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Protest gegen den "Männerrat der Religionen"

 

«Mit grosser Akklamation ist im Mai dieses Jahres der Rat der Religionen in Bern gegründet worden. Als „Novum und Meilenstein“, als „historischer Moment“ wurde die Gründung des sechsköpfigen Gremiums, bestehend aus den „Spitzenvertretern“ der drei monotheistischen Religionen der Schweiz, bezeichnet. Laut Thomas Wipf, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), soll der Rat der Religionen offizieller Ansprechpartner der Bundesbehörden sein und einen Beitrag „zum Erhalt und zur Förderung des religiösen Friedens in der Schweiz“ leisten. Dies sind Ziele, die allen im interreligiösen Dialog tätigen Menschen in diesem Lande ein Anliegen sind.

Augenfällig aber ist, dass es sich um ein reines Männergremium handelt und die Frauen in diesem Rat überhaupt nicht vertreten sind. Angesichts der öffentlichen Kritik, die dieses Manko auslöste, äusserte Initiator Thomas Wipf sein Bedauern und betonte, dass die Gleichstellung von Mann und Frau für ihn eine Selbstverständlichkeit sei (NZZ am Sonntag 11. 6. 06). Kein Grund aber, wie sich zeigt, die Zusammensetzung des Gremiums zu überdenken und geschlechtergerecht zu gestalten.

Einmal mehr bestätigt sich: Die religiöse und interreligiöse Basisarbeit wird mehrheitlich von Frauen geleistet, während in den entscheidungstragenden Religionsinstitutionen mehrheitlich Männer sitzen und die Religion in der Öffentlichkeit vertreten.

Wir, in der religiösen Arbeit und im interreligiösen Dialog tätige Frauen aller drei Religionsgemeinschaften und verschiedener Konfessionen, protestieren in aller Form gegen die einseitige Zusammensetzung dieses für die Schweiz so bedeutenden Gremiums: Es geht nicht an, dass wichtige religionspolitische Fragen und Massnahmen zur Förderung des religiösen Friedens in der Schweiz ohne die Frauen verhandelt werden.

 

Wir wollen dies nicht hinnehmen und fordern eine geschlechtergerechte Neubesetzung des Rats der Religionen, in der Frauen und Männer gleichberechtigt ihre Sicht der Dinge einbringen.»

 

 

Initiantinnen:

Jasmina El-Sonbati und Doris Strahm

 

Kontaktadresse:

Dr. Doris Strahm, doris.strahm@swissonline.ch, 061 302 14 66

 

Unterzeichnerinnen:

 

Béatrice Acklin Zimmermann, Dozentin an der Universität Fribourg und Leiterin des Studienbereiches Theologie und Philosophie an der Paulus-Akademie Zürich, römisch-katholisch

 

Denise Alvarez, Pädagogin und Vokalistin, Jüdin

 

Susanne Andrea Birke, Katholische Frauenstelle Aargau, römisch-katholisch

 

Béatrice Bowald, Theologin und Kontaktfrau ESWTR (Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen) Schweiz, römisch-katholisch

 

Doris Brodbeck, Pfarrerin, OeME-Beauftragte Schaffhausen und Appenzell, evangelisch-reformiert

 

Verena Bürgi-Burri, Präsidentin Schweizerischer Katholischer Frauenbund SKF, römisch-katholisch

 

Denise Buser, Juristin, Titularprofessorin an der Universität Basel, römisch-katholisch

 

Meehyun Chung, Theologin, protestantisch

 

Marlies Dellagiacoma, Theologin und christkatholische Priesterin

 

Jasmina El-Sonbati, Gymnasiallehrerin, Muslima

 

Rebekka Grogg, Pfarrerin, evangelisch-reformiert

 

Amira Hafner-Al Jabaji, Islamwissenschaftlerin, Erwachsenenbildnerin und Journalistin, Muslimin

 

Li Hangartner, Fachstelle Feministische Theologie Luzern, römisch-katholisch

 

Catina Hieber, Studienleiterin für Frau und Gesellschaft, Arbeitskreis für Zeitfragen Biel, evangelisch-reformiert

 

Monika Hungerbühler, Frauenstelle der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt, römisch-katholisch

 

Monika Jakobs, Professorin für Religionspädagogik an der Universität Luzern, römisch-katholisch

 

Carmen Jud, Theologin, Projektleiterin Schweizer Frauen-Synode, römisch-katholisch

 

Hanna Kandal-Stierstadt, Theologin, evangelisch-reformiert

 

Anne-Marie Kaufmann-Konrad, Pfarrerin, christkatholisch

 

Brigit Keller, ehem. Studienleiterin für Frauenfragen an der Paulus-Akademie Zürich, römisch-katholisch

 

Susanne Kramer-Friedrich, Aktuarin IG Frauenkirche Schweiz und Vorstand der Ökumenischen Frauenbewegung Zürich

 

Tanja Esther Kröni, freischaffende Judaistin, Theologin und Publizistin, Jüdin

 

Liliane Lanève-Gujer, Studienleiterin für Gesellschaft, Entwicklung und interreligiöser Dialog, Arbeitskreis für Zeitfragen Biel

 

Agnes Leu, Projektstelle für Frauen im Forum für Zeitfragen Basel, evangelisch-reformiert

 

Elham Manea, Politologin, Muslimin

 

Tania Oldenhage, Studienleiterin am Ev. Tagungs- und Studienzentrum Boldern, evangelisch

 

Ina Praetorius, Theologin und freie Autorin, evangelisch-reformiert

 

Ruth Roman-Rosenfeld, Heilpädadogin und Lehrerin, Jüdin

 

Gabi Rosenberg, Journalistin und Malerin, Jüdin

 

Karin Schaub, Diakonin, christkatholisch

 

Susanne Schneeberger Geisler, Theologin, evangelisch-reformiert

 

Silvia Schroer, Professorin für Altes Testament an der CETheol Fakultät Bern, römisch-katholisch

 

Laila Sheikh, Redaktionsmitglied "Z'Visite" (interreligiöse Ausgabe kirchlicher und jüdischer Publikationen, unter muslimischer Mitwirkung), Muslimin

 

Judith Stofer, Theologin und Journalistin, römisch-katholisch

 

Doris Strahm, Theologin und Publizistin, römisch-katholisch

 

Regula Strobel, Wort-zum-Sonntag-Sprecherin SF 1, römisch-katholisch

 

Madeleine Strub-Jaccoud, Sozialarbeiterin, Basel, evangelisch-reformiert

 

Eva Südbeck-Baur, Theologin, Offene Kirche Elisabethen Basel, römisch-katholisch

 

Luzia Sutter Rehmann, Privatdozentin für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Basel, evangelisch-reformiert

 

Reinhild Traitler, Europäisches Projekt für Interreligiöses Lernen, evangelisch

 

Ruth Voggensperger, Juristin, ehem. Leiterin Fachstelle für Frauenfragen der Ev.-Ref. Landeskirche des Kantons Aargau, römisch-katholisch

 

Gertrud Würmli, Vorstand der Interessengemeinschaft feministischer Theologinnen Deutschschweiz / Liechtenstein


[int.Nr.:i501e381]

Aktualisiert: 18.01.2016

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