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Was ist der Hinduismus?

 

Der Hinduismus kennt im Unterschied zu Islam und Christentum keinen Gründer und hat nicht einmal ein einheitliches heiliges Buch. Theoretisch werden zwar die Veden anerkannt, aber im Glauben spielen sie keine Rolle. Der Hinduismus ist in Jahrtausenden gewachsen und hat immer wieder neue Elemente aufgenommen, so auch in jüngster Zeit christliche. Die ältesten Formen der indischen Religiosität gehen zurück auf die Zeit vor der arischen Einwanderung (ab etwa 1500 vor Christus) und sind zum Teil in der tamilischen Spielform noch enthalten.

 

Bei allen Unterschieden innerhalb der verschiedenen Richtungen des Hinduismus gibt es doch einzelne Gemeinsamkeiten, so den Glauben an ein zyklisches Weltbild. Die Welten und alle Wesen werden erschaffen, sterben und werden wieder neu erschaffen. Dieser Kreislauf hat normalerweise kein Ende. Jede gute und schlechte Tat trägt Früchte, die die nächste Existenz bestimmen. Gemäss dieser sogenannten Karma-Lehre erfolgt die Geburt in einer bestimmten Kaste. Traditionell gibt es vier Kasten: Brahmanen = Priester; Kschatriya = Krieger- und Königskaste; Vaischya, «Mann des Volkes» = Bauern und Handwerker; Schûdra, die unterste Kaste. Im Verlauf der Zeit hat sich die hinduistische Gesellschaft in mindestens 2 000 Kasten und Unterkasten aufgespalten. Bei den Tamilen haben sich in den letzten Jahren die Kastenunterschiede recht verwischt. Nur die Zugehörigkeit zur Brahmanenkaste ist wichtig, weil nur Brahmanen Priester werden können.

 

Innerhalb des heutigen Hinduismus gibt es unter vielen anderen zwei grosse Bewegungen. Die Vischnuiten (oder Vaischnava) verehren als Hauptgott Vischnu und seine verschiedenen Avatare, das heisst «Herabstiege» von Gottheiten. Ein Teil von ihnen verehrt in erster Linie oder sogar ausschliesslich Krischna. Von dieser Richtung finden wir im Westen die «Krischna-Bewegung»; eine Minderheit der Tamilen bildet innerhalb der Krischna-Bewegung eine eigene Gruppe. Die Schivaiten (oder Schaivas) haben als Hauptgott Schiva. Seiner Familie kommt hohe Verehrung zu. Zu dieser Richtung zählt sich die Mehrheit der tamilischen Hindus.

 

Hindus werden als Polytheisten bezeichnet, weil sie mehrere Götter verehren. Für beinahe jeden Aspekt des Lebens ist ein anderer Gott oder eine andere Göttin zuständig. Es gibt auch die philosophische Einstellung, dass alle Götter verschiedene Erscheinungsformen oder Gesichter des einen Gottes sind.

 

Tamilen verehren einzelne Göttinnen und Götter bevorzugt. Allen voran Ganescha. Er gilt als der erste Sohn von Schiva und Parvati. Ganescha hat mehrere Namen: Ganapati, Vinayakar, Pilleyar. Im Tempel ist jeweils die erste Puja (=Verehrung, Anbetung) zu Ganescha. Vor jeder neuen Handlung wird zu diesem volkstümlichen Gott gebetet. Sein «Reittier» ist eine Ratte.

 

Obwohl Tamilen Schivaiten sind, spielt Schiva in der Verehrung eine eher untergeordnete Rolle. Wir finden zwar in den Tempeln einen Schiva-Altar, aber meistens ist es nur einer der kleinen Nebenaltäre.

 

Wichtiger ist Schivas Frau Parvati. Sie wird auch Amma, Mutter, genannt.

 

Im Herbst wird Navaratri gefeiert. Dies ist das Neuntagefest für drei Göttinnen. Die erste Göttin ist Lakschmi, die Spenderin des materiellen Wohlergehens, die zweite ist Parvati. Als dritte und letzte wird Sarasvati verehrt. Diese Göttin ist für Bildung, Kunst und Musik zuständig.

 

Bevor die kleinen Kinder in die Schule oder den Kindergarten gehen, werden sie für einen speziellen Sarasvati-Segen in den Tempel gebracht.

 

Murugan ist der zweite Sohn von Schiva und Parvati und der Bruder von Ganescha. Er gilt als Überwinder von Tyrannen und ist deshalb für Tamilen sehr wichtig. Für ihn wird im November das Fest Suranpor gefeiert. Dabei wird die Legende der Überwindung des Tyrannen durch Murugan nachgespielt.

 

Beim Tempeleingang ist der Altar für Vairavar. Diesen Gott und Tempelwächter finden wir nur in Tempeln, aber im Gegensatz zu den anderen Göttinnen und Göttern nie in einer Wohnung.

 

[int.Nr.:i22e01]

 

Aktualisiert: 23.6.2005

 

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