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Geschichte des Islams in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft

 

Vorbemerkungen

Der folgende Text ist, was den türkischen Islam betrifft, gemeinsam mit türkischen Muslimen entstanden. Leider wurde das Archiv, in dem viele Unterlagen gesammelt wurden, bei einem Brand grösstenteils zerstört.

Manche Muslime, die von Anfang an dabei waren, sind unterdessen wieder in die Türkei zurück gekehrt (zum Beispiel Remzi Yildiz). Einzelne sind gestorben (zum Beispiel Aslan Tok).

Im Übrigen ist die Quellenlage sehr unsicher. Zum Teil sind sich auch die Muslime über viele Fakten nicht einig.

Die Schreibweise der Namen der Gemeinschaften kennt zum Teil mehrere Varianten oder hat sich verändert.

 

ab 1970

Eine Gruppe türkisch-sunnitischer Muslime begann Anfang der Siebzigerjahre sichan wechselnden Orten regelmässig für das gemeinsame Freitagsgebet zu treffen. So in Frenkendorf, Pratteln, Muttenz, Allschwil und Basel. In der ersten Zeit dienten kirchliche oder soziale Räumlichkeiten als Lokale, die sie für ein Fest, während des Ramadans, oder ein- bis mehrmals wöchentlich benützten.

Sie beteten gemeinsam, übten sich im Lesen des Korans und gaben ihr Wissen ihren Kindern weiter.

 

1974

Am Leimgrubenweg befindet sich der älteste türkisch-islamische Verein, der «Türkisch Islamische Sozial und Kultur Verein beider Basel» («Türkisch Islamischer Sozial und Kultur Verein Fetih Moschee»). Er wurde 1974 von Türken gegründet.

Noch im gleichen Jahr gab es Spannungen, die dazu führten, dass aus dem einen Verein zwei weitere Vereine entstanden:

Islam Kültür Merkezi (heute: «Islamisches Kulturzentrum Bottmingen»)

Im gleichen Jahr begannen Freiwillige mit dem Ausbau des Estrichs in der alten Sanitäts-Kaserne zu der dritten türkischen Mescid in Basel. Sie ist unter dem Namen «Kasernen Moschee» bekannt.

Die Spannungen waren vor allem im politischen Bereich begründet, der Stellung zum türkischen Staat. So konnten in der Anfangszeit im «Türkisch Islamischen Sozial und Kultur Verein beider Basel» nur türkische Muslime Mitglieder werden (Heute ist dies allerdings nicht mehr der Fall!). Die Kasernen-Moschee war von Anfang an unpolitisch und offen für alle Muslime.

 

1976

Unabhängig von diesen Vereinen wurde 1976 in Liestal ein kleines islamisches Zentrum eröffnet. Türkische Muslime, zum grossen Teil von der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus, richteten im Dachstock der ehemaligen Liestaler Bahnhofpost einen kleinen Gebetsraum ein. Sukzessive konnte die Liestal Moschee im Verlauf der Jahre vergrössert und ausgebaut werden.

«Islamische Glaubensgemeinschaft (Liestal Moschee)»

 

1980

Der Sufiorden «Tidjaniyya» beginnt in Basel seine Tätigkeit.

 

1985

Von der gleichen Bewegung wie der in Liestal wurde in Basel 1985 eine Niederlassung eröffnet. Zuerst befand sich die Hicret Camii an der Dornacherstrasse 177, seit einigen Jahren an der Güterstrasse 91. Zeitweise wurde an der Schweizergasse eine Filiale geführt.

«Stiftung Islamische Glaubensgemeinschaft / Basel Hicret Camii»

 

1987

1987 kaufte die «Islamische Stiftung» (unter diesem Namen nicht mehr existent!) an der Friedensgasse 18 die ehemalige Fabrik Althaus Wyss. Diese Stiftung wurde von türkischen Muslimen von der «Föderation Islamischer Vereine Schweiz / Isviçre Islam Cemiyetleri Federasyonu» gegründet.

Geplant war ein echtes islamisches Zentrum mit Gebetsraum, islamischem Kindergarten, Schulungsräumen für Seminare, Gästezimmern, Bäckerei etc.

Aus dem über das Dach ragenden Lifthäuschen sollte ein Minarett werden.

Am Minarett störten sich sowohl Islam- wie Fremdenfeinde und brachten das ganze Projekt mit Einsprachen zum Stillstand.

Deshalb konnte das zu überhöhtem Preis gekaufte Gebäude weder ausgebaut noch genutzt werden. So fehlte bald das Geld, um die hohen Hypothekarzinsen zu bezahlen. Deshalb wandte sich der Stiftungsrat an die Saudis um Hilfe.

Die Stiftung erhielt das Geld, aber zu einem hohen Preis. Sie musste umbenannt werden in «Islamische König Faysal Stiftung». Diese und die weiteren Forderungen führten dazu, dass sich die türkischen Muslime zurückzogen.

 

1990

Bosnische Muslime begannen sich in Rümligen zu organisieren, beteten gemeinsam und unterrichteten ihre Kinder.

 

1992

Verantwortliche islamischer Vereinen begannen mit dem Aufbau einer Dachorganisation der sunnitischen Vereine von Basel-Stadt und Baselland: «Basler Muslim Kommission».

 

1993+1994

Seit 1993 resp. 1994 führten Bosnier «Bosnische Kulturzentren» in Liestal und in Basel.

Wegen Geldmangels mussten beide Zentren anfangs 1999 geschlossen werden.

 

1994

Albanische Muslime fanden während einiger Jahren bei ihren türkischen Glaubensbrüdern Gastrecht. Das heisst, sie organisierten beim Freitagsgebet während der Predigt eine eigene Zusammenkunft mit Predigt durch einen albanischen Hodscha.

