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Jesuiten

 

(Orden innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche)

 

Kontakt

Borromäum - Jesuitengemeinschaft, Byfangweg 6,4051 Basel

Jesuiten-Gemeinschaft: P. Eugen Frei. Telefon 061 205 94 48

Aktivitäten Borromäum: P. Johannes Gesthuisen. Telefon 061 205 94 42

Universitätsgemeinde: P. Bruno Brantschen, Herbergsgasse 7,4051 Basel. Telefon 061 264 63 63

 

 

Geschichte

Gründer der "Gesellschaft Jesu" (Societas Jesu) wie der Jesuitenorden offiziell heisst, ist der Heilige Ignatius von Loyola (1491-1556). Ignatius stammte aus einer baskischen Adelsfamilie, wurde Offizier und musste aufgrund einer Verwundung bei der Schlacht um Pamplona seine militärische Laufbahn aufgeben. Während einer langen Genesungszeit entschloss er sich, sein Leben in Zukunft religiös auszurichten. Er begab sich auf eine Pilgerreise nach Palästina und studierte nach seiner Rückkehr Philosophie und Theologie in Spanien und Frankreich. Im Laufe seiner Studienjahre in Paris sammelte er eine Gruppe Gleichgesinnter um sich. 1534 legten Ignatius und seine Freunde ihre ersten Gelübde ab. 1540 wurde ihre Gemeinschaft von Papst Paul III. als Orden anerkannt. Beim Tod ihres Gründers im Jahre 1556 zählte die Gesellschaft Jesu schon 1000 Mitglieder. Der Orden errichtete zahlreiche Schulen und Kollegien in ganz Europa und darüber hinaus. Schon früh brachten Jesuiten die Frohbotschaft des Evangeliums in die neu entdeckten Länder und Kontinente. Aufgrund ihrer soliden theologischen Ausbildung wurden sie auch eingeladen, als Berater am Konzil von Trient mitzuwirken. Viele waren Beichtväter an den europäischen Königs- und Fürstenhäusern. Der Erfolg brachte aber auch Probleme mit sich. So wurde der Orden im letzten Jahrhundert in verschiedenen Ländern verboten, weil man ihn als Machtinstrument der Päpste verdächtigte. In der Schweiz wurde nach dem Sonderbundskrieg der Jesuitenartikel in die Bundesverfassung von 1848 aufgenommen, der den Jesuiten verbot, eigene Schulen zu errichten und Pfarreien zu führen. Erst 1973 haben Volk und Stände mit einer Volksabstimmung diesen religiösen Ausnahmeartikel aus der Bundesverfassung gestrichen.

In Basel begann der Jesuitenpater Abbé Joye 1886 mit der Jugendseelsorge und gründete am Byfangweg ein Wohnheim für Waisenkinder und Lehrlinge, das "Vinzentianum", das spätere "Borromäum". Es war das erste Jugendzentrum der Stadt und für viele katholische Jugendliche ein beliebter Treffpunkt. Abbe Joye erkannte sehr bald die Bedeutung des neuen Mediums "Film", das er für seine Arbeit in der Jugendseelsorge einsetzte. So wurde das "Borri" zum ersten Kino in Basel. Später entwickelte sich das Borromäum immer mehr zu einem Bildungszentrum für Gymnasiasten, die dort Kurse in Philosophie und Religion besuchen konnten. Neben dem Wohnheim, das heute vor allem Universitätstudentinnen und -studenten, aber auch Lehrlinge und Schüler beherbergt, ist das Borromäum noch immer Sitz der Jesuiten in Basel. Viele kirchliche und nichtkirchliche Organisationen können die vorhandene Infrastruktur (Säle, Sitzungszimmer usw.) benutzen. Das "Ristorante Borromeo" bietet preisgünstige Mittagessen an. Die Jesuiten betreuen weiterhin das "Kino Borri" mit regelmässigen thematischen Filmzyklen und geben ein Halbjahresprogramm zu "Kultur und Spiritualität" heraus.

Die Patres sind auch in der Studentenseelsorge (Universitätsgemeinde an der Herbergsgasse 7), in der Spitalseelsorge und in Pfarrgemeinden tätig.

Zur Zeit leben in Basel 16 Jesuiten. Der Orden zählt weltweit an die 24'000 Mitglieder, wovon 85 in der Schweiz wirken.

 

 

Lehre

Die geistige Ausrichtung der Gesellschaft Jesu ist stark geprägt von der spirituellen Erfahrung ihres Gründers, des Hl. Ignatius, der seinen eigenen religiösen Weg im "Exerzitienbüchlein" für andere nachvollziehbar gemacht hat. Es geht darin um einen Weg der persönlichen Christus- und Gottesbeziehung und um den grossherzigen Dienst an Gott und den Menschen. Dafür legt der Jesuit die drei klassischen Gelübde des Gehorsams, der Ehelosigkeit und der Armut ab. Der Jesuit soll ein "contemplativus in actione" sein, einer, für den Gebet und Aktion in eins fallen und sich gegenseitig befruchten. Er soll weiter alles "zur grösseren Ehre Gottes" tun und den Menschen helfen, mehr Mensch zu werden. Der "Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit" ist eine moderne Fassung ignatianischer Spiritualität. Nicht festgefügte, starre Strukturen oder eine "unite de doctrine", sondern Flexibilität, Universalität und der Sinn für das Mögliche zeichnen die Handlungsweise des Ordens bis heute aus. Er nimmt die je neu sich ergebenden Herausforderungen an und reagiert darauf mit den entsprechenden Mitteln. So ist die Gesellschaft trotz ihrer 450 Jahre ein moderner, zeitgemässer Orden der römisch-katholischen Kirche, der heute weltweit tätig ist und insbesondere in Fragen der Wissenschaft, der Theologie und des interreligiösen Dialogs, aber auch -auf dem Gebiet der Erziehung, der Gerechtigkeit und der Inkulturation Wichtiges geleistet hat und noch immer leistet.

 

Organisation, Finanzen

Der Gesellschaft Jesu steht der Generalobere mit Sitz in Rom vor. Er wird von der Generalversammlung (Legislative) gewählt. Ihm unterstehen die Provinziale in den etwa 80 Provinzen, die es weltweit gibt. Die einzelnen Gemeinschaften am jeweiligen Ort werden von einem Superior geleitet. Dem Kontakt unter Jesuiten, dem Austausch und der gegenseitigen Information über Arbeit, Projekte und Schwierigkeiten wird eine große Bedeutung beigemessen. Regelmässige Besuche der Oberen und gemeinsame Treffen erleichtern den Informationsaustausch und ermöglichen eine gemeinsame Entscheidungsfindung.

Der Orden umfasst vor allem Priester, aber auch Laienbrüder. Voraussetzung für die Aufnahme ist eine physische und psychische Gesundheit und der Wille, den Satzungen des Ordens gemäss leben zu wollen. Nach einem zweijährigen Noviziat und den ersten Gelübden schliesst sich - für Priesteramtskandidaten - ein Philosophie- und Theologiestudium an, für Laienbrüder oft eine weitere berufliche Aus- und Weiterbildung. Nach der Priesterweihe erfolgt eine Spezialisierung je nach Eignung und Bedürfnissen. Nach mehreren Jahren Einsatz im Orden und einem weiteren spirituellen Ausbildungsjahr werden die feierlichen letzten Gelübde abgelegt.

 

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Aktualisiert: 29.05.2005

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