inforel
Differenzierte und unabhängige Information über Religionen und Weltanschauungen in der Region Basel

Der Glaube im täglichen Leben

«Scharia, das religiöse Gesetz

Die fünf Säulen

Das Gebet

Frauen und Männer

 


«Scharia», das religiöse Gesetz

Die höchste Richtschnur allen Handelns ist für alle Muslime – Mann oder Frau – der Koran, er gilt als das unveränderliche Wort des einen Gottes. Die Propheten gelten als solche, die sehr gottesfürchtig gelebt haben, ganz speziell Mohammed. Deshalb werden seine Handlungsweise und seine Aussprüche für Fragen und Probleme, die nicht direkt aus dem Koran beantwortet werden können, als Vorbild genommen. Diese Handlungen und Aussprüche wurden in der Form von Hadithen (Ausspruch, kurze Erzählung) gesammelt und bilden die Basis der Sunna (Brauch, Überlieferung).

 

Der Islam regelt alle Lebensbereiche, so auch die des Zusammenlebens und die Rechtsordnung. Die Scharia, das islamische Recht, ist gleichzeitig religiöse Pflichtenlehre, Zivil- und Strafgesetz. Weil nach der islamischen Lehre Staat und Religion nicht getrennt sind, ist die Scharia in einem islamischen Staat im Idealfall gleichzeitig Religions- und Staatsgesetz.

 

Gesetz und Religion sind so verwoben, dass Theologie im christlichen Sinne kaum vorstellbar ist. Muslimische Theologen sind gleichzeitig Rechtsgelehrte.

 

Die Muslime, die in der Schweiz, also in einem nicht-islamischen Staat leben, anerkennen in ihrer Mehrheit die Gesetze dieses Staates, da sie hier unbehindert als Muslime leben können.


Die fünf Säulen

Auf dem Koran und den Hadithen basieren die «Fünf Säulen», die den Islam tragen und die für jeden Muslim verbindlich sind.

 

1. Glaubensbekenntnis [SCHAHÂDA]

«aschhadu an la ilaha illa llah wa schhadu anna muhammada-rasulu llah»

Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt ausser Allah!

Ich bezeuge, dass Mohammad der Gesandte Allahs ist!

Wer dieses Bekenntnis vor zwei Zeugen ausspricht, wird zum Muslim/zur Muslima. (Allah heisst in arabischer Sprache «der Gott». Auch arabische Christen kennen als Gottesnamen nur Allah.).

 

2. Die fünf täglichen Pflichtgebete [SALÂT]

Jeder Muslim muss fünf mal täglich bestimmte Gebete verrichten.

 

3. Fasten im Monat Ramadan [SIYÂM]

Während des Ramadans wird von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang gefastet. Fasten bedeutet den Verzicht auf Essen und Trinken, aber auch auf das Rauchen und den Geschlechtsverkehr. Kranke, Reisende, schwangere und menstruierende Frauen dürfen normal essen, sollten das Fasten aber nachholen. Da sich der Islam nach dem Mondjahr richtet, das kürzer ist als das Sonnenjahr, wandert der Ramadan durch alle Jahreszeiten.

 

4. Die jährliche Sozialabgabe [ZAKÂT]

Die Armensteuer ist obligatorisch. Bevor Zakat bezahlt wird, sollen die legitimen Bedürfnisse der Familie befriedigt sein: Nahrung, Dach über dem Kopf, Kleidung etc. Zakat ist nicht zu verwechseln mit Almosen (Sadaqa), die freiwillig sind. Sie werden zwar auch empfohlen, können aber von den Gläubigen nach freiem Ermessen gegeben werden.

 

5. Die Wallfahrt nach Mekka [HADSCH]

Es ist Pflicht für jeden Mann und jede Frau, einmal im Leben den «Hadsch» mitzumachen, sofern es die Gesundheit zulässt und in ausreichendem Masse Geld vorhanden ist. Ehepaare sollten miteinander gehen. Die Finanzierung mit einem Kredit ist nicht erlaubt.

 

Der Hadsch erinnert an Ibrahim (Abraham), der von Gott auf die Probe gestellt wurde, indem er seinen Sohn opfern sollte (Koran, Sure 2, 124), der dann mit einem grossen Schlachtopfer ausgelöst wurde (Koran, Sure 37, 107).


Das Gebet

Zentral im Leben der Muslime sind die fünf täglichen Pflichtgebete, die von Männern wenn möglich in der Gemeinschaft verrichtet werden. Grundsätzlich kann überall gebetet werden, die Moscheen (Mescid) sind Räume für das gemeinsame Gebet, sie sind aber nicht geweihte Orte wie die Kirchen. Damit das Gebet gültig ist, müssen bestimmte Vorbedingungen erfüllt sein. Dazu gehört die rituelle Reinheit des Körpers, die durch bestimmte Waschungen erreicht wird, aber auch die Reinheit der Kleidung und des Gebetsplatzes.

