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2/2011, «Perlen für Messias»


 

Theophil Spoerri, pensionierter Spitalseelsorger, schrieb «Perlen für Messias. Die Goldstein-Hufschmid-Saga» und wird am 17. Februar 2010 daraus lesen und das eine oder andere jiddische Lied singen.

 

17. Februar 2010, 19.30

Gemeindehaus Oekolampad, Allschwilerplatz in Basel

(Tram 6, Haltestelle Allschwilerplatz)

 

Theophil Spoerri hat eine bewegte Geschichte erlebt und lässt die Zuhörenden und die Lesenden daran teilhaben.

 

Theophil tritt seit einigen Jahren unter seinem Künstlernamen Ben-Jjizchak Feinstein auf und singt jiddische Lieder. Der Name bedeutet «Sohn des Jizchak Feinstein». Damit besinnt er sich auf seine Wurzeln, die väterlicherseits im chassidischen Judentum sind.

 

Theophil ist als Sohn eines Missionarsehepaars aufgewachsen. Der Vater war vom Judentum zum Christentum konvertiert, die Mutter war evangelisch und bei einem Missionswerk in Rumänien tätig. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen.

Theophils Vater wurde in einem Pogrom als Jude (der er ja gar nicht mehr war) umgebracht.

Mit nicht viel mehr als dem, was sie auf dem Leib trugen, ist die Mutter von Theophil Spoerri mit ihren 6 Kindern in die Schweiz geflüchtet. Was bei dem Wenigen war, sind ein paar wenige Fotos, darunter eine der Mutter mit den Kindern. Diese Foto und die wenigen Informationen, die er über seine Familie hatte, nahm Theophil aus Ausgangspunkt, um diese «Goldstein-Hufschmid-Saga» zu schreiben. Dass er nicht die richtigen Namen – also Feinstein und Spoerri – verwendete, hat seinen Grund darin, dass er keine historische Familiengeschichte schreiben wollte, sondern eher einen Roman.

Manche der Eckdaten, die er verwendete, stimmen, aber alles andere hat Theophil erfunden, oder besser gesagt: nachempfunden.

 

Niemand kann sich vor seiner eigenen Geschichte retten. Das gilt auch für Theophil Spoerri. So kam er vor einigen Jahren in Kontakt mit jiddischen Liedern und wusste bald, dass das etwas mit ihm zu tun hat. Er begann diese Lieder zu lernen und trat dann damit auf. Als einziges Instrument dient ihm dazu eine Stimmgabel.

 

Ob es mit dem Alter zu tun hat, dass sich Theophil Spoerri mit seiner Familiengeschichte zu beschäftigen begann? Vielleicht. Dass er erst so spät dieses Buch geschrieben hat, liegt wohl eher daran, dass er nun auch Zeit hat dafür. Wer mit ihm spricht, hat wohl kaum je den Eindruck, dass er gestresst sei. Er gehört offensichtlich zu den glücklichen Menschen, die eines nach dem anderen machen, dafür aber das, was sie machen, dann auch richtig machen.

 

Allerdings kann nicht einmal Theophil Spoerri das Denken abschalten. Seit vielen Jahren beschäftigte er sich mit seiner Vergangenheit und fragte sich dabei auch, was er sei: Jüdischer Christ? Christlicher Jude? Für Juden ist er kein Jude, weil nur der Vater jüdischer Abstammung ist, die Mutter aber nicht.

Die Beschäftigung mit seiner Abstammung führte ihn dann dazu, dass er versuchte, eine mögliche Geschichte von 4 Generationen väterlicherseits und mütterlicherseits nachzuzeichnen.

Auch wenn er dazu sagt, dass das Buch ausser ein paar wenigen Eckdaten wenig historisch Haltbares enthält, hat er es verstanden, ein packendes Buch zu schreiben, das nicht nur spannend zum Lesen ist, sondern einen Einblick in rumänisches Judentum vermittelt.

 

Probleme der juden-christlichen Mission

Ein grosser Teil des Buches beschäftigt sich mit einer Frage, die beinahe unlösbar ist: Inwieweit sind wir der angestammten Religion und religiösen Kultur verpflichtet? Können wir die Religion wechseln, so wie eine Wohnung? Theophil Spoerri versucht gar nicht erst darauf Antworten zu geben, sondern zeigt die Gewissenskonflikte auf, die damit verbunden sein können. Er zeigt besonders die sozialen Aspekte. So verlieren Konvertiten die Familie. Andererseits gelten Konvertiten gesellschaftlich meist doch noch als jüdisch, was sich auf Theophil Spoerris Vater tödlich auswirkte.

Obwohl Theophil Spoerri von Geburt an Christ war, wird er mit seiner Herkunft konfrontiert und versucht, zu seinen jüdischen Wurzeln vorzudringen.

 

Fazit

Dieses Buch ist für alle zu empfehlen, die sich mit Fragen der jüdischen und jüdisch-christlichen Vergangenheit beschäftigen wollen, aber auch für jene, die einfach ein gut geschriebenes Buch lesen möchten.

Dass die «Fangemeinde» von Theophil Spoerri das Buch kauft und liest dürfte eigentlich selbstverständlich sein.

 

Zum Autor:

Theophil Spoerri, geboren 1939 in Jassy, Rumänien als Sohn des jüdischen Vaters Isak Feinstein und der Schweizerin Lydia Spoerri. Nach der Ermordung des Vaters im Pogrom von Jassy 1941 durch rumänische Faschisten, Rückkehr mit Mutter und Geschwistern in die Schweiz. Ausbildung zum Primarlehrer, Studium der Theologie, Gemeindepfarrer in der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Oekolampad, später Seelsorger am Universitätsspital Basel. Unter dem Namen Ben-Jizchak Feinstein Interpret von Liedern in jiddischer Sprache. Spoerri lebt in Basel.

 

Angaben zum Buch:

Theophil Spoerri: Perlen für Messias. Die Goldstein-Hufschmid-Saga. Frauenfeld 2010. (360 S., SW-Fotos)

Verlag Huber Frauenfeld

ISBN: 978-3-7193-1557-3

CHF 49.00 / € (D) 34.90

 

Erhältlich in jeder Buchhandlung. In der Buchhandlung Vetter ist das Buch an Lager.

Buchhandlung Vetter, Schneidergasse 2, 4001 Basel

Telefon 0041 (0)61 261 96 28

Mail: bvetter@magnet.ch

 

 

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Aktualisiert: 14.2.2011

 

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Aktualisiert: 17.10.2014

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