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14/2009, Muslime: «STOLZ AUF BASEL»

 

Mehrere Hundert Muslime leisteten der Einladung der «Schweizerischen Islamischen Jugendvereinigung Basel» Folge und versammelten sich am Freitag, 4. Dezember 2009 auf dem Marktplatz in Basel, um mit einer bewilligten Kundgebung ihrer Enttäuschung über den Ausgang der Minarettinitiative Ausdruck zu verleihen und der Basler Bevölkerung für die Ablehnung zu danken.

 

Einladung zur Kundgebung:

«Selamunaleykum

Liebe Freund/Innen, Schwester und Brüder

Basel Jugendliche waren wegen dem Ergebnis der Minarretinitivate sehr besorgt und haben sich wegen dieser Problematik zusammengetan für eine offizielle friedliche Demonstration um ihr Gefühl der "Enttäuschung der Basler Muslime" auszudrücken. (Welche Verbote werden sonst noch Folgen??)»

 

Versammlung auf dem Marktplatz

Es bot sich ein ungewohnter Anblick: Hunderte Menschen verschiedener Alter, Geschlechter und Herkunft, die offensichtlich kaum Demoerfahrung hatten, trugen Schilder und Transparente (siehe unten).

Alle Teilnehmenden, auch die nichtmuslimischen Gäste, erhielten einen Halbmond und eine Stecknadel.

Ein Flyer informierte über den Grund der Kundgebung.

Schweigemarsch (Flyer)

 

Schweigemarsch

Ab 19.30 Uhr bewegte sich der Zug ruhig durch die Eisengasse, über die Mittlere Brücke und die folgenden Strassen zur Muba. Die begleitende Polizei konnte sich darauf beschränken, den Verkehr kurz anzuhalten, damit der Zug seinen Weg gehen konnte.

Da sehr wenige Leute auf der Strasse unterwegs waren - der offizielle Ladenschluss war bereits vor mehr als einer Stunde - bildeten die wenigen Passanten eine Minderheit. Einzelne wollten den Grund des Schweigemarsches wissen. Es konnte keine Anfeindung festgestellt werden.

 

Auf dem Messeplatz

Während rund 30 Minuten fand die Kundgebung auf dem Muba-Platz ihren Fortgang mit Koranrezitationen und Ansprachen.

Zwei jüngere Muslime hielten gutformulierte Ansprachen, in denen sie sich darüber beklagten, wie Vorurteile über den Islam zur Annahme dieser Minarettinitiative geführt hätten. Aber sie bedankten sich unter grossem Applaus der Anwesenden bei der Bevölkerung der Kantone Basel-Stadt, Genf, Waadt und Neuenburg, dass sie die Initiative abgelehnt hatten. Die Redner werteten dies als Erfolg der geglückten Integration. Selbstkritisch stellten sie fest, dass die Muslime zu wenig für die Information der Bevölkerung getan hätten und dies ändern müsste.

(Das Manuskript von Serhad Karatekin konnte hier leider nicht veröffentlich werden, weil es trotz mehrmaligem Nachfragen bis heute nicht eingetroffen ist!)

 

Ansprache von Georg Vischer, Dr. theol; Ko-Präsident des Interreligiösen Forums Basel

Vischer hielt eine flammende Rede, in der er «die Einschränkung der Religionsfreiheit und die Diskriminierung einer religiösen Minderheit» beklagte. Durch diese sei «unsere freiheitliche Schweizer Verfassung in gravierender Weise beschädigt worden». Er führte aus, dass weder über terroristische Netzwerke, noch über Genitalverstümmelung bei Mädchen, über das Kopftuchtragen oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau abgestimmt worden ist, «…sondern darüber, dass die Gebetshäuser unserer muslimischen Mitbewohner nicht mit einem Turm versehen werden dürfen…».

Ansprache von Pfarrer Dr. Georg Vischer

 

Die bewegende Kundgebung schloss mit einem Gebet und der Rezitation der Fatiha, der ersten Sure des Korans.

 

Im Tram, nach Abschluss der Kundgebung, war auf der Tasche einer jungen Muslimin zu lesen: «Ich bin stolz eine Basler Muslima zu sein!»

(Dieser Satz hat den Schreibenden als bekennendem Lokalpatrioten sehr gefallen!)

 

Sprüche und Slogans auf den Transparenten und Tafeln:

- «Unterdrückt niemanden und lasst euch nicht unterdrücken (Prophet Mohamed)»

- «Döner JA, Baklava JA, Minarett NEIN?!»

- «Zwangsheirat ? NICHT IM ISLAM»

- «Keine Politik über den Islam. ISLAM = FRIEDEN»

- «STOLZ AUF BASEL»

- «STOLZ AUF WESTSCHWEIZ»

- «GLEICHE RECHTE FÜR ALLE» (Links und rechts das Schweizerkreuz, darüber die Symbole Kreuz, Davidsstern und Halbmond.)

- «HIER GEBOREN, TROTZDEM NICHT ERWÜNSCHT?»

- «EINST STOLZE SCHWEIZER, NUN 2. KLASSE??»

- «NEIN ZUR INTOLERANZ»

- «»

 

Fotos vom Schweigemarsch zur Minarettinitiative

 

Fazit

Bei der ganzen Aktion kann nicht eigentlich von einer politischen Demonstration gesprochen werden, dafür war schon der Zeitpunkt nicht geeignet.

Wichtiger war, dass Muslime aus der Isolation heraus gekommen sind.

Die selbstbewussten jungen und jüngeren Muslime, die das Ganze organisiert haben und in der Öffentlichkeit aufgetreten sind, zeigten eine eher neue Seite des Islams in der Schweiz. Taktisch geschickt und der zahlenmässigen Realität entsprechend traten keine extremistischen Muslime in Erscheinung.

Für uns wenige Basler Nicht-Muslime, die wir uns seit Jahren für eine Integration der Muslime einsetzen, war es erfreulich, dass dem Kanton Basel-Stadt für die Ablehnung der Minarettinitiative gedankt wurde.

Nun ist zu hoffen, dass in dieser Art weiter gemacht und die Öffentlichkeit über den Islam und das Leben der Muslime und Musliminnen informiert wird.

 

Nachtrag

Leider ist seither nichts mehr geschehen. Die Muslime und Musliminnen haben sich offenbar wieder in ihren Schneckenhäusern verkrochen.

Christoph Peter Baumann

 

[int.Nr.:i1271e500914]

 

Aktualisiert: 5.2.2010

 

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Aktualisiert: 17.10.2014

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