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9/2016, «Zeuginnen der Schweizer Reformation»


 

Rebecca A. Giselbrecht, Sabine Scheuter (Hg.):

«Hör nicht auf zu singen! Zeuginnen der Schweizer Reformation»

Die Herausgeberinnen Rebecca A. Giselbrecht und Sabine Scheuter beleuchten mit ihrem Buch einen wenig beachteten Aspekt der Reformation: Die Wirkungsbereiche der Frauen innerhalb der Schweizer Gesellschaft.

In einer Reihe von Beiträgen unterschiedlicher Autoren werden einzelne weibliche Pioniergeister der Schweizer Reformation porträtiert und auf ihre Einflussnahme hin analysiert. Daran anknüpfend stehen die Auswirkungen der Reformation auf die Geschlechterrollen, das Ehe- und Familienverständnis und allgemein die Stellung der Frau im 16. Jahrhundert im Fokus.

 

Zunächst werden in den ersten Beiträgen sozialgeschichtliche Grundlagen des 16. Jahrhunderts vermittelt. Wie war die Situation und Stellung der Frau während der Renaissance? Der Leser erfährt, dass gerade in Basel durch Erasmus von Rotterdamm ein revolutionäres Umdenken im Hinblick auf das Wesen der Frauen stattgefunden hat. Er war in dieser Hinsicht der fortschrittlichste der Reformatoren, so setzte er sich stark für die Aufwertung der Ehe, die Mädchenbildung und die allgemeine Gleichstellung von Mann und Frau ein.

Es folgen verschiedene Aufsätze, welche die unterschiedlichen Zeuginnen - von prominent bis völlig unbekannt - der Reformation darstellen. Dabei gehen die Autoren und Autorinnen darauf ein, wie sich diese Frauen über bestehende Konventionen hinwegsetzten und öffentlich lehrten, wie sie sich die heilige Schrift über eine feministische Lesart aneigneten, inwiefern sie überhaupt erfolgreich mit ihrem Engagement waren, und schliesslich auch, wie viele an den damals fest verankerten frauenfeindlichen Strukturen scheiterten.

Der letzte Teil des Buches setzt die Lebensläufe und das Wirken der Laientheologinnen in einen sozialgeschichtlichen Gesamtkontext und betrachtet das reformatorische Gedankengut hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit. Es wird die Frage aufgeworfen, ob das 16. Jahrhundert und die Reformation als Wendepunkt einer allgemeinen Besserstellung der Frauen zu erachten ist. Die Autoren sind sich hinsichtlich dieser Fragestellung nicht einig und veranschaulichen somit anhand einer Reihe von Punkten, inwiefern sich emanzipatorische Wandlungsprozesse durchgesetzt haben und wo sie leider versandet sind.

 

Dieses lesenswerte Buch vermittelt nicht nur geschichtliche Kenntnisse über das damalige Wirken von Frauen, sondern animiert ebenso dazu, einen Blick auf die heutigen Geschlechterrollen zu werfen und sie vor dem Hintergrund reformatorischer Impulse zu hinterfragen.

 

Bibliographisches:

Rebecca A. Giselbrecht, Sabine Scheuter (Hg.):

Hör nicht auf zu singen! Zeuginnen der Schweizer Reformation.

2016, 268 Seiten. Theologischer Verlag Zürich.

CHF 39.80

Bestellung bei: Buchhandlung Vetter

Mail: bvetter@magnet.ch

 

Veranstaltungen in Basel zum Thema:

Theaterstück von Satu Blanc: «Katharina von Bora»

Veranstalter: Evangelisch-Lutherische Kirche Basel

Vorstellungen: 20., 24., 29., 31. Mai und 1. Juni

Jeweils um 19.00 Uhr in der Kartäuserkirche, Thedorskirchplatz 7, 4058 Basel

 

Historischer Stadtrundgang: Wo ist die Reformation spürbar?

Veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Basel:

28. Januar, 10 Uhr. Dauer: ca. 1,5 Std.

Besammlung: Ökolampad-Statue, vor dem Kreuzgang des Münsters Basel

 

Martin Luther: Grösse und Grenzen

Vortrag von Prof. Ulrich Gäbler, emeritierter Ordinarius für Theologie und ehem. Rektor der Universität Basel, veranstaltet von der Neuapostolischen Kirche Basel:

25. April, 19 Uhr, Neuapostolische Kirche Basel, Breisacherstrasse 35, 4057 Basel

 


[int.Nr.:i1271e5001438]

Aktualisiert: 27.01.2017

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