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Interreligiöse Partnerschaft zwischen Buddhisten und Christen

 

In der Schweiz gaben im Jahr 2000 bei der Volkszählung 21'000 Menschen als Religion «Buddhismus» an. Die überwiegende Mehrheit stammt aus Thailand. Deshalb beschränken wir uns hier auf diese Gruppe. Die thailändische Form des Buddhismus ist Theravada («Lehre der Älteren», auch abschätzig Hinayana, «Kleines Fahrzeug» genannt), im Gegensatz zu Mahayana («Grosses Fahrzeug») und Vajrayana («Diamant-Fahrzeug», tibetischer Buddhismus). In der Schweiz ist das Zentrum «Wat Srinagarindravaram» in Gretzenbach zwischen Olten und Aarau. Dieser im thailändischen Stil gebaute Komplex ist gleichzeitig Tempel, Kloster und soziales Zentrum für Thaibuddhisten.

 

Die buddhistische Ehezeremonie

Vor der buddhistischen Zeremonie muss das Brautpaar standesamtlich geheiratet haben und die Papiere vorweisen können. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist in der Schweiz eine religiöse Zeremonie nur eine individuelle Beigabe, aber nach Gesetz nicht bindend.

Vor der eigentlichen Ehezeremonie schickt der Bräutigam einen Vermittler zu den Brauteltern, um den «Brautpreis» auszuhandeln. Ist dies traditionell eine ansehnliche Summe, die der Bräutigam für die Erziehung und Ernährung der Braut zahlt, wird dies mehr und mehr zu einer symbolischen Gabe. Manchmal lassen sich die Brauteltern einen richtigen Brautpreis zahlen, der dann der Braut oder dem Brautpaar als Geschenk gegeben wird. Erst wenn dies geregelt ist, findet die Verlobung statt. Jetzt werden die Details für die Hochzeit festgelegt. So auch die wichtige Frage, wer die Hochzeit bezahlt. Oft sind dies die Brauteltern.

Am Hochzeitstag findet frühmorgens ein Umzug statt. Dabei werden viele, manchmal über 50, symbolische Gaben und Geschenke immer in doppelter Ausführung mitgeführt. So zum Beispiel Bäume und Blumen. Ausserdem wird der Brautpreis mitgetragen. Diese Gaben, mit Ausnahme des Brautpreises, erhalten die beiden Elternpaare zu gleichen Teilen.

Erst wenn dieser eher materielle Teil vorüber ist, kommen die Mönche. Das heisst, die Mönche kommen heim, die Hochzeit findet nicht im Tempel statt. Im Idealfall sind es neun Mönche, da die Zahl neun eine Glückszahl ist.

Nun beginnt die eigentliche religiöse Zeremonie. Die Mönche rezitieren Text in der alten Sprache Pali. Nach diesem Chanting erhält das Brautpaar Glückwünsche der Mönche. Anschliessend wird den Mönchen reichhaltiges Essen offeriert. Nun essen die Mönche. Dies muss vor Mittag geschehen, da die Mönche nach Mittag nicht mehr essen dürfen. Anschliessend essen alle Gäste. Nach dem Essen findet die Wasserzeremonie statt. Das Brautpaar sitzt an einem Tisch und hält die Hände über ein Becken. Nun giessen zuerst die Eltern, dann die Familienangehörigen und die Gäste dem blumenbekränzten Brautpaar mit einer Muschelschale Wasser über die Hände. Dann übergeben sie dem Brautpaar ein (meistens rotes) Couvert mit Glückwünschen und oft auch einem Geldgeschenk. Am Abend ist dann die weltliche Party.

Obwohl die buddhistische Ehezeremonie in Thailand gesellschaftlich sehr wichtig ist, verzichten viele Paare aus finanziellen Gründen darauf. Im Buddhismus gibt es keine Kirchensteuern, aber Gebühren für Rituale. Dieses «Tambun» bei einer Hochzeit ist sehr erheblich, deshalb verzichten manche Paare auf dieses Ritual.

 

Interreligiöse Partnerschaft

Etwa 95% der Thais sind Buddhisten, nur 5% Christen oder Muslime. Jeder Mensch kann durch ein einfaches Ritual Buddhist werden und sei es auch nur für einen Tag. Eine der christlichen Taufe vergleichbare Zeremonie gibt es im Buddhismus nicht. Bei jedem Ritual sprechen die Mönche die dreifache Formel der Zufluchtnahme: «Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha. Ich nehme meine Zuflucht zu Dhamma (Lehre). Ich nehme meine Zuflucht zu Sangha (Mönchsgemeinde).» Dadurch wird ein Mensch zur Buddhistin, zum Buddhist. Diese «Zufluchtnahme» wird jedes Mal wieder erneuert.

Thais - vor allem Frauen - die einen Schweizer heiraten, gehen meist eine interreligiöse Partnerschaft ein. Wichtig zu beachten ist, dass der Buddhismus keinen Absolutheitsanspruch kennt. So kann auch ein Christ gleichberechtigt an einer buddhistischen Zeremonie teilnehmen. Es ist auch ohne weiteres möglich, den Kindern die freie Wahl der Religionszugehörigkeit zu lassen oder sie zu taufen und trotzdem in den Tempel mitzunehmen.

 

Möglichkeiten der interreligiösen Heirat

Von christlicher Seite spricht grundsätzlich nichts gegen eine Heirat eines religionsverschiedenen Paares. Wenn eine Person der Römisch-katholischen Kirche angehört, braucht es einen Dispens vom Bischof. Die erste Ehe gilt immer als eine gültige Ehe, bei Getauften wie bei Ungetauften. Für getaufte Christen ist sie immer ein Sakrament, während sie bei Nichtgetauften als eine gültige «Naturehe» gilt. Wesentliche Merkmale beider Formen sind die Einheit und die Unauflöslichkeit. Bei der reformierten Kirche braucht es keinen Dispens. Einzelheiten sind mit der Gemeindepfarrerin oder dem Gemeindepfarrer zu klären.

Eine eigentliche interreligiöse Heiratsfeier ist eher eine Seltenheit und wird weder von Christen noch Buddhisten begrüsst. Die Mehrheit der Paare wird sich entweder für eine buddhistische oder eine christliche Trauung entscheiden. Dabei ist es sowohl in der reformierten als auch der Römisch-katholischen Kirche möglich, mit pastoralem Feingefühl in verschiedenen Graden nichtchristliche Elemente aufzunehmen. Beachtet werden muss aber, dass niemand dabei verletzt wird.

 

Christoph Peter Baumann

 

Weitere Auskünfte sind bei den Pfarrämtern und bei INFOREL erhältlich.


[int.Nr.:i23e101]

Aktualisiert: 17.10.2014

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