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Wolfgottesacker

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Der "Wolfgottesacker": Seit 139 Jahren Basels schönste Ruhestätte:

Dort steht auch der Grabmalobelisk des adventistischen Missionars J.N. Andrews

 

Von Christian B. Schäffler (Basel)

 

Der unter Denkmalschutz stehende "Wolfgottesacker" in Basel ist seit 139 Jahren Basels schönste Ruhestätte. Er gehört zu den künstlerisch wertvollsten und landschaftlich am schönsten gestalteten Friedhöfen der Schweiz. Er liegt - einer grünen Insel gleich - zwischen Güterbahnhof, Tram und Industriegebäuden.

 

Dass der Wolfgottesacker bereits 1997 seinen 125. Geburtstag feiern konnte, bezeichnete die "Basler Zeitung" als "kleines Wunder". Mehrmals in seiner Geschichte sollte er schon geschlossen werden und zweimal musste er die Tore auch wirklich zumachen. Nach seiner Einweihung 1872 dauerte es gerade zwei Jahre bis zur ersten Schliessung. Der Grund lag in den damals veröffentlichten Plänen zum Bau eines Güter- und Rangierbahnhofs der "Schweizerischen Centralbahngesellschaft" (SCB). Man erreichte mit grosser Mühe einen Kompromiss, trat den nördlichsten Teil ab und konnte 1879 den Bestattungsbetrieb wiederaufnehmen. Mit der Eröffnung des kantonalen Zentralfriedhofs am Hörnli 1932 beschlossen die städtischen Behörden, den Wolfgottesacker als historischen Bestattungsort für Erdbegräbnisse und als Refugium alter Grabsteine zu erhalten. Nach der Eisenbahn bedrängten Tram und Industriebauten den Friedhof, 1937 führten regierungsrätliche Beschlüsse zur zweiten, diesmal vierjährigen Schliessung. Im Jahre 1960 musste eine Fläche von 1'270 Quadratmetern zum Bau einer Lagerhalle an die Bahnhof-Kühlhaus AG abgetreten und die Einfriedungsmauer entsprechend zurückversetzt werden.

 

Fünfzehn Jahre später annullierte man den Regierungsratsbeschluss, dass ab 1990 nicht mehr bestattet werden kann und dass der Friedhof im Jahre 2010 aufzuheben sei. Im Jahre 1994 kam die bisher letzte "Ruhestörung", als die Basler Regierung den Antrag ablehnte, den Wolfgottesacker ins Denkmalverzeichnis aufzunehmen. Im November 1995 entschied jedoch das Basler Verwaltungsgericht, den Friedhof unter Denkmalschutz zu stellen. Auf dem Wolfsgottesacker werden noch heute jährlich gegen 150 Bestattungen in Familiengräbern vorgenommen.

 

Die Friedhofsanlage mit einer Gesamtfläche von 58.300 m2 besticht durch die geometrische und landschaftliche Architektur, die wunderschöne Gartenkultur sowie die künstlerisch und historisch bedeutungsvollen Grabdenkmäler. Ein wissenschaftliches Inventar, das 1990 von der Kunsthistorikerin Anne Nagel zum Wolfgottesacker erstellt wurde, beinhaltet 1.130 Grabmäler, wovon über die Hälfte als wertvoll eingestuft wird. Die Stadtgärtnerei liess 1996 ein umfassendes Parkpflegewerk erstellen. Den rund 800 schützens- und erhaltenswerten Grabsteinen wird seither besondere denkmalpflegerische Aufmerksamkeit geschenkt.

 

Auf wenig Verständnis in der Bevölkerung stiess in der jüngeren Geschichte des Friedhofs die Umbennenung der Tramhaltestelle "Wolfgottesacker" nach einem nahem Konsumtempel. Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben die Haltestelle gegen eine finanzielle Entschädigung in "M-Parc" (Einkaufszentrum der MIGROS) umgetauft. Viele Baslerinnen und Basler fordern seither eine Rückbenennung auf "Wolfgottesacker".

 

Zahlreiche Mitglieder alteingesessener Basler Familien und bekannte Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens fanden auf dem Wolfgottesacker ihre letzte Ruhe- und Gedenkstätte. Einige Namen seien hier stellvertretend aufgeführt: Der Staatsmann und Pionier der geologischen Wissenschaften Peter Merian (1795-1883), der Erfinder der Schiessbaumwolle Christian Friedrich Schönbein (1799-1868), der Mediziner Carl Gustav Jung d. Ä. (1794-1864), der Germanist und Dichter Wilhelm Wackernagel (1806-1869) und dessen Sohn, der Historiker Rudolf Wackernagel (1855-1925), die Theologen Wilhelm Martin Leberecht DeWett (1780-1849) und Alfred Altherr (1843-1909), der Rechtsgelehrte und Altertumsforscher Johann Jakob Bachofen (1815-1887), der Maler und Bildhauer Carl Burckhardt (1878-1923), der Kirchenhistoriker Karl Rudolf Hagenbach (1801-1874) und der Missionar und Pastor John Nevin Andrews (1829-1883).


