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Sikh Gemeinde Schweiz Gurudwara (Däniken)

Path (Sikh-Gottesdienst) in Panjabi.

 

Kontakt

Sikh Gemeinde Schweiz Gurudwara, Schachenstrasse 39, 4658 Däniken/SO.

Telefon 062 291 32 98.

Kontakt

Mail: info@gurudwaraswitzerland.ch

gurudwaraswitzerland.ch

 

Geschichte

- Sikh in Indien

Diese monotheistische Religion wurde von Guru Nanak (1469–1539) in Nordindien begründet. Nanak verstand sich als Reformer eines sinnentleerten ritualisierten Hinduismus und eines erstarrten Islams. Er lehrte einen bildlosen Monotheismus, der zwischen Menschen verschiedener Herkunft keinen Unterschied macht.

Offiziell wurde der Sikhismus am 1. Vaisakh 1699 von Guru Gobind Sing als eigenständige Religion erklärt. Seither lebte die Mehrheit der Sikh im nordindischen Bundesstaat Punjab. Die Sikh engagierten sich im Unabhängigkeitskampf gegen die englische Besatzung. Nach der Unabhängigkeit im Jahre 1947 wurde der Punjab in einen westlichen Teil, der heute zu Pakistan, und einen östlichen Teil, der zu Indien gehört, geteilt. Die Mehrheit der Sikh lebte im indischen Teil.

Eine Minderheit strebte einen eigenen Sikh-Staat Khalistan an. Deshalb herrschten im Punjab während Jahren bürgerkriegsähnliche Zustände. Im Anschluss an den von Indira Gandhi befohlenen Tempelsturm «Blue Star Operation» im Jahre 1984 flüchteten oder emigrierten Tausende in den Westen, so auch in die Schweiz.

 

- Sikh in der Schweiz

Von 1984 bis Anfang der neunziger Jahre lebten mehrere Hundert Sikh in Basel und Umgebung. Jährlich wurden mehrere Feste in gemieteten Sälen gefeiert. Während etwa einem Jahr gab es an wechselnden Orten einen kleinen «Gurdwara», wo jeden Sonntag Gottesdienste gefeiert wurden. Von 1992 bis 2003 war ein ständiger Gurdwara in einer ehemaligen Fabrik in Roggwil eingerichtet. Aus persönlichen Gründen spaltete sich die Gemeinde.

Die eine Gruppe tritt unter dem Namen «Sikh Gemeinde Schweiz Gurudwara» und hat am 26. Oktober 2002 in Däniken in einer ehemaligen Fabrikhalle ihren Gurdwara eröffnet.

Die andere Gruppe nennt sich SIS SIKH-Stiftung (Schweiz) auf. Sie hat einen Gurdwara nach indischem Vorbild in Langenthal gebaut.

Eine dritte Gruppe hat 2014 in Bassersdorf bei Zürich den Gurdwara Sahib Swiss in einer Gewerbeliegenschaft eingerichtet.

 

- Däniken

Die «Sikh Gemeinde Schweiz Gurudwara» konstituierte sich als Verein und gab sich am 23.3.2000 Statuten.

Am 26. Oktober 2002 eröffnete sie in Däniken im Industrieareal ihren Gurdwara. Als Gebäude diente eine alte Fabrikhalle, die nach und nach aus- und umgebaut wurde. Das 10-Jahre-Jubiläum war gleichsam der Anlass, um die Pläne für einen Neubau zu präsentieren. Der Architekt Arjuna Adhihetty erhielt den Auftrag, ein Projekt zu präsentieren. Basisdemokratisch wurde das Projekt diskutiert.

Am 9. April 2014 war der Spatenstich, am 20. April 2014 die Grundsteinlegung. Während der Bauphase wurde ein Teil der bisherigen Halle abgetragen und eine provisorische Wand angefügt. Die Gottesdienste fanden im ehemaligen Foyer statt.

Um den Bau fertig stellen zu können, musste der Rest des alten Gebäudes abgebrochen werden. Deshalb wurde der noch unfertige Gurudwara 23. November 2014 in Betrieb genommen. Die eigentliche Einweihung war am 19. April 2015 an Vaisakhi.

- Statistik

Mitglieder: ca. 250

Besuchende an Sonntagen: 70-120, an Festen 200-300.

