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Gesuch um Kantonale Anerkennung der Alevitischen Religionsgemeinschaft

 

Gesuch um Kantonale Anerkennung gem. § 133 der baselstädtischen Kantonsverfassung

Die beiden Vereine Alevitisches Kulturzentrum Regio Basel und die Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi, Basel hatten sich zur Alevitischen Religionsgemeinschaft zusammen geschlossen.

Am 22.12.2010 haben sie das Gesuch um die sogenannte «Kleine Anerkennung» gestellt.

Medienmitteilung vom 30.12.2010

 

Die rechtliche Situation

In Basel besteht die sogenannte hinkende Trennung von Kirche und Staat. Deshalb gibt es keine Landeskirchen.

Gemäss der Verfassung des Kantons Basel-Stadt, § 126, gibt es vier Öffentlichrechtlich anerkannte Kirchen und Religionsgemeinschaften. Nach § 133 ist eine Kantonale Anerkennung anderer Kirchen und Religionsgemeinschaften möglich:

 

«Kantonale Anerkennung anderer Kirchen und Religionsgemeinschaften

§ 133.1 Privatrechtlich organisierte Kirchen und Religionsgemeinschaften können mit der Verleihung besonderer Rechte vom Kanton anerkannt werden, sofern sie:

a) gesellschaftliche Bedeutung haben,

b) den Religionsfrieden und die Rechtsordnung respektieren,

c) über eine transparente Finanzverwaltung verfügen und

d) den jederzeitigen Austritt zulassen.

2 Es besteht kein Rechtsanspruch auf eine kantonale Anerkennung.

3 Die kantonale Anerkennung erfolgt mit Beschluss des Grossen Rates. Dieser bedarf der Zustimmung von mindestens 51 Mitgliedern des Grossen Rates. Er unterliegt nicht dem Referendum.

4 Der Anerkennungsbeschluss legt die der Kirche oder Religionsgemeinschaft verliehenen Rechte und die von ihr zu erfüllenden Auflagen fest.»

 

Diese «Kleine» Anerkennung gibt den Religionsgemeinschaften aber keine besonderen Rechte, sondern ist mehr eine moralische Anerkennung und Aufwertung. Die Religionsgemeinschaft erhält kein Geld vom Kanton und ist auch nicht berechtigt, mit Hilfe des Kantons Kirchensteuern zu erheben.

Die Religionsgemeinschaften behalten den gleichen zivilrechtlichen Status, also meistens als Verein.

Strukturen

 

Alevitentum und Anerkennung

Das Alevitentum zeichnet aus, dass der Mensch und nicht irgend eine Ideologie im Zentrum steht. Die ersten Aktivitäten des ersten Vereins bestanden darin, Kurse – speziell für Frauen – anzubieten und Kontakte mit religiösen und politischen Organisationen aufzunehmen.

Unterdessen sind beide aktuellen Vereine längst Kollektivmitglieder von INFOREL, Information Religion, des Interreligiösen Forums Basel (IRF), IRAS-COTIS und des Runden Tischs der Religionen beider Basel.

Bei interreligiösen und anderen sozialen Anlässen sind eigentlich immer Alevitinnen und Aleviten anzutreffen, die aktiv mithelfen. Berührungsängste mit anderen Religionen sind kaum auszumachen, eher ein grosses Interesse an anderen Glau-bensinhalten und -riten.

Nicht der Hauptgrund, aber doch ein wichtiger Aspekt mag sein, dass das Alevitentum nicht missioniert. Es ist eigentlich nicht möglich, zum Alevitentum zu konvertieren. Der eigene Glaube wird zwar nicht versteckt, aber auch nicht nach aussen gross gezeigt. Es gibt keine Pflichtgebete oder andere Riten.

Eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen gemeinsam der Glaube gelebt wird, ist die jährliche religiös-soziale Cem-Versammlung.

 

Alevitinnen und Aleviten sind in vielen Bereichen aktiv. Sei es in der Kindererziehung (Spielgruppen, Kindergärten, Schulräte) oder in Wirtschaftskreisen (Gewerbeverband), Gewerkschaftskreisen oder in der Sportszene (Vereine/Verbände). Daneben sind sie auch politisch sehr interessiert und engagiert.

 

Dies alles trägt dazu bei, dass das Alevitentum respektive die «Alevitische Religionsgemeinschaft» die vier Bedingungen nach § 133.1 der Verfassung des Kantons Basel-Stadt, locker erfüllen können.

 

Die angestrebte «Kleine Anerkennung» dient nicht der Integration. Sondern weil die Gemeinschaft bereits integriert ist, ist es ein Akt der Fairness, dass der Basler Grosse Rat diese Gemeinschaft anerkannt.

Links

- Gesuch der Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi Basel sowie des Alevitischen Kulturzentrums Regio Basel um kantonale Anerkennung gemäss § 133 der Verfassung des Kantons Basel- Stadt

 

- Medienmitteilung vom 30.12.2010

 

- Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt:

Bericht zum Gesuch der Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi Basel sowie des Alevitischen Kulturzentrums Regio Basel um kantonale Anerkennung gemäss § 133 der Verfassung des Kantons Basel-Stadt

 

- Stellungnahme von Christoph Peter Baumann, Leiter von INFOREL, Information Religion, Religionswissenschafter

 

- Ansprache von Cihan Minkner am 19.9.2012 beim Empfang der Grossrätinnen und Grossräte

 

[int.Nr.:i215e45]

 

Aktualisiert: 8.10.2012

 

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