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Wie umgehen mit diskriminierenden Passagen aus religiösen Schriften?

Jüngst hat der Runde Tisch der Religionen beider Basel die Empfehlung «Diskriminierung in und durch Religionsgemeinschaften» herausgegeben. Das Thema sei in Religionsgemeinschaften immer wieder präsent, weiss David Atwood, Koordinator für Religionsfragen im Kanton Basel-Stadt und Leiter des Runden Tischs. Einerseits stünden Angehörige von Religionsgemeinschaften auf der Seite der Betroffenen, etwa in Fällen von Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit. Andererseits werde aber auch die mögliche Verursachung von Diskriminierung und der eigene Umgang damit diskutiert. Dies kommt in der publizierten Handreichung zum Ausdruck. «Unser gemeinsames Ziel ist es ganz klar, Diskriminierung zu verhindern», so David Atwood.

Konkret wurde das Thema der Diskriminierung «durch» Religionsgemeinschaften nämlich letztes Jahr im Zuge der Abstimmung über die erweiterte Anti-Rassismus-Strafnorm zu Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung. Im Februar 2020 hat die Stimmbevölkerung der Schweiz dieses neue Gesetz angenommen. Dadurch stellen sich unter anderem neue Fragen zum Umgang mit potenziell diskriminierenden Textstellen aus religiösen Schriften. Bereits im Vorfeld der Abstimmung hätten zwei Mitglieder des Runden Tischs vorgeschlagen, eine Empfehlung herauszugeben und ihr Antrag sei mit grosser Bereitschaft aufgenommen worden, heisst es im Vorwort der Publikation. Der Runde Tisch habe bisher noch keine Erfahrungen mit solchen Empfehlungen gemacht, sagt David Atwood. «Da es in diesem Fall ein neues Gesetz gab, fanden wir es sehr sinnvoll, etwas Handfestes zu erarbeiten.»

Die Fachstelle Diversität und Integration Basel-Stadt und der Fachbereich Integration Basel-Landschaft haben deshalb das Thema in Zusammenarbeit mit juristischen Fachpersonen bearbeitet und sich mit den Mitgliedern des Runden Tisches beraten. Entstanden ist eine Publikation übersetzt in acht Sprachen, die religiösen Betreuungs- und Leitpersonen eine Hilfestellung bieten soll. Konkret empfiehlt der Runde Tisch PredigerInnen und Personen, die Einfluss auf Religionsgemeinschaften haben, «Textstellen mit Inhalten, die sich gegen eine bestimmte Personengruppe aufgrund bestimmter Merkmale (‘Rasse, Ethnie, Religion oder sexueller Orientierung’) richten, in religiösen Versammlungen, nicht unkommentiert im Sinne des Gesetzes zu zitieren.»

«Mein Anliegen ist, dass wir alle dazu stehen können, dass sich in jeder Religionsgeschichte auch diskriminierende Inhalte oder Aspekte finden und wir die Perspektive verfolgen, dass wir darüber reden können und konstruktiv damit umgehen», erklärt David Atwood. Er hofft deshalb, dass die proaktive Empfehlung auch als Auftakt zu einer längeren Diskussion verstanden wird, die über den Runden Tisch hinaus geht. In den Medien und auch in der LGBT-Community habe es bereits einige Reaktionen auf die Publikation gegeben. «Wir werden auf jeden Fall auch verfolgen, wie sie von den Religionsgemeinschaften aufgenommen wird und am Thema dranbleiben», so David Atwood.

Empfehlung des Runden Tischs beider Basel

 

[int.Nr.:i1271e5001489]

Aktualisiert: 17.03.2021

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