 

Weiter müssen sich Betende nach Mekka richten und die Gebetszeiten einhalten. Die meisten Muslime haben einen Kalender, auf dem die genauen Gebetszeiten für die verschiedenen geografischen Gebiete angegeben sind: Nach Anbruch der Dämmerung, Mittags, wenn die Sonne den Zenit überschritten hat, am Nachmittag, nach Sonnenuntergang und bei vollständiger Dunkelheit.

Die Gebete werden arabisch gesprochen.

 

Männer sollen wenn immer möglich in der Gemeinschaft in der Moschee beten. Von Frauen wird dies dagegen nicht erwartet, auch wenn ihnen der Zugang zur Moschee grundsätzlich erlaubt ist. In der Regel verrichten sie ihre Gebete daheim.

Gebetszeiten


Frauen und Männer

Vornweg sei gesagt, dass zum einen viele Bräuche in islamischen Ländern sich an jahrhundertealte Traditionen orientieren. Folglich sind religiöse Praktiken häufig viel mehr kulturell bedingt als theologisch begründet. Zum anderen - und diese Tatsache ist hinsichtlich der folgenden Thematik höchst relevant - beherbergt der Islam (entsprechend den meisten anderen Religionen) eine Vielzahl an Strömungen, die wiederum je ihr eigenes religiöses Regelwerk verfolgen.

 

Dass diese Traditionen und Strömungen von Land zu Land stark variieren und sehr unterschiedlich gelebt werden, deutet daraufhin, wie stark Theorie und religiös gelebte Praxis auseinanderklaffen können. "DIE islamische Handhabung" gibt es also nicht. Weder in islamisch geprägten Ländern noch in der Schweiz.

 

Im folgenden eine Annäherung an die Lebenswelten von Frauen und Männern:

 

Traditionell ist in islamischen Ländern und in Asien die Gesellschaft auch heute noch tendenziell in eine Männer- und eine Frauendomäne geteilt. Dies macht sich teilweise auch bei uns bemerkbar. Ob sich eine strikte Trennung der Lebenswelten von Koran und Sunna ableiten lassen und ob das Verhältnis der Geschlechter darin eindeutig reglementiert wird, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Allgemein lässt sich festhalten, dass das Verhältnis der Geschlechter stark von der jeweiligen lokalen Kultur abhängig ist.

 

Beispielsweise sind sehr fromme Muslime davon überzeugt, dass der Kontakt zwischen Männern und Frauen, die nicht verwandt sind, auf ein absolutes Minimum beschränkt werden sollte. So sollten ein Mann und eine Frau nicht allein im gleichen Raum sein. Dies kann am Arbeitsplatz Probleme geben. Wenn der IWB-Mann kommt, um den Stromzähler abzulesen, oder ein Monteur, um eine Reparatur auszuführen, sollte eine zweite Frau, der eigene Mann oder ein Kind anwesend sein, damit der Fremde in die Wohnung gelassen werden kann. Liberale Muslime dagegen sehen in der Kontakt- und sogar Freundschaftspflege mit dem jeweils anderen Geschlecht kein theologisch begründetes Hindernis.

 

Der Streit über "die rechte Auslegung der Texte" entzündet sich oft an der Kleiderfrage: Während streng orthodoxe Muslime aus den Suren des Koran eindeutige Anweisungen herauslesen, welche die komplette Verhüllung vorschreiben, sind andere Muslime davon überzeugt, dass die Texte keinerlei konkrete Hinweise über jegliche Form von Verschleierung geben.

Sehr gläubige Muslime sind davon überzeugt, dass beide Geschlechter keine figurbetonte Kleidung tragen sollten. Dies wird bei streng orthodoxen Musliminnen durch das Tragen der Burka (einteiliger Ganzkörperschleier) oder des Niqab (zweiteilige Vollverschleierung) sichtbar. Sehr gläubige Männer orientieren sich mit ihrer Kleidung an Mohammed. Wir begegnen ihnen auch hierzulande oft mit einem bodenlangen weissen Gewand (Kaftan), Sandalen und einer Kopfbedeckung.

Im Gegenzug unterscheiden sich liberale Muslime in ihrer Alltagskleidung nicht von Nicht-Muslimen.

Siehe auch: Die Frau im Islam

 

Ähnlich uneinheitlich verlaufen die Positionen rund um das Begrüssungsritual mit dem Händedruck. Einige Muslime umgehen den Händedruck zwischen Mann und Frau, weil sie der Meinung sind, dass Nichtverwandte sich nicht berühren sollten. Andere hingegen, erachten den Händedruck als unproblematisch.

Um diesbezüglich unangenehmen Situationen vorzubeugen, wäre eine Möglichkeit ein alternatives Begrüssungsritual zu wählen. Einige Muslime schlagen die Hände vor die Brust und neigen dabei den Kopf nach unten. Mit dieser Geste wäre der Zweck der respektvollen Wahrnehmung und Begrüssung des anderen ebenso erfüllt wie unser hiesiger Händedruck.


[int.Nr.:i4153]

Aktualisiert: 12.04.2017

Für einen direkten Link auf diese Seite genügen diese Angaben:
www.inforel.ch/i4153

© INFOREL, Information Religion. Veröffentlichung nur mit schriftlicher Erlaubnis!