 

Lehre und Ziele

- Die Sikh-Religion

Diese monotheistische Religion wurde von Guru Nanak (1469–1539) in Nordindien begründet. Nanak verstand sich als Reformer eines sinnentleerten ritualisierten Hinduismus und eines erstarrten Islams. Er lehrte einen bildlosen Monotheismus, der zwischen Menschen verschiedener Herkunft keinen Unterschied macht. Seine drei Grundsätze sind einfach: Arbeite für deinen Lebensunterhalt, bete zu Gott, teile mit dem Anderen. Er lehrte den Glauben an den einen allmächtigen Gott, den Schöpfer, der unerschaffen und unsterblich ist und nicht abgebildet werden kann. Im Gegensatz zum Islam lehrte Guru Nanak die Wiedergeburt. Stufenweise entwickeln sich die Wesen, bis sie die höchste Stufe als Menschen erreichen. Auf Nanak folgten neun weitere Guru. Der zehnte, Guru Gobind Singh, formte 1699 aus der Reformbewegung eine eigenständige Religion. Guru Gobind Singh erklärte die Unterschiede der Geburt als aufgehoben, Mann und Frau als gleichberechtigt. Alle Männer erhielten den Beinamen Singh, Löwe, die Frauen Kaur, Prinz. Mann und Frau erhielten in einer Zeremonie Amrit, Nektar, und wurden damit zu Mitgliedern der verbindlichen Brüderschaft der Sikh.

Sie wurden zum Tragen der «5 K» verpflichtet. Dies sind fünf Symbole, die im Punjabi mit dem Buchstaben «K» beginnen: Ungeschnittene Haare (Kesh), Männer dürfen auch den Bart nicht schneiden und tragen zusätzlich einen Turban. Ein hölzerner Kamm (Kangha) wird als Zeichen der Sauberkeit in den Haaren getragen. Besondere Baumwollunterhosen (Kachera) sollen zur sexuellen Mässigung beitragen. Ein Stahlarmreif (Kara) erinnert an die Verpflichtung zur Wahrheit. Ein Dolch (Kirpan), der Tag und Nacht getragen wird, ist das Zeichen dafür, dass Sikh Arme, Schwache und Unschuldige verteidigen.

Guru Gobind Singh vollendete das erste heilige Buch, Adi Granth, benannte ihn um in Guru Granth Sahib und erklärte damit sich selbst zum letzten menschlichen Guru, und das heilige Buch als Quelle des Spirituellen zum Guru.

Der Guru Granth Sahib enthält Texte von 26 Autoren aus unterschiedlichen religiösen Traditionen in verschiedenen Sprachen.

 

- Ziele der Sikh Gemeinde Schweiz Gurudwara

Zweck gemäss Handelsregister:

«Organisieren einer sozialen Umgebung für die Sprache und die Kultur nach der Lehre von Guru Garanth Sahib und den zehn Sikh Gurus, Lehren der Kinder betreffend Sikh Geschichte, Punjabi Sprache, Gurbani, Kirtan und Katha, Schweizer und Schweizerinnen über die Sikh Geschichte und deren Religion aufklären und informieren sowie Förderung von Kindern betreffend Seminare und Vorträge. Alle Aktivitäten werden auf nicht kommerzieller Basis durchgeführt.»

- Zusammenarbeit

Guru Nanak, der erste spirituelle Meister der Sikhs lehrte:

«Es gibt keine Hindus, es gibt keine Muslime, es gibt nur Geschöpfe Gottes.»

In diesem Sinn ist die Gemeinde offen gegenüber allen Religionen.

Die Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften geschieht vor allem über persönliche Kontakte.

 

Organisation, Finanzen

Verein nach ZGB mit den üblichen Strukturen.

- Leitung

Die Geschicke des Vereins werden von einem Vorstand (Parbandak Committe) verantwortet. Er wird unterstützt vom Advisory Committee. Für die Belange der Küche ist das Langar Committee zuständig.

Management

- Mann und Frau

Frauen und Männer sind gleichberechtigt, zur Zeit sind aber Frauen in keinem der Gremien vertreten.

- Ämter

In der Sikh-Religion gibt es keine Priester.

Im Gurdwara wird die meiste Arbeit von Freiwilligen als «Seva» - Dienst - verrichtet. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Seva auszuüben und sei es «nur» staubsaugen oder aufräumen.

Die Aufgabe als Granthi erfordert sehr gute Kenntnisse im richtigen Rezitieren aus dem heiligen Buch. Deshalb wird dies oft von professionellen Ragis gemacht. Ein Granthi ist aber kein Priester, sondern ein Mann oder eine Frau, der oder die den Guru Granth Sahib richtig lesen und rezitieren kann.

