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Gastfreundschaft - aus religiöser Sicht

Gastfreundschaft: Gast oder Gastgeber

Die Anregung zu dieser Seite über «Gastfreundschaft - aus religiöser Sicht» kam von «IRAS-COTIS - Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz», die zu diesem Thema 2006 ihre Jahrestagung: «Gastfreundschaft - eine heilige Pflicht?» durchführte. Wir haben das Thema erweitert und ausgebaut.

 

Gastrecht und Gastpflicht

Für uns bedeutet eine Einladung Gastfreundschaft, für die Einladenden hingegen Gastpflicht, die sie den Gästen gegenüber erbringen. Deshalb sollten wir anstelle des zwar schönen, aber missverständlichen Begriffes «Gastfreundschaft» besser von «Gastpflicht» sprechen.

In den meisten Kulturen und Religionen ist sie eine elementare Pflicht. Rational kann sie höchstens erklärt werden auf dem Hintergrund der ländlichen Verhältnisse vor der Moderne, als es weder die heutigen Transportmittel, noch Hotels oder andere vergleichbare Unterkünfte gab. So waren Reisende darauf angewiesen, dass sie überall Unterkunft, Verpflegung und allenfalls medizinische Pflege erhalten konnten. Dies ist aber sehr rational. Für gläubige Menschen hat die Gastpflicht religiöse Wurzeln.

 

Gastfreundschaft bei einzelnen Religionen

Gastfreundschaft im Judentum

Im «Alten Testament» /Tora wird meist «Fremdling» anstelle des Begriffes «Gast» verwendet. Der Fremdling soll nicht bedrückt werden. Im Weinberg darf nicht Nachlese gehalten werden zugunsten des Fremdlings. Die Pflicht, den Gast würdig zu behandeln, geht so weit, dass die Missachtung als todeswürdiges Verbrechen betrachtet wird. Für Juden heute ist es eine Pflicht, Gastfreundschaft in seinem Heim zu gewähren.

Gastfreundschaft im Judentum

 

Gastfreundschaft im Christentum

In der frühen Christengemeinde wird der Begriff «Gastfreundschaft» verwendet. Paulus rief im Brief an die Römer dazu auf, Gastfreundschaft zu üben. Im Brief an Timotheus beschrieb er, wie ein Bischof sein soll, nämlich untadelig, Mann einer einzigen Frau und gastfrei. Alle Gemeindeglieder sollen gastfrei sein.

Gastfreundschaft im Christentum

 

Gastfreundschaft im Islam

Im Koran werden die Muslime zur Gastfreundschaft aufgerufen. Sie soll für drei Tage gewährt werden. Sogar ein Heide soll aufgenommen und geschützt werden.

Gastfreundschaft im Islam

 

Gastfreundschaft im Hinduismus

Die religiöse Gastfreundschaft des Hinduismus ist sprichwörtlich. Wer nicht teilt, geht nicht durchs Tor zu andern Welten ein, heisst es im Naladiyar. Gäste werden wie Gott behandelt, heisst es im Katechismus der schivaitischen Hindus.

Gastfreundschaft im Hinduismus

 

Gastfreundschaft in der Bahá'í-Religion

Unter den Tugenden ragen heraus die Liebe zu Gott und auch die Gastfreundschaft.

Der Bahá'í-Glaube empfiehlt die Gastfreundschaft in beiden Bedeutungen des Begriffs, einerseits Menschen bei sich aufzunehmen und andererseits Bedürftige unentgeltlich zu beherbergen und zu nähren. Im Bereich der Häuser der Andacht ist vorgesehen, ein Gebäude der Aufnahme der Reisenden und von Personen, die Schutz und ein Obdach benötigen, zu weihen.

Gastfreundschaft in der Bahá'í-Religion

 

Gastfreundschaft im Buddhismus

Buddha lehrte die hohen Ideale des Friedens und der Gastfreundschaft und des Mitleids für alles, was lebt. Bei Buddhisten werden Gäste geehrt und verwöhnt.

Gastfreundschaft im Buddhismus

 

Gastfreundschaft in der Sikh-Religion

Guru Nanak, der Gründer des Sikhismus, verlangte von seinen Schülern die Einhaltung von 3 Prinzipien: Arbeit für deinen Lebensunterhalt, Bete zu Gott, teile mit deinen Mitmenschen. Dieses dritte Prinzip findet unter Anderem seinen Ausdruck im Langar, der öffentlichen Küche, die zu jedem grösseren Gurdwara (Sikh-«Kirche») gehört. Im Langar können alle Menschen täglich ein einfaches, sättigendes Mahl erhalten.

Gastfreundschaft in der Sikh-Religion

 

 

ZU GAST BEI …: Was müssen wir beachten?

Grundsätzlich sind bei allen Religionen Gäste willkommen. Dass wir im Normalfall anfragen, ob wir zum gewünschten Zeitpunkt willkommen sind, sollte selbstverständlich sein.

Da wir höfliche Menschen sind, wollen wir unsere Gastgeber nicht vor den Kopf stossen oder sie verletzen. Obwohl bei den verschiedenen Religionen die Verhaltensregeln unterschiedlich sind, gibt es doch gewisse Regeln, die überall Geltung haben:

Wenn wir einen religiösen Versammlungsraum besuchen

- achten wir auf die passende Kleidung

- verzichten wir auf das Rauchen

- schalten wir das Handy aus

- lassen wir den Kaugummi in der Tasche und nicht im Mund

- fragen wir um Erlaubnis, wenn wir fotografieren wollen

- betreten wir keine Räumlichkeiten, die nicht eindeutig für die Öffentlichkeit bestimmt sind

- betrachten wir Kultgegenstände und heilige Bücher nur mit den Augen und nicht mit den Fingern

- sind wir niemals alkoholisiert

Während der Kulthandlungen:

- Wir gehen nicht unnötig umher.

- Lachen als Sich-Lustig-Machen über den Glauben hat in einem Gottesdienst keinen Platz.

- Wir reden oder schlafen nicht, auch wenn wir nichts verstehen.

 

Wenn Sie sich genauer informieren wollen, finden Sie genaue Angaben in folgendem Buch:

Christoph Peter Baumann: «Der KNIGGE der Weltreligionen».

 

LINKS

Gastfreundschaft (von Wikipedia)

 

Das Modell der interreligiösen Gastfreundschaft

 

[int.Nr.:i80e1002]

 

Aktualisiert: 26.10.2012

 

Für einen direkten Link auf diese Seite genügen diese Angaben:

www.inforel.ch/i80e1002.html

 

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