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Bildung und Erziehung

 

«Auf drei Dingen steht die Welt: auf der Thora, der Lehre; auf der Awoda, dem G'ttesdienst; und auf Gemilut Chassadim, der Liebestätigkeit.» (Ausspruch Schimons, des Gerechten: Sprüche der Väter 1,2) (in Lang, S.7)

 

«Das Thora-Lernen ist das Fundament jüdischen Lebens. Für jeden einzelnen Juden und für die jüdische Gemeinschaft ist eine intensive Beschäftigung mit dem niedergeschriebenen Wort G'ttes und mit der dieses Wort interpretierenden Überlieferung die Voraussetzung, um das Judentum in Inhalt und Form lebendig zu erhalten. » (E. Lang, in Lang, S.85)

 

Es ist wohlbekannt, dass das Judentum grossen Wert auf Erziehung legt. Aber was es unter Erziehung versteht, ist nicht so bekannt. Das hebräische Wort für Erziehung heisst chinuch. Das bedeutet nicht nur formale Schulbildung. Wörtlich bedeutet es «Weihung» und bezieht sich auf die Vorbereitung des Kindes auf das Leben, nicht nur für seinen Lebensunterhalt. (Donin, S. 138).

 

Die jüdische Gemeinde hat keinen Priester, sondern einen Rabbiner, «Lehrer». Ein Rabbiner hat keine priesterlichen Aufgaben oder Rechte, sondern ist ein gleichberechtigtes Mitglied seiner Gemeinde. Er ist Fachmann für die «Halacha», das gültige Religionsgesetz, trifft verbindliche Entscheidungen in Rechtsfragen und unterrichtet auf dieser Basis die Gemeindeglieder.

 

Die jüdische Gemeinde hat keine Kirche oder Tempel, sondern eine Synagoge, eine Haus für Gebet, Schriftstudium und Unterweisung. Jiddisch heisst sie «Schul».

 

Die Eltern sind verpflichtet, ihren Kindern das Wissen von Tora, Talmud und anderen jüdischen Quellen zu lehren und sie zur Erfüllung der Gebote der Tora - «Mitzwot» - ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend zu erziehen.

 

Donin schreibt (S.141): «Die religiöse Erziehung und Vorbereitung von Söhnen und Töchtern jeden Alters ist entscheidend für den Fortbestand des jüdischen Erbes und der Weltjudenheit. Sie muss im Budget jüdischer Gemeinden überall den ersten Rang einnehmen und darf nur dann in zweiter Linie kommen, wenn es sich um Bemühungen handelt, Menschen aus unmittelbarer Lebensgefahr zu retten.»

 

Die heutigen Schulgesetze nehmen in vielen Belangen auf die jüdischen Bedürfnisse Rücksicht. So ist es auch möglich, die Kinder nicht nur an den Feiertagen, sondern jeden Samstag vom Schulbesuch zu dispensieren, sofern nicht überhaupt der Samstag schulfrei ist. Viele jüdische Familien ziehen es aber vor, ihre Kinder in der Schule jüdisch unterrichten zu lassen. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass sich der Stundenplan nach dem jüdischen Kalender richtet, sondern dass die Kinder ausser den normalen Schulfächern auch in jüdischer Religion und Kultur unterrichtet werden. In Basel gibt es jüdische Kindergärten, Primar- und Mittelschulen.

 

Die beiden Basler Gemeinden und die jüdischen Eltern nehmen viel auf sich, um diesem Anspruch gerecht zu werden und die Kinder optimal jüdisch erziehen zu können.

 

Es gibt aber ausser den Schulen für Kinder und Jugendliche noch viele weitere Bemühungen, Bildung zu vermitteln.

 

Bei der folgenden Aufstellung ist zu beachten, dass diese Bildungseinrichtungen autonom und in der Regel auch eigene juristische Persönlichkeiten sind. Ausserdem sind weitere Bildungsangebote für Erwachsene auf den jeweiligen Seiten der beiden Gemeinden aufgeführt.


[int.Nr.:i207]

Aktualisiert: 19.03.2018

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