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Handbuch interreligiöser Dialog


 

Ein «Handbuch interreligiöser Dialog» gibt zu 11 Themen Auskunft aus katholischer, evangelischer, sunnitischer und alevitischer Perspektive. Erstmals informiert ein Werk nicht einfach aus „christlicher“ oder „islamischer“ Sicht, sondern zeigt auch die Unterschiede zwischen den grossen Kirchen sowie Sunniten und Aleviten.

 

Ein Autor oder eine Autorin behandeln jeweils das gleiche Thema aus ihrer Sicht, respektive aus der Sicht ihrer Religionsgemeinschaft. 9 Autoren und 4 Autorinnen haben an dem Werk mitgearbeitet. Das hat die Auswirkung, dass nicht unbedingt ein homogenes Verständnis der jeweiligen Glaubensrichtung feststellbar ist. Dies hat allerdings auch den Vorteil, dass die Herausgebergruppe nicht versucht hat, um jeden Preis zu nivellieren.

Als fünfter Punkt folgt immer ein kurzer Abschnitt «Praktische Anschlussfragen».

 

Themen:

Interreligiöser Dialog

Kultur, Brauchtum und Glaube

Konversion

Glaube und Gesetz im religiösen Leben - Weltverantwortung und Weltgestaltung

Autoritätsstrukturen der Religionsgemeinschaften

Gebet und interreligiöses Gebet

Geschlechterverhältnis

Religionsverschiedene Ehe und Kindererziehung

Umgang mit Gewalt

Umgang mit alten Menschen

Tod und Begräbnis

 

Bemerkungen zum Inhalt

Angenehm fällt auf, dass heikle Fragen deutlich angesprochen werden. So stellt Mohr fest, dass der Abfall vom Islam eine schwere Sünde ist und dass das traditionelle islamische Recht dafür Strafen, teilweise die Todesstrafe vorsieht. (S. 66)

Zwei Seiten weiter kritisiert er aber, dass heute in einzelnen Ländern die Todesstrafe verhängt wird. Mohr stellt dem die Aussage aus dem Koran gegenüber , dass es in der Religion keinen Zwang geben darf. Er verlangt, dass die traditionellen Vorschriften revidiert werden müssten, weil sie im absoluten Widerspruch zu den Menschenrechten und dem Wortlaut des Korans stehen. (S.68)

Mohr differenziert zwischen Koran und Brauchtum undrelativert dadurch manches, was von vielen Muslimen dogmatisch verkündet wird. Dieser Ansicht schliesst sich auch Hüseyin Inam an: «… die religiöse Prägung der Mehrheit der Muslime von heute (besteht) oftmals aus althergebrachten religiösen Lehren und kulturellen Traditionen, die sich nur schwer direkt auf den Koran oder den Propheten zurückführen lassen.» (S.83)

 

Angenehm fällt auf, dass im Kapitel «Geschlechterverhältnis» im evangelischen Teil Dorothee Schaper einen kritischen Blick in die frauenfeindliche Stellung Geschichte der evangelischen Kirche wirft. ( S.147) Hüseyin Inam schliesst sich der kritischen Betrachtung an. Wohltuend hebt er sich damit von der Schönrederei der Gleichheit der Geschlechter im Islam ab. Er wagt es sogar, die wortwörtliche Anwendung des Korans zu hinterfragen. (S.157) Hingegen löst die katholische Darstellung von Wilfried Dettling SJ ein Kopfschütteln aus. Seine Stellungnahme liest sich als Schönschreiberei eines Mannes in einer von Männern beherrschten Kirche, in der Frauen mehrheitlich dienende Funktionen vorbehalten bleiben. Dass eine Frau als Präsidentin der Römischen Akademie für Archäologie wirkt darf, genügt wohl kaum, um die zunehmende Gleichberechtigung zu beweisen. (S.143 f.)

 

Die alevitischen Teile sind umfangreicher als die jeweiligen anderenTeile. Dies scheint auch gerechtfertigt, ist doch die alevitische Sicht kaum bekannt. Acht Teile verfasste Ismail Kaplan, ein profunder Kenner der alevitischen Religionsgemeinschaft. Die Alevitininnen Dilek Öznur und Mürvet Öztürk schrieben die übrigen Teile. Dass das Kapitel «Geschlechterverhältnis aus alevitischer Sicht» von einer Frau verfasst wurde, ist sicher zu begrüssen.

 

Trotz kritischer Bemerkungen kann das Buch wärmstens empfohlen werden!

 

Bibliographische Angaben:

Multireligiöse Studiengruppe: Handbuch interreligiöser Dialog. Aus katholischer, evangelischer, sunnitischer und alevitischer Perspektive. AABF Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.

ISBN: 3-00-017959-3

 

Bezugsquelle:

Ismail Kaplan

MUREST Multireligiöse Studiengruppe 

Stolberger Str. 317- 50933 Köln

Tel.: 0049-221/ 94 98 56 0

 

[int.Nr.:i50e7468]

 

Aktualisiert:

 

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