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Jüdische Sport- und Freizeitvereine

 

Dass Menschen aufgrund der Religions- oder Konfessionszugehörigkeit miteinander die Freizeit verbringen wollen, ist verständlich.

So gibt es zahlreiche katholische Turnvereine, methodistische und adventistische Pfadfinder, evangelische Chöre und viele andere Klubs und Vereine.

Bei Jüdinnen und Juden ist das nicht anders.

Es gibt allerdings noch weitere Gründe, um jüdische Freizeit- oder Sportvereine zu bilden.

Weil viele Anlässe am Samstag stattfinden, ist deshalb verständlicherweise für viele Juden eine Teilnahme ausgeschlossen.

 

Die Entwicklung jüdischer Vereine

1895 initiierten deutsche Juden, die in Konstantinopel (Istanbul) als Ärzte oder Ingenieure arbeiteten, einen eigenen Turnverein, um dem Antisemitismus im dortigen deutschen Turnverein zu begegnen.

Organisierte sportliche Betätigung war um 1900 noch weitgehend unbekannt und lediglich die Deutsche Turnerschaft bot die Möglichkeit, zu gemeinsamen sportlichen Aktivitäten. Da Sport immer auch politisch war und ist, war es für Juden fast unmöglich, in dieser überwiegend deutschnational bis völkisch, antidemokratisch und antisemitisch orientierten Organisation mitzuturnen. So kam es bereits 1897 in Wien zur Gründung des "Ersten Wiener jüdischen Turnvereins", dem wenig später ein Grazer Turnverein folgen sollte.

Bei den Spielen der jüdischen Fussballmannschaft Hakoah Wien waren antisemitische Ausschreitungen an der Tagesordnung. „Ins Gas mit ihnen“ skandierten z. B. mehrere Zuschauer bei einer Partie im Frühjahr 1946 gegen ein Auswahlteam der Wiener Polizei.

Eine der Ursachen einer eigenen jüdischen Vereinskultur liegt im Antisemitismus, der sich in den Turnvereinen Ende des vorigen Jahrhunderts ausbreitete. Im Turnkreis 15 der Deutschen Turnerschaft, der Österreich umfasste, wurde 1889 sogar ein Arierparagraph erlassen, der nur «deutschen» Turnern den Zutritt zu den Vereinen gewährte. Auch wo sich der Antisemitismus nicht so radikal wie in Österreich gebärdete, waren jüdische Turner oft dem Gespött, Diskriminierungen und Beleidigungen ausgesetzt.

Einen weiteren Grund zur Gründung einer eigenständigen Turnbewegung war der Zionismus Theodor Herzls. Sie sollte zur Stärkung der jüdischen Identität, der Zusammenführung aller Menschen jüdischer Herkunft, dienen. (1)

Auch die Schweiz war nicht frei vom antisemitischen Geist.

So schreibt der <Hakoah TC Basel>:

«Am 28. April 1925 wurde in Basel beschlossen einen rein jüdischen Tennisclub zu Gründen. Ausschlaggebend war, dass für viele jüdische Spieler der Zugang zu öffentlichen Tennisclubs verweigert wurde. (…) Anfang 1930 wurde der Club von “Jüdischer Tennisclub Basel“ in <Hakoah TC Basel> umbenannt. Dies weil der Schweizerische Lawn-Tennisverband für die Aufnahme des Clubs einen “neutralen“ Namen wollte.»

Geschichte des TC Hakoah Basel

 

Der jüdische Sport in der Schweiz erforderte eine landesweite Koordination und Interessenvertretung. Diese Aufgabe übernahm Maccabi Schweiz. Seine Hauptaufgabe bestand darin, «die allgemeine körperliche Ausbildung der jüdischen Jugend in der Schweiz zu fördern».(2) Zu seinen programmatischen Aufgaben sollten ausserdem gehören:

1. Ein einheitliches Turnprogramm, das mit dem des Eidgenössischen Turnverbandes übereinstimmt.

2. Die Gründung von jüdischen Turnvereinen in der Schweiz zu fördern.

3. Ausbildungskurse für jüdische Oberturner zu veranstalten.

 

Die Sportvereine haben neben dem eigentlichen Sportlichen wie die anderen Freizeitvereine auch die Funktion, jüdische Jugendliche (und Erwachsene) zu einer bewussten jüdischen Identität hinzuführen.(3) So gehören verschiedene gesellschaftliche Anlässe ebenso zum Programm wie die Feier von manchen jüdischen Festen wie zum Beispiel Purim oder Chanukka.

 

Jüdische Sport- und Freizeitvereine in Basel

Die meisten der hier vorgestellten Organisationen sind nicht religiös im engeren Sinn, sondern haben die Gemeinsamkeit, dass sie von Juden und für Juden gegründet wurden.

Weitere Freizeitaktivitäten sind auch bei der Israelitischen Gemeinde Basel aufgeführt.

 

Curling Club 08.25

Kleiner Jüdischer Curling-Club, der in der 2. Liga der Basler Meisterschaft in Arlesheim spielt. Die Geselligkeit steht im Vordergrund.

 

Jüdischer Schachclub Basel

Der jüdische SC ist zur Zeit inaktiv.

 

Jüdischer Turnverein Basel (JTV)

Jüdischer Turnverein Basel (JTV)

 

Maccabi

Maccabi

 

Neuer Cercle

Neuer Cercle

 

TC Hakoah Basel

TC Hakoah Basel

 

Anmerkungen

1: Hochreiter S.19.

2: Simon Pencher, Die jüdische Turnbewegung in der Schweiz. In: Israelitisches Wochenblatt 49, 6.12.1918.

3: Hochreiter, S. 27.

 

Literatur:

- Walter Hochreiter, Sport unter dem Davidstern. Die Geschichte des jüdischen Sports in der Schweiz, Basel 1998

- Eric Friedler, Makkabi Chai? Makkabi lebt. Die jüdische Sportbewegung in Deutschland

1898-1998, Wien 1998

- Dietrich Schulze-Marmeling (Hg.), Davidstern und Lederball. Die Geschichte der Juden

im deutschen und internationalen Fussball, Göttingen 2003

 

Weitere Links

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Sport unter dem Davidstern

Ausstellungsprojekt zur Geschichte der jüdischen Sportbewegung

 

Hoppauf Hakoah – oder:

Als Hakoah Graz noch Sturm Graz und G.A.K. besiegte, Heimo Halbrainer

 

Masel tov Hakoah Wien! Ein jüdischer Sportverein wird 100 Jahre alt Von Jim G. Tobias

 

"Hoppauf, Herr Jud!" - Sport als Spiegelbild und Antithese jüdischer Geschichte (2008)

Universität Basel: Erik Petry.

 

Jüdischer Fussball in der Schweiz und der Antisemitismus beim Grasshopper-Club. Restriktive Erinnerungspolitik (WoZ-Online; von Beat Jung) (1.5.2003)

Antisemitische Verunglimpfung war beim Grasshopper-Club Zürich bis in die fünfziger Jahre hinein Praxis: Bericht über ein unrühmliches Stück Schweizer (Sport-)Geschichte.

 

[int.Nr.:209]

 

Aktualisiert: 17.2.2010

 

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