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Sunniten: Islamische Gemeinschaften

2017 gibt es in Basel-Stadt zwölf sunnitische Zentren, in Muttenz zwei und in Bottmingen, Pratteln und Liestal je ein Zentrum.

 

Struktur der islamischen Zentren

Religiöse und weltanschauliche Ausrichtung

Alle beschriebenen Zentren sind sunnitisch, mehrheitlich hanefitisch, aber offen für alle Muslime. Alle befragten Muslime legen Wert darauf, dass für sie die Zugehörigkeit zu einer Richtung, einer Rechtsschule, sowie Nationalität und Rasse unwichtig seien. Alle Muslime gelten im weiteren Sinn als Mitglieder und sind zu den Gebeten und weiteren Veranstaltungen eingeladen. Die Vereine wollen sich als politisch neutral verstanden wissen. Ob und welchen Parteien die Sympathie der Besucher gehört, gilt als Privatsache.

 

Sprachgruppen

Die meisten Zentren sind nach Sprachzugehörigkeit organisiert:

Albanisch: 3

Mazedonisch: 1

Arabisch: 3

Bosnisch: 1

Türkisch: 8

 

An der Friedensgasse 18 ist die Predigtsprache arabisch; verschiedene Sprachgruppen treffen sich ausserhalb der Gebete zu Zusammenkünften mit erzieherischen und sozialen Themen.

 

Organisationsformen der islamischen Zentren

Organisationsformen von 13 der islamischen Zentren sind Vereine, je eines ist eine Stiftung, respektive informelle Gruppe. Die nominelle Mitgliederzahl sagt nichts aus über die Anzahl Muslime, die dort ihre geistige Heimat gefunden haben oder mehr oder weniger regelmässig an Gebeten teilnehmen. Mit Ausnahme der Islamischen König Faysal Stiftung sind alle Zentren, unabhängig von der Organisationsform, finanziell autonom. Meist wird ein fester monatlicher Beitrag bezahlt. Wo nichts anderes erwähnt ist, gelten die üblichen Formen eines Vereins mit demokratisch gewähltem Vorstand, Jahresversammlung und öffentlicher Jahresrechnung.

 

Die Mehrheit der islamischen Zentren von Basel-Stadt und Basel-Landschaft sind lose verbunden durch die Basler Muslim Kommission .

 

Unabhängig von einer Mitgliedschaft im jeweiligen Verein, gelten alle Muslime als zur Umma zugehörig und sind deshalb bei allen Gebeten willkommen.

 

Räumlichkeiten

Alle islamischen Zentren in der Nordwestschweiz sind in Räumen eingerichtet, die nicht für diesen Zweck gebaut wurden: in einem ausgebauten Estrich oder einem Gewerbe- oder Lagerraum. Es ist erstaunlich, wie die meist recht hässlichen Räume durch Fronarbeit zu ansprechenden Gebetsräumen ausgebaut wurden.

 

Weil geeignete Räumlichkeiten rar sind, muss für die meisten Lokale zu viel Miete bezahlt werden. 3'000 bis über 5'000 Franken pro Monat sind keine Seltenheit.

 

Die Elemente sind überall gleich: Ein Teppich bedeckt den Boden. Eine Nische (Mihrab) dient für die Bestimmung der vorgeschriebenen Richtung nach Mekka (Qibla). Ein Treppchen daneben erfüllt die Funktion als Mimbar, auf der der Imam die Hutba, die Freitags- oder Festtagspredigt hält. Meist steht daneben noch eine Kanzel oder ein Rednerpult für die Unterweisungen. Als Schmuck hängen Kalligraphien an den Wänden.

 

Angebote

Die islamischen Zentren bemühen sich, für möglichst viele der täglichen fünf Gebete ihre Räumlichkeiten offenzuhalten. Die Öffnungszeiten sind abhängig von den Arbeitszeiten der Aktiven sowie von weiteren Ehrenamtlichen, die nicht (mehr) berufstätig sind.

