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Was ist die Bahá'í-Religion?

 

Die Bahá'í-Religion ist die jüngste Weltreligion. Sie führt die monotheistische Tradition des Judentums, Christentums und des Islams weiter. Im Zentrum stehen die Einheit Gottes, die Einheit aller Religionen und die Gleichheit aller Menschen unabhängig von Religion, Rasse, Klasse, Geschlecht oder der Nation. Bahá'í setzen sich für einen Weltfrieden in Gerechtigkeit ein.

 

Geschichte

Der Báb (das Tor), mit bürgerlichen Namen Mírzá ‚Alí-Muhammad, kündete1844 das Erscheinen des Bahá’u’lláh an. Der Báb hob islamische Gesetze teilweise auf und erliess neue Gebote und Gesetze (Bayán). Seine Lehren verbreiteten sich rasch und sehr bald mussten seine Anhänger unter schweren Verfolgungen leiden. 20’000 von ihnen fanden auf grausame Weise den Tod. Auch der Báb selbst wurde im Alter von 31 Jahren zum Tode verurteilt und erschossen. Bahá’u’lláh, das heisst “Herrlichkeit Gottes”, dessen Kommen der Báb verheissen hatte, wurde am 12. November 1817 als Sohn einer Ministerfamilie in Teheran geboren. Er gehörte bald nach der Erklärung des Báb zu dessen treusten Anhängern. Nach dem Tod des Báb suchten viele die Nähe von Bahá'u'lláh. Er wurde, zusammen mit seiner Familie und anderen Anhängern des Báb, aus dem Iran nach Bagdad verbannt. Dort erhob Er im Frühjahr 1863 den Anspruch, der Verheissene aller Religionen und der Offenbarer für dieses Zeitalter zu sein. Geistlichkeit und Regierung verbannten Ihn, seine Familie und einige Gläubige weiter nach Konstantinopel, Adrianopel und schliesslich in die Gefängnisstadt ‘Akka in der Bucht von Haifa im Heiligen Land. Dort lebte Er zuerst als Gefangener und dann unter Hausarrest bis zu seinem Tode 1892. Trotz Verbannung und Gefangenschaft offenbarte Bahá'u'lláh in zahlreichen Sendschreiben und Gebeten seine Lehren. Shoghi Effendi, der Urenkel Bahá'u'lláhs, wurde von Abdu'l-Bahá testamentarisch zum Hüter des Bahá'i-Glaubens und autorisierten Ausleger der Bahá'i-Schriften ernannt. Er leitete die Bahá'i-Gemeinschaft bis zu seinem Tod 1957.

Schon anfangs des Jahrhunderts waren die ersten Bahá'i in der Schweiz.

1933 wurde ein internationales Bahá'i-Büro in Genf eröffnet.

1953 gründeten die Bahá'i von der Schweiz und Italien einen gemeinsamen Nationalen Geistigen Rat.

1962 wurde der Nationale Geistige Rat der Bahá’i der Schweiz gegründet. Sein Sitz ist auch heute noch in Bern.

 

Lehre

Selbstdarstellung:

«Im Mittelpunkt der Bahá‘í-Lehren stehen die Einheit Gottes, die Einheit der Religionen und die Einheit der Menschheit. In allen Religionen wird eine gemeinsame Grundlage gesehen, die das Fundament der Einheit der Menschheit bildet. (Deshalb wird in den Häusern der Andacht nebst der Lesung aus den Bahá‘í-Schriften auch z.B. aus der Bibel, der Thora, dem Koran oder anderen Heiligen Schriften gelesen.)

Die moralischen und sozialethischen Forderungen nach Gleichwertigkeit aller Menschen und nach Weltfrieden sind zusammengefasst in Grundsätzen und Zielen:

• Einheit in der Mannigfaltigkeit

• Eigenständige Suche nach geistiger Wahrheit

• Alle Religionen basieren auf einer gemeinsamen Grundlage

• Religion soll zu Einigkeit und Eintracht unter den Menschen führen

• Einklang von Religion und Wissenschaft

• Gleichwertigkeit von Frau und Mann

• Überwindung von Vorurteilen jeglicher Art gegen Rassen, Klassen, Religionen und Minderheiten

• Verwirklichung des Weltfriedens

• Ermöglichung von Erziehung und Bildung für alle Menschen

• Streben nach weltweiter sozialer Gerechtigkeit

• Einführung einer Welthilfssprache

• Einsetzung eines Weltschiedsgerichtshofs

 

Jeder Bahá‘í steht unter der geistigen Verpflichtung, täglich zu beten, 19 Tage im Jahr zu fasten, indem sie oder er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts isst oder trinkt. Narkotika, Alkohol und alle Substanzen, die den Verstand beeinflussen, sollen gemieden werden. Bahá‘í leben in Einehe, die sie mit Zustimmung beider Eltern eingehen.»

 

Selbstdarstellung:

«Der Grundsatz der Einheit der Religionen auf gemeinsamer Grundlage beinhaltet bereits den ökumenischen Gedanken, deshalb wird die Beteiligung bei interreligiösen Projekten und Arbeitsgruppen angestrebt. Die internationale Bahá’í-Gemeinde ist Mitglied mit beratendem Status im Wirtschafts- und Sozialrat (Ecosoc) sowie im Kinderhilfswerk (Unicef) der Vereinten Nationen. Sie ist auch im Umweltprogramm der Uno und seit 1948 im Uno-Büro für Öffentlichkeitsarbeit vertreten. Die internationale Bahá’í-Gemeinde nimmt an Konferenzen teil, die sich mit Fragen der Menschenrechte, der sozialen Entwicklung, des Status der Frau, der Umwelt, der Ernährung, der Wissenschaft und Technik, des Drogenmissbrauchs, der Jugend, der Familie sowie der Abrüstung und der Friedenssicherung beschäftigen. Örtliche Bahá’í-Gemeinden unterstützen die verschiedenen lokalen humanitären Bemühungen der Uno.»