Seit Anfang der neunziger Jahre versammelten sie sich an der Friedensgasse und gründeten 1994 den «Islamischen Verein Besimtari».

 

1997

Die «Basler Muslim Kommission» begann ihre Arbeit 1992. Offiziell gegründet wurde sie 1997 und war der Dachverband von 14 islamischen (sunnitischen) Stiftungen und Vereinen von Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

Sie ist erstmals mit ihren Bemühungen für ein islamisches Grabfeld auf dem Friedhof am Hörnli an die Öffentlichkeit getreten und war auch Ansprechpartner bei der Realisierung. Das Grabfeld wurde am 14. Juni 2000 offiziell eröffnet.

 

1998

Türkische Nationalisten gründeten eine weitere türkische Mescid. Sie spalteten sich vom Verein am Leimgrubenweg ab, weil ihnen die führenden Leute zu wenig nationalistisch waren. «Basel Türk Kültür Dernegi / Türkischer Kultur Verein / Mevlana Cami» ist sinnigerweise an der Strasse mit dem Namen «Auf dem Wolf» – er wird grösstenteils von Grauen Wölfe besucht, was aber vom Vorstand abgestritten wird.

Im gleichen Jahr wurde die «Schweizerische Islamische Jugendvereinigung Basel SIJB» gegründet.

 

1999

Die bosnischen Muslime mussten wegen Geldmangels beide Zentren anfangs 1999 schliessen. Sie fanden während einigen Monaten Gastrecht am Leimgrubenweg («Türkisch Islamischer Sozial und Kultur Verein Fetih Moschee»), bis sie unter dem Namen «Bosnisch Islamische Gemeinschaft Basel» an der Gempenstrasse 60 einen kleinen Raum mieten konnten. Seither fanden dort die Gebete und die Koranschule statt. (Seit 2009: Islamische Gemeinschaft Bosniens, Dzemat Basel)

Die «Gemeinschaft Islamischer Dialog GID» wurde von einer Handvoll eher liberaler Muslime um Samir Shafy gegründet. Einige wenige türkische Muslime sind in diesem Verein aktiv. Das Sekretariat befand sich bis 2001 im islamischen Zentrum an der Friedensgasse 18.

 

2000

Im Jahr 2000 spaltete sich eine Gruppe türkischer Muslime von der Kasernen-Moschee ab und eröffnete nur 5 Fussminuten von der Kaserne am Schafgässlein die «Kleinbasel Merkezi» (heute Merkez Gebetsraum Mescid).

Das islamische Grabfeld auf dem Friedhof am Hörnli, für das sich die «Basler Muslim Kommission» eingesetzt hatte, wurde am 14. Juni 2000 offiziell eröffnet.

 

2001

2001 zog die albanische Gemeinschaft aus dem islamischen Zentrum der «Islamischen König Faysal Stiftung» an der Friedensgasse 18 aus. Seither haben sie für ihren «Islamischen Verein Besimtari» ein eigenes Lokal an der Haltingerstrasse 96.

Das Sekretariat der «Gemeinschaft Islamischer Dialog GID» verlässt das islamische Zentrum der («Islamischen König Faysal Stiftung») an der Friedensgasse 18.

 

2002

2002 gab es eine weitere Spaltung. Arabischsprachige Männer, zum grossen Teil zwischen 20-35 Jahren, zogen aus der Friedensgasse aus und richteten in einem Wohnhaus an der Elsässerstrasse 128 den «Arrahma-Verein» ein.

 

2003

Im Sommer 2003 spaltete sich eine Gruppe albanischer Muslime vom «Islamischen Verein Besimtari» ab, weil dort der Raum viel zu klein wurde. Sie treffen sich unter dem Namen «Kulturverein «Paqja» / Bashkia kulturore PAQJA» (heute «Kulturverein Paqja») an der Schönaustrasse 65 in Basel.

 

2004

Die «Basler Muslim Kommission» setzt sich dafür ein, dass Helal-Schlachtungen gesetzeskonform geschehen.

Am 31. März 2004 gründeten Yusuf Koca und zwei weitere Kollegen die «Said-i Nursi-Stiftung».

 

2005

Im Frühling 2005 eröffnete ein Teil der Mitglieder des albanischen «Kulturvereins Paqja» in Pratteln einen neuen Gebetsraum, weil der Weg für die ausserhalb von Basel wohnenden albanischen Muslime zu weit war. Ihr «Gebetsraum Drita Verein» befindet sich im Industrieareal am Rührbergweg 7.

Seit einigen Jahren traf sich eine islamische Bruderschaft und Vereinigung aus dem Senegal (Mouridiyya). 2005 gaben sie sich den Namen «Kultureller solidarischer senegalesischer Verein „Dahira Mandianne Linassik“».

Im Dezember 2005 wird an der Kleinhüningerstrasse 199 das Lokal der «Said-i Nursi-Stiftung» eröffnet.

2009

Die «Islamische Gemeinschaft Bosniens, Dzemat Basel» eröffnet an der Kleinhüningerstrasse 55 in einem ehemaligen Ladenlokal ihr neues Domizil.

Die «Basler Muslim Kommission» lädt mit dem «Interreligiösen Forum Basel (IRF)» zum ersten öffentlichen Fastenbrechen ein.

 

2010

Fredy Aly Bollag, der Scheich des Sufiordens «Tidjaniyya», verunglückte bei einem tragischen Verkehrsunfall am 17.11.2010 tödlich.

Zweites öffentliches Fastenbrechen.

 

2011

Drittes öffentliches Fastenbrechen.

 

[int.Nr.:i21e02]

 

Aktualisiert: 16.9.2011

 

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