Daneben wird auch die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) von islamischen Zentren organisiert.

 

Seelsorge

Imam oder Hodscha kann grundsätzlich jeder Muslim sein, der die Gebete in arabischer Sprache sicher beherrscht und in der Lage ist, die Betenden anzuleiten. In der Praxis ist ein Hodscha ein religiöser Lehrer, der oft eine ähnliche Stellung wie ein christlicher Pfarrer hat und als Seelsorger amtet. Es braucht keine spezielle Ausbildung dafür, aber heute haben die Hodschas immer öfter ein mehr oder weniger offizielles Studium absolviert. Die türkischen und bosnischen Islamvereinigungen in Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben oft einen teil- oder sogar vollamtlichen Hodscha engagiert. Manchmal ist dies ein Pensionierter, der auf der Basis von Kost und Logis arbeitet.

 

Hodschas haben durch die heute ausgedehnten Besuchszeiten in den Spitälern meistens keine Probleme mehr, wenn sie Krankenbesuche machen wollen. Durch den fehlenden offiziellen Status werden sie aber wie gewöhnliche Besucher behandelt.

 

Kaum eine der Gemeinschaften ist in der finanziellen Lage, ständig einen Hodscha anzustellen. Oft wechseln sich pensionierte Hodschas ab und dienen der Gemeinschaft während der erlaubten Aufenthaltsdauer von drei Monaten als Vorbeter und Koranlehrer.

 

Bibliothek

Zu jedem islamischen Zentrum gehört eine kleine Bibliothek mit wichtigen Büchern des Islams wie Koranübersetzungen und -erklärungen, Nachschlagewerken und Büchern über die Sunna. Allerdings sind normalerweise nur Bücher in der jeweiligen Landessprache vorhanden. Wissenschaftliche oder kritische Bücher fehlen ganz.

 

Verkauf von islamischen Artikeln

Die meisten Zentren verkaufen an ihre Mitglieder islamische Kalender, Gebetsketten etc. sowie manche Artikel des täglichen Gebrauches und Halal-Fleisch.

 

Krankenbesuche und Sozialhilfe

Entsprechend der Situation in der Diaspora wird soziale Unterstützung vor allem auf dem informellen Weg organisiert. Die Solidarität ist das soziale Netz, das oft wichtiger ist als kommerzielle Versicherungen.

 

Von allen Zentren werden Krankenbesuche mehr oder weniger informell organisiert. In einzelnen Mescid gibt es eine Anschlagtafel, auf der verzeichnet wird, wer krank ist und Besuch benötigt. Oft macht der Hodscha Krankenbesuche.

 

Weitere soziale Hilfe wird freiwillig nach den jeweiligen Möglichkeiten und Bedürfnissen organisiert. Bei Todesfällen findet eine Geldsammlung für den Transport der Leiche in die Heimat statt, sofern nicht eine Sterbekasse vorhanden ist.

 

Jeder Muslim ist verpflichtet, einen bestimmten Betrag seines Vermögens als Sozialsteuer (Zakat) für Bedürftige abzugeben. Ausserdem wird im Koran das Geben von Almosen (Sadaqa) empfohlen. Manche Muslime senden die obligatorische Zakat in die Heimat, entweder einer bestimmten bedürftigen Familie oder einer Vertrauensperson, die das Geld Bedürftigen zukommen lässt. Es gibt auch Organisationen, denen Geld gegeben werden kann. Es gibt mehrere kleinere oder grössere Organisationen, die unter Muslimen Geld oder Hilfsgüter zugunsten von Bedürftigen sammeln, so zum Beispiel Islamic Relief und muslimehelfen. Milli Görus führt jeweils vor dem Opferfest die Aktion «Kurban Kampanyasi» durch.


[int.Nr.:i21e08]

Aktualisiert: 29.05.2017

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