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Noëmi Sibold: «Bewegte Zeiten». Zur Geschichte der Juden in Basel, 1930er bis 1950er Jahre.


 

Zu Beginn der 1930er Jahre nahm Judenfeindschaft auch in der Schweiz immer bedrohlichere Formen an.

Den Schweizer Juden wurde die eigene Sonderstellung in Erinnerung gerufen, nicht zuletzt durch die judenfeindliche Flüchtlingspolitik der Schweiz während der Zeit des Nationalsozialismus.

 

Noëmi Sibold untersucht mit ihrer sehr gut lesbaren Dissertation, wie die Juden in Basel die Zeit von den späten 1920er Jahren bis in die 1950er Jahre erlebten.

 

 

Inhaltsübersicht

Das Buch hat 3 Hauptteile:

Teil I: Bedrohung und Abwehr

1. Judenfeindschaft in den 1930er Jahren

2. Jüdische Abwehr und interne Disziplinierung

3. Ein Kampf gegen Windmühlen? – Zwischenfazit

Teil II: Zionismus und Jugendbewegung

1. Die zionistische Bewegung

2. Jugend und zionistischer Aufbruch

3. Ein neues jüdisches Selbstverständnis – Zwischenfazit

Teil III: Studenten, Emigranten und Flüchtlinge

1. Jüdische Studenten an der Universität Basel

2. Lager und Transit – die Flüchtlingshilfe der Israelitischen Gemeinde Basel

Inhaltsverzeichnis

 

Zur Autorin

Noëmi Sibold, geboren 1972, studierte Geschichte, Politologie und Rechtswissenschaften in Basel und Bern. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin auf dem Forschungsdekanat der Phil.-Hist. Fakultät der Universität Basel

Noëmi Sibold

 

Bemerkungen zum Inhalt

Das Buch hat viele Stärken. Es ist themenzentriert und gut lesbar geschrieben, so dass das Buch auch für interessierte Laien verständlich ist. Die im Zusammenhang nötigen Fachbegriffe werden kurz und prägnant erklärt.

Das Eingeständnis der schwierigen Quellenlage führte dazu, dass Noëmi Sibold manche Sachverhalte nur skizzieren kann und dies auch schreibt.

Der Bereich Antisemitismus und Judenfeindlichkeit ist sehr schwierig. Noëmi Sibold schaffte den Spagat zwischen distanzierter Wissenschaftlichkeit und Betroffenheit. So schreibt sie: «Es geht hier nicht darum, die Schweizer und Basler Geschichte ausschliesslich in judenfeindlichem Licht darzustellen, sondern es wird die Ausganglage für das folgende Kapitel gegeben. In «Jüdische Abwehr und interne Disziplinierung» werden verschiedene Strategien aufgezeigt, mit welchen das Basler «Abwehrkomitee» beziehungsweise einzelne Exponenten der zunehmenden Judenfeindlichkeit begegneten.»

 

Die Schwierigkeiten innerhalb des Judentums in Basel und der Israelitischen Gemeinde Basel werden anschaulich beschrieben. Sibold zeigt mehrere Aspekte dazu auf.

Zum Beispiel den Zionismus:

«Der Zionismus bot mit seiner Vision eines eigenen jüdischen Staats eine radikale Alternative zu einem bürgerlich geprägten Judentum, das sich religiös oder kulturell definierte und in der Gesellschaft nun zunehmend angefeindet erschien. Dieses dynamische Feld betrachte ich vor allem aus der Perspektive der Jugend.»

Da Juden und Israel – ob zu Recht oder Unrecht – meist als Synonym behandelt werden, ist es interessant zu erfahren, wie sich im (Basler) Judentum der Zionismus entwickelt hat und innerjüdisch ganz unterschiedlich aufgenommen wurde.

Dass es Noëmi Sibold nicht möglich war, ein Gesamtbild aller jüdischen Vereine und Akteure zu bieten, ist ihr bei der beschriebenen Quellenlage nicht zum Vorwurf zu machen. Trotzdem entstand ein anschauliches Bild des Judentums mit den vielfältigen Facetten.

Die jüdische Jugendbewegung nimmt einen grossen Teil des Buches in Anspruch. Dass dies berechtigt ist, wird beim Lesen erkennbar, denn es ist wirklich ein bis anhin in der Schweiz beinahe unerforschtes Feld.

 

Als einziger kleiner Mangel ist das Fehlen eines Stichwortverzeichnisses zu bemerken. Dies ist schade, weil ein derartiges Fachbuch gern als Nachschlagewerk benützt wird.

Dies ist aber das einzige Haar in der Suppe, das ich gefunden habe.

Ich kann das Buch allen wärmstens empfehlen, die sich für Religionen im Allgemeinen, für das Judentum im Besonderen oder für die Geschichte Basels interessieren.

 

Christoph Peter Baumann

 

Bibliographische Angaben:

Noëmi Sibold

Bewegte Zeiten

Zur Geschichte der Juden in Basel von den 1930er Jahren bis in die 1950er Jahre

Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz. Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, Band 14

2010. 400 S. 65 Abb. Geb. CHF 48.00 / EUR 31.00

ISBN 978-3-0340-1002-3

 

Bezugsquelle:

Das Buch ist in jeder Buchhandlung erhältlich.

An Lager ist es in Basel bei folgenden Buchhandlungen:

- Buchhandlung Vetter, Schneidergasse 2. info@buecher-vetter.ch

- Buchhandlung Goldschmidt, Mostackerstr.17. info@goldschmidt-basel.ch

 

Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden:

 

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Bewegte Zeiten Chronos Verlag


[int.Nr.:i20e7773]

Aktualisiert: 27.01.2017

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