 

Organisation

Jede Gemeinde ist weltweit nach dem gleichen Prinzip konzipiert. Die Angelegenheiten der örtlichen Bahá‘í-Gemeinde werden von einem aus neun Mitgliedern bestehenden, jährlich gewählten Lokalen «Geistigen Rat» verwaltet.

Auf Landesebene wird jedes Jahr von Delegierten ein aus neun Mitgliedern bestehendes Gremium, der «Nationale Geistige Rat», gewählt.

 

Die Wahl des internationalen Gremiums, das «Universale Haus der Gerechtigkeit», erfolgt alle fünf Jahre an seinem Sitz in Haifa (Israel) anlässlich einer Tagung aller Mitglieder der Nationalen Geistigen Räte.

 

Alle Bahá’í-Wahlen sind geheime Wahlen ohne Kandidaturen und Wahlpropaganda.

 

Weltweit gibt es derzeit über 25’000 Lokale Geistige Räte und 179 Nationale Geistige Räte. Bei der Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten handeln die Bahá’i-Institutionen nach dem Prinzip der Beratung. Sämtliche Themen werden im offenen Gespräch und mit dem Wunsch behandelt, die Fakten zu ermitteln und zu einer Entscheidung zu gelangen, die auf geistigen Grundsätzen basiert und von persönlichen Interessen frei ist. In den Bahá’í-Schriften heisst es: «Der strahlende Funke der Wahrheit erscheint erst nach dem Zusammenprall verschiedener Meinungen».

Das Ziel der Beratungen ist ein einstimmiger Beschluss. Erfolgt eine Abstimmung, bei der keine Einstimmigkeit erreicht werden kann, ist die Entscheidung der Mehrheit bindend.

 

Bahá’i wird man, indem man Bahá'u'lláh als Gottesoffenbarer des heutigen Zeitalters erkennt und seine Lehren, Gebote und Gesetze annimmt.

 

Die Bahá’i haben keinen Klerus und zelebrieren keine von Menschen geschaffenen Riten.

 

Seit 1963 steht das «Universale Haus der Gerechtigkeit» in Haifa an der Spitze dieser Religionsgemeinschaft.

 

Finanzen

Die Institutionen und Aktivitäten der Gemeinden werden ausschliesslich von freiwilligen Spenden der Bahá’í getragen. Es gibt weder feste Beiträge noch eine Glaubenssteuer.

Die Spendeneinnahmen werden verwendet für Veranstaltungen, zur Unterstützung von sozialen Projekten, Schulen, Spitälern, etc. und für den administrativen Aufwand.

Jahresbudget und -rechnung werden offen geführt.

 

Versammlungslokal, Angebote, Auftreten in der Öffentlichkeit

Auf jedem Kontinent steht ein für alle Religionen offenes „Haus der Andacht“ (Langenhain Deutschland, Wilmette USA, Sidney Australien, Panama, Samoa, Neu Delhi Indien, Uganda).

Die «Geistigen Räte» sind primär für die Führung und den Schutz der Gemeinde zuständig.

Mitglieder erhalten den Veranstaltungskalender. Zu speziellen Anlässen wird mit Briefen oder Inseraten eingeladen. An der Buchmesse Informations- und Bücherstand. Unterstützung von weltweiten Projekten.

 

Selbstdarstellung:

«Ausgehend vom Prinzip der selbstständigen Suche nach geistiger Wahrheit ist eine aktive Missionsarbeit nicht angezeigt, jedoch die Förderung der globalen Entwicklung. Die Betonung der Notwendigkeit universaler Erziehung in den Bahá’i-Lehren hat zur Errichtung von Schulen auf allen Kontinenten geführt. Die Bahá’í haben zum Aufbau von über 500 Schulen beigetragen. Zu den sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungsprojekten in der ganzen Welt gehören auch Krankenhäuser, Ausbildungsprogramme für Frauen, genossenschaftlich organisierte Landwirtschaftsbetriebe und Fischereiprojekte. Zudem sind weltweit Radiostationen mit Erziehungsprogrammen in Betrieb. Ein Veranstaltungskalender wird verschickt und zu speziellen Anlässen wird mit Briefen oder Inseraten eingeladen. Broschüren und/oder Stellungnahmen zu besonderen Anlässen werden erarbeitet und an die Öffentlichkeit verteilt.»

 

Literatur, Zeitschrift

- Esslemont John Ebenezer Baha'u'llah und das neue Zeitalter. Hofheim-Langenhain 1976. (319 S.)

- Baha'ullah Sieben Täler. Vier Täler. Oberkalbach 1971, (74 S.) PB

- Hutter Manfred: Die Baha’í. Geschichte und Lehre einer nachislamischen Weltreligion. Religion in der Gegenwart. Religionswissenschaftliche Einführungen 2. REMID. Marburg. 1994. (50 S.) Br

- Veranstaltungskalender (für lokale Informationen).

- „Mitteilungsbulletin“ (nationale und internationale Informationen; nur für Baha’í)

- One Country

 

Weitere Links

Homepage der Baha’í Schweiz

 

Internationale Homepage

 

[int.Nr.:i245e01]

 

Aktualisiert: 8.5.2007

 

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