John Nevin Andrews (1829-1883)


Der adventistische Pastor J.N. Andrews amtierte von 1867 bis 1869 in den USA als dritter Präsident der Generalkonferenz der protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. 1887 wurde er als erster amerikanischer Missionar der Freikirche nach Europa gesandt. Er liess sich 1874 zunächst in Neuchâtel nieder und übersiedelte 1876 nach Basel, wo er ein Verlagshaus gründete und die Zeitschrift "Les Signes des Temps" (Die Zeichen der Zeit) herausgab. Während seiner siebenjährigen Tätigkeit als Redakteur und Verlagsleiter in Basel schrieb er, trotz grosser missionarischer Reisetätigkeit in Europa und einem Lungenleiden, über 500 theologische Artikel. In einer Kirchenchronik heisst es, dass er es verstand, "die unpopulärsten Wahrheiten in einer so klaren und überzeugenden Weise zu schreiben, dass sie den Lesern noch nach Jahrzehnten Bewunderung abnötigen". Andrews konnte die Bibel in sieben Sprachen lesen und kannte grosse Teile des griechischen Neuen Testamentes auswendig. Im Alter von 54 Jahren starb er 1883 und wurde auf dem Basler Kannenfeld-Friedhof bestattet. In seinem Grab ruhten auch seine 1883 verstorbene Sekretärin Anna Margaretha Oyer, seine Nichte Edith Andrews, die 1885 starb sowie der Missionar und Schriftsteller Joseph Harvey Waggoner. Als Waggoner 1889 starb wurde ein gemeinsames Grabmal in Form eines Obelisken nach einer Sammlung unter den Schweizer Adventisten errichtet. Zwischen 1951 und 1953 wurde der Kannenfeld-Friedhof aufgehoben und so gelangten 1951 auch der bedeutende Grabstein, zusammen mit den Gebeinen der Verstorbenen in einem gemeinsamen Sarg auf dem Wolfgottesacker beigesetzt.

 

Seit 1960 trägt die adventistische Universität in Berrien Springs (Michigan/USA) zu Ehren des adventistischen Kirchenpioniers den Namen "Andrews University". Sie ist heute mit knapp 3'000 Studenten die grösste Bildungsstätte der Freikirche in den USA und zählt zu den 190 besten amerikanischen Hochschulen.

 

Im September 1983 fand im Basler Kirchgemeindehaus Oekolampad ein missionswissenschaftliches Symposium zum Gedenken an den adventistischen Pionier und Missionar John Nevin Andrews statt, an dem über 1'800 Personen aus Europa und den USA teilnahmen.

 

Literatur:

• Anne Nagel: "Der Wolfgottesacker in Basel", Schweizerische Kunstführer GSK, 1993, ISBN 3-85782-532-4

• Basler Zeitung, Nr. 257, 4.11.1997

• Basler Zeitung, Nr. 257, 2.11.1996

• Harry Leonard (Hrsg.) "J.N. Andrews - The Man and the Mission", 1985, ISBN 0-943872-91-X

• Basler Stadtbuch 1983, Ausgabe 1984, Hans Krattiger "Ein Jahrhundert Basler Advent-Mission", ISBN 3-85616018-3

• Chronik "80 Jahre Advent-Gemeinde Basel 1863-1963, Basel 1964 (J.N. Andrews-Jahr), vergriffen.

• Friedhofamt des Kanton Basel-Stadt (Urkunde Benutzungsrecht 13.6.1951; Protokoll Leichenverlegung 20.7.1951)

• Wolfgottesacker, Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Stadtgärtnerei (http://www.stadtgaertnerei.bs.ch/wolfgottesacker__gruen__09.pdf)

 

Weitere Links

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Wolfgottesacker. Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Stadtgärtnerei

 

Wolfgottesacker Ein Tor zu vergangenen Zeiten

 

Wolfgottesacker (Wikipedia) (21.10.2011)

Der Wolfgottesacker ist einer der Basler Friedhöfe. Er liegt im Osten der Stadt auf städtischem Gebiet neben den SBB-Gleisen und bildet eine grüne Insel in einem Industrie- und Gewerbegebiet zwischen dem Rangierbahnhof «Wolf» und dem Tramdepot «Dreispitz».

 

[int.Nr.:1555]

 

Aktualisiert: 16.11.2011

 

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