualisiert: 28.02.2018

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