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18/2009, Buch zum christlich-muslimischen Dialog


 

Werner Schatz: Streite mit ihnen auf die beste Art. Praktische Anleitung zum christlich-muslimischen Dialog. Zell am Main 2010. (PB, 345 Seiten)

 

Werner Schatz setzte sich während Jahrzehnten für ein friedliches Zusammenleben mit Muslimen ein. Schon als Gemeindepfarrer war es ihm ein Anliegen, für das Verständnis zwischen Christen und Muslimen einzustehen. Er war nach seiner Pensionierung Islambeauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt.

 

Das, was Werner Schatz während Jahrzehnten an Fragen und Vorwürfen von Christen und Muslimen gegen die jeweils andere Religion zu hören bekam, hat er in diesem Buch zu beantworten versucht. Er hat es sich dabei nicht einfach gemacht und keine vorschnellen Antworten gegeben. Nein, er hat akribisch auf jede Frage unzählige Bücher konsultiert und in mehreren Sprachen - so auch in Arabisch! - Antworten gesucht.

Dass auf 329 Seiten 1077 Fussnoten stehen, spricht für sich. Dabei sind die im Text stehenden Koran- und Bibelzitate nicht einmal mitgezählt.

 

Wenn die Minarett -Gegner dieses Buch gelesen und beherzigt hätten, wären wahrscheinlich viele ihrer Ängste dahin gefallen.

Hätte und wäre… Damit kommen wir nicht weiter.

 

Das Buch von Werner Schatz verdiente den (Unter-)Titel «Enzyklopädie gegen die Vorurteile von Christen und Muslimen». Werner Schatz lässt keinen Vorwurf, von welcher Seite er auch kommt, stehen, sondern gibt fundierte Antworten.

Von Aussagen wie «Wir glauben doch alles das Gleiche», distanziert er sich und zeigt die grossen Unterschiede, die nicht aufzulösen sind. Meint dann aber:

«Doch wenn wir die Gemeinsamkeiten ernst nehmen, werden die Unterschiede leichter zu ertragen sein.» (S.21)

 

Werner Schatz liefert keine beschönigenden Antworten. So zeigt er differenziert und dezidiert im Kapitel «Krieg und Frieden» (S.140 ff.), was Muslime und Christen zu diesem Thema wissen müssen. Er zeigt klar, wo Christen gegen Muslime und umgekehrt Muslime gegen Christen Fehler gemacht und ethisch versagt haben.

 

Werner Schatz zeigt einige fundamentale Missverständnisse über die jeweils andere Religion, erklärt, wie es dazu kommen konnte und zeigt, wie es richtig ist. Als Stichworte seien nur genannt Trinitätslehre, Polygamie versus Monogamie.

 

Ein paar kritische Anmerkungen seien aber doch noch angebracht.

Von einer «praktischen Anleitung» hätte ich mir gewünscht, dass Werner Schatz aus seiner langen praktischen Erfahrung als Anleiter einer christlich-islamischen Gesprächsgruppe geschrieben hätte, wie eine solche Gruppe funktionieren könnte. Vielleicht ist er zu bescheiden, um ein Rezept zu geben. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass nicht jede Gruppe wieder die gleichen Fehler machen müsste.

 

Die zweite Kritik betrifft die grafische Gestaltung. Das Buch wäre leichter lesbar, wenn die Überschriften klarer akzentuiert wären, um so die Kapitel und Abschnitte beim Blättern leichter zu finden. Weil dieses Buch kaum von der ersten bis zur letzten Seite am Stück durch gelesen wird, sondern als Nachschlagewerk verwendet wird oder verwendet werden könnte, wäre eine entsprechende grafische Gestaltung hilfreich.

 

Christoph Peter Baumann

 

Klappentext

Das vorliegende Buch präsentiert die für den christlich-muslimischen Dialog grundlegenden theologischen Themen. Es bietet Ausführungen zum Absolutheitsanspruch in beiden Religionen, einen Vergleich von Bibel und Koran sowie Vergleiche der christlichen und muslimischen Sicht auf den Propheten Mohammed, Jesus und Gott. Es geht um - in beiden Religionen - allzu oft missverstandene Bibelworte: Steinigung für Ehebruch? "Gebt dem Staat ...!" Gezeugt aus Gott ...? Ausführlich entfaltet werden die traditionell provokanten Themengebiete zwischen Christen und Muslimen: z. B. Polygamie und Monogamie; das Verhältnis von Religion und Staat; Meinungs- und Religionsfreiheit; Krieg und Frieden. Gezeigt wird die Sicht auf Jesus im Neuen Testament und im Koran, die Sichtweise beider Religionen auf Geburt, Botschaft, Taten, Titel, Sterben und Auferstehung Jesu. Dann werden die Sichtweisen vom einen bzw. dreieinen Gott reflektiert. Auch wird das (metaphysisch-ontologisch) auf das Wesen und Sein des Menschen abzielende Verständnis von Gott im Islam mit dem (christologisch-soteriologisch) auf das künftige Heil des Menschen abzielende Wirken Gottes im Christentum verglichen. Weiterhin gibt das Buch Einblicke in die über das Denken gewonnene, also spekulative, und - nach Koran - in die über den Glauben und die Erfahrung gewonnene, also geoffenbarte, islamische "Dogmatik".

 

Das Buch wendet sich außer an Wissenschaftler vor allem an den interessierten Laien, denn es will helfen, Aufgaben in Alltag und Beruf im interkulturellen Zusammenleben zu bewältigen. Es fördert die Flexibilität in der Begegnung mit Menschen anderer Kultur und Religion, erhöht die Gesprächsfähigkeit, macht teamfähig, tolerant und fördert eine friedliche Gesinnung.

 

Das Buch ist von der Überzeugung geprägt, dass im christlich-muslimischen Verhältnis - nach vielen und zum Teil sehr wertvollen Bemühungen um Harmonie auf der Ebene der Glaubenspraxis, des Zusammenlebens und der politisch-gesellschaftlichen Begegnungen - nun der theologische Dialog intensiviert werden sollte.

 

"Ein wichtiges Buch!" (Prof. Dr. Gregor Schoeler, Professor für Islamwissenschaft, Univ. Basel)

 

[int.Nr.:i1271e500918]

 

Aktualisiert: 16.12.2009

 

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Aktualisiert: 17.10.2014

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