Musikalisch geschulte Erwachsene und Kinder tragen mit Schabad Kirtan - dem gesungenen Gotteslob - zum Gelingen eines Gottesdienstes bei. Ragi Jatha ist eine professionelle, religiöse Musikgruppe, die oft aus Indien gerufen wird und ein paar Wochen im Gurdwara lebt und wirkt. Sie sind hauptverantwortlich für Shabad Kirtan. Als Profis wirken sie auch als Granthi.

Unterricht für Kirtan - singen, Tabla (Trommel), Harmonium - ist nach dem Gottesdienst ein weiterer Dienst, der von Freiwilligen oder von Ragis angeboten wird.

Kinder erhalten ausserdem während oder nach den Gottesdiensten Unterricht in Punjabi.

- Finanzen

Die Mitglieder bezahlen einen festen Beitrag von CHF 50-100 pro Monat.

Der grösste Teil der benötigten Mittel wird aber als «Seva» (Spenden) gegeben.

Über die Finanzen wird Rechenschaft abgelegt.

 

Versammlungslokal, Angebote, Auftreten in der Öffentlichkeit

Der Gurudwara befindet sich in der Industriezone und hat eine prismenförmige Grundfläche von 357 m2 (Areal: 1637 m2) mit einer Länge von 31 Metern, einer durchschnittlichen Breite von 15 Metern und einer maximalen Höhe von 14 Metern. Der Neubau dient der Gemeinde als Versammlungs- und Schulungsort.

Im Eingangsbereich ist die Garderobe.

Angrenzend ist das Foyer, wo die Eingänge zu den Treppenhäusern, den sanitären Anlagen und zum Speisesaal («Langar»-Raum) sind.

Anschliessend an den «Langar»-Raum befindet sich die Küche mit nordseitiger Anlieferung. Im Untergeschoss sind Räume für besondere Nutzungen: Zimmer für den ständigen Sevadar, die Ragi Jatha (religiöse Musikgruppe), Unterrichtszimmer , Lager- und Technikräume.

Im Obergeschoss ist der Gebetsraum, der «Darbar Sahib». Im Zentrum ist der Palki mit dem heiligen Buch, dem Guru Granth Sahib. Dahinter ist der Ruheraum für den Guru Granth Sahib.

 

(So erreichen Sie den Gurdwara: Bahnhof Däniken [Strecke Olten-Aarau], von Olten aus gesehen links gehen, durch die Unterführung Richtung Atomkraftwerk Gösgen / Wegweiser «Industrie», erste Strasse rechts, parallel zu den Bahngleisen, ca. 5 Minuten zu Fuss, dann ist der «Nischan Sahib» sichtbar.)

- Montag bis Samstag:

Offen von 08.00 bis 20.00 Uhr. (Telefonische Voranmeldung wird empfohlen!)

Täglich morgens und abends Path.

Sonntag:

Offen von 06.00 bis 20.00 Uhr.

- 10.00 Uhr: «Path» (Lesung aus dem heiligen Buch Guru Granth Sahib)

- Anschliessend Kirtan (religiöse Musik)

- ca. 13.30 Uhr: Langar (öffentliche Küche)

Am Sonntag erhalten Kinder Unterricht: Panjabi-Sprache, Musik (Singen, Tabla und Harmonium), sofern Lehrerinnen oder Lehrer anwesend sind.

Feste («Gurpurb»):

Bei manchen Festen wird ein Akhand Path gehalten. Das heisst, von Freitag ab etwa 10.00 Uhr bis am Sonntag ungefähr zur gleichen Zeit wird der Guru Granth Sahib ununterbrochen komplett gelesen. In dieser Zeit ist auch der Gurudwara ununterbrochen geöffnet. Anschliessend Kirtan und Langar.

Sikh: Kalender

Programm

- Kinder und Jugendliche

In den Ferien wird oft ein Kindercamp angeboten, in welchem die Kinder die Panjabi-Sprache und die Grundlagen der Sikh-Religion lernen.

- Einladungen

Die Einladungen werden auf der Homepage publiziert:

Programm

Ausserdem werden die Einladungen auch als Newsletter verschickt.

Weitere Links

(Für die Inhalte der verlinkten Seiten übernehmen wir keinerlei Verantwortung!)

- Fotos vom Gurudwara in Däniken

- SIKH-GEMEINDE SCHWEIZ (Gurudwara Sahib Switzerland) (16.6.2015)

Handelsregister Kanton Solothurn

- Gurdwara der Sikh-Gemeinde Schweiz

Projekt «Kuppel − Tempel − Minarett» des Zentrums Religionsforschung der Universität Luzern


[int.Nr.:i1268]

Aktualisiert: 12.